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ESG und Bitcoin. Großes oder kleines "S"?

Bei der nachhaltigen Kapitalanlage nach ESG-Kriterien steht oft das “E” für die Auswirkungen auf die Umwelt im Mittelpunkt. Auf Grund der Eigenschaften dezentraler Zahlungssysteme lohnt sich jedoch auch beim Bitcoin der Blick über den Tellerrand.

07.09.2021 | 07:30 Uhr von «Martin Leinweber und Jörg Willig»

Bevor Investoren Geld anlegen sollten sie ihr Investment-Ziel definiert haben. In der Regel ist dies die Maximierung des Ertragspotentials unter Einhaltung eines bestimmten Verlustrisikos. Durch das regulatorisch forcierte Thema der so genannten „nachhaltigen Kapitalanlage“ und der daraus resultierenden Beachtung von ESG-Kriterien stehen Kapitalanleger vor einer zusätzlichen Aufgabenstellung.

Was ist ESG-konformes Investieren?

Die Ausrichtung von Kapitalanlagen an Kriterien abseits von Rendite und Risiko soll Unternehmen, die bestimmte Umweltaspekte (E für Environment), soziale Standards (S für Social) und Grundsätze der Unternehmensführung (G für Governance) berücksichtigen, an den Kapitalmärkten begünstigen. Für institutionelle Anleger und Fondsanbieter sind die regulatorischen Anforderungen schon aus Reputationsgründen nicht zu umschiffen.

Der Weg von der Idee bis zur „fertigen“ Regulierung wirkte oft konfus. So ist es nicht überraschend, wenn Anleger kopfschüttelnd reagieren, wenn sie mit Fristen zur Einhaltung von Regeln konfrontiert werden, die nicht einmal in der finalen Version vorliegen. Auch das weit verbreitete „Greenwashing“ existierender Finanzprodukte, die ohne strukturelle Änderung plötzlich ein grünes Etikett trugen, war der Glaubwürdigkeit nicht zuträglich. So war vor allem aus dem angelsächsischen Raum reichlich sachliche, deutlich formulierte Kritik zu hören.

Nachvollziehbare Kritik

Das Unternehmen BlackRock, hat in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle bei der Verbreitung von ESG-Investitionen gespielt hat. Die Gründe hierfür dürften jedoch wenig mit Überzeugung zu tun haben, sondern weitgehend wirtschaftlicher Natur sein. Darauf lässt auch die Aussage des ehemaligen Chief Investment Officer of Sustainable Investing des Asset Managers schließen.

“In truth, sustainable investing boils down to little more than marketing hype, PR spin, and disingenuous promises from the investment community“

– Tariq Fancy, ehemaliger Chief Investment Officer Sustainable Investing bei BlackRock

Neben der Umetikettierung existierender Fonds zu vermeintlich “grünen” Fonds werfen auch die Methodik der Datenerhebung und die Bewertung von Unternehmen Fragen auf. Schaut man sich die größten ETFs an, die das Label „ESG“ im Namen führen, so zeigen sich stets die Aktien der Unternehmen Amazon und Apple unter den größten fünf Positionen. Der integrierte Erdölkonzern Exxon findet sich häufig unter den Top 30 dieser ETFs. Möglich macht dies ein kompliziertes Ratingsystem, das nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch zukünftige Pläne des Managements berücksichtigt.

Unternehmen, die sich mit der Funktionsweise des Rating-Ansatzes beschäftigen, können sich darauf einstellen. Schon gut formulierte Willenserklärungen, die zum Ausdruck bringen, wie umweltfreundlich und sozial man zukünftig zu werden gedenkt, und entsprechende Projekte können einem schwächeren Rating auf den Pfad der Tugend helfen. Im hier und jetzt etwas zu ändern ist daher nicht zwingend notwendig.

Befremdlich ist zudem die offenbare Möglichkeit, gute Scores in einem Bereich mit schlechten Bewertungen in anderen Feldern aufzurechnen. So können Unternehmen, denen sozial bedenkliche Praktiken oder eine nicht vorbildliche Unternehmensführung zugeschrieben werden, ihre Gesamteinstufung teilweise durch hehre Umweltziele kompensieren. Auch mit Geld lässt sich einiges geradebiegen.

Ein Ölmulti kann etwa über den geplanten Ausbau erneuerbarer Energien und den Kauf von CO2 Zertifikaten sein Rating auffrischen. Offen bleibt die Frage, inwiefern es dem Umweltschutz per Saldo hilft, wenn ein Ölkonzern seine Gesamtbilanz durch die Übernahme eines Windkraftanbieters verändert.

ESG ist nicht nur E

Bei der Beurteilung des Bitcoins konzentrieren sich viele allein auf das E. Die Betrachtung des Energiebedarfs und der mit der Stromerzeugung verbundenen Umweltbelastung ist naheliegend. Die Diskussion ist jedoch oft einseitig und seicht. In einem früheren Artikel haben wir uns dieser Thematik bereits gewidmet. Im Folgenden wollen wir uns daher auf die beiden Punkte S und G konzentrieren.

“S” für soziale Kriterien

Hierbei geht es um die Bewertung von Investments anhand sozialer und gesellschaftlicher Aspekte. Als oberstes Gebot steht dabei die Achtung der Menschenwürde. Legt man den Fokus auf Vielfalt und Chancengleichheit, schneiden offene und zensurresistente Blockchains wie Bitcoin (permissionless blockchains) hervorragend ab. Weltweit leben mehr als vier Milliarden Menschen in autoritären Regimen, die bürgerliche Freiheiten und Menschenrechte nicht respektieren. Und auch außerhalb explizit autokratisch regierter Regionen sind Einschränkungen der Freiheit zu beobachten.

Neben Ausschlüssen von der Nutzung sozialer Medien Netzwerken gehört auch die Sperrung des Zugangs zu Zahlungsnetzwerken und Bankdienstleistungen zum Repertoire. Eingriffe müssen nicht auf einzelne Personen begrenzt sein. So legte das Militär nach dem jüngsten Staatsstreich in Myanmar das Bankensystem lahm und schaltete alle Geldautomaten ab. In Indien hat die Regierung Jahr 2016 über Nacht 85 % des Bargelds des Landes entwertet. Vor allem in Regionen mit unsicheren Rechtssystemen und schwächelnden Währungen erfreut sich der Bitcoin daher großer Beliebtheit. Der Erfolg des Kryptoassets ist daher auch ein Gradmesser des Misstrauens der Menschen gegenüber den vorherrschenden monetären und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Bitcoin und andere dezentrale Zahlungsnetzwerke entziehen das Geld der staatlichen Kontrolle und garantieren das Recht des Einzelnen auf seine Ersparnisse zuzugreifen sie für Transaktionen zu nutzen.

Ein weiteres globales Problem ist der generelle Zugang zu Zahlungsnetzwerken. Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, Arbeitslose und Migranten ohne Adressnachweis gehören zu den “unbanked“, deren Zahl die Weltbank mit 1,7 Milliarden Menschen angibt. Selbst in den USA haben nach Angaben der Einlagensicherungsbehörde FDIC 67 Millionen Erwachsene gar kein Konto oder keinen ausreichenden Zugang zu Finanzdienstleistungen.

Für Arbeitsmigranten, die regelmäßig Geld in ihre Heimatländer senden, stellen zudem die hohen Kosten für Auslandsüberweisungen eine enorme Belastung dar. Geld ohne Bankkonto über die Grenzen hinweg nach Hause zu schicken, ist umständlich und teuer. So betragen die durchschnittlichen Transaktionskosten für eine Überweisung von 200 US-Dollar in Entwicklungsländern 6.58%.

Unternehmen wie Western Union verdienen kräftig daran und schmücken sich gleichzeitig mit einem passablen ESG Rating. Im Nachhaltigkeitsreport wird stolz auf die durchschnittlichen Transaktionskosten von 5% verwiesen. Die Ärmsten der Armen müssen ungefähr einen halben Monat im Jahr nur für die Bezahlung von Transaktionskosten arbeiten.

Zum Vergleich: Die Lightning Network-Technologie von Bitcoin ermöglicht es, Kleinstzahlungen über eine Wallet-App und eine Internetverbindung sofort und praktisch kostenlos überall auf der Welt zu versenden.

Offen, neutral, vorurteilsfrei

Jeder, der ein Smartphone hat, kann Zahlungen tätigen oder empfangen. Rund 3,5 Milliarden Menschen haben somit die gleichen Chancen, Tendenz rasch steigend. Es spielt daher keine Rolle, welches Geschlecht, Hautfarbe, Konfession, politische Gesinnung oder finanziellen Hintergrund der Teilnehmer mitbringt. Alle Rechte sind mittels Software hinterlegt. Bei Regeländerungen entscheidet die einfache Mehrheit. Ob Miner, Software Developer, Full-Node Betreiber oder Börse ist dem Algorithmus egal. Man könnte von einem basisdemokratischen Konstrukt sprechen. Das Netzwerk ist im positiven Sinne desinteressiert an seinen Nutzern.

Die Perspektive wechseln

Wenn bei der Bewertung einer Kapitalanlage anhand der ESG-Kriterien das S für die Belange der Menschen steht, dann können das Bitcoin Netzwerk und vergleichbare Kryptowährungen einige Pluspunkte sammeln. Die Bedeutung des freien Zugangs auf ein weltweites Zahlungsnetzwerk, das durch das Lightning-Protokoll nahezu kostenfreie Transaktionen ermöglicht und den Transfer von Geld unabhängig vom Sitz der Sender und Empfänger ohne nennenswerten Zeitverzug automatisch abwickelt, ist für Menschen in vielen Ländern der Erde ein großer Wurf.

Beim starren Blick durch die westliche Brille geht die Bedeutung einer solchen Entwicklung für mehrere Milliarden Menschen, die anderswo leben, leider oft unter.

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