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ESG und Bitcoin: Wie steht es um die Governance?

Auch dezentrale Netzwerke besitzen Governance-Strukturen, die beurteilt werden können. Nicht nur beim Aspekt der Transparenz müssen sich manche Kryptowährungen nicht verstecken.

21.09.2021 | 07:30 Uhr von «Martin Leinweber und Jörg Willig»

G wie Governance

Mit Corporate Governance wird die Art und Weise der Führung eines Unternehmens bezeichnet. Im Rahmen der Beurteilung von Firmen gemäß ESG-Kriterien soll auf eine ethisch einwandfreie Unternehmensführung und -kultur geachtet werden. Während es analog zu sozialen Fragen schon kulturell bedingt auf globaler Ebene reichlich unterschiedliche Auffassungen gibt, was man unter “ethisch einwandfrei” zu verstehen hat, rücken die europäischen Regulierer unter anderem die Transparenz und Rechenschaftspflicht in den Mittelpunkt.

Die Bedeutung des Faktors Governance wird von Anlegern vermutlich am stärksten unterschätzt. Das ist bemerkenswert, denn nicht wenige große Konzerne sind in der Vergangenheit durch strukturelle Fehler der Unternehmensführung zu Fall gebracht worden. Zu den gefährlichsten Konstruktionsfehlern gehören asymmetrische Vergütungsstrukturen, bei denen ein Unternehmen das Risiko für riskantes Verhalten einzelner trägt, einen nennenswerten Anteil der Entlohnung für das Eingehen dieser Risiken jedoch an die Verursacher dieser Risiken ausschüttet. Eine wichtige Diskussion dreht sich daher nicht erst seit der Finanzkrise 2008/2009 um das Thema “Skin in the Game”. Wer etwas gewinnen möchte, der muss auch etwas zu verlieren haben. Von einer Umsetzung weit entfernt bewegen sich die Gespräche über mögliche Vorgehensweisen noch in eher philosophischen Sphären.

Keine Beschränkung auf Unternehmen

Eine Beurteilung von Governance-Aspekten ist auch bei dezentralen Netzwerken wie dem Bitcoin möglich. Und auch hier gibt es Licht und Schatten. Das Governance Modell des Bitcoins basiert auf Software, weshalb bei der Beschreibung dieses Modells auch von „Rules without Rulers“ gesprochen wird. Da der Quellcode offen einsehbar ist, ist die Transparenz der Prozesse rein technisch unstrittig. Wie hoch jedoch der Anteil der Anwender ist, die in der Lage sind, auch nur einen Teil des Quellcodes zu überprüfen, steht auf einem anderen Blatt.

Nachvollziehbare Prozesse

Die Prozesse im Netzwerk folgen klaren Regeln, deren Einhaltung durch die offenliegende Transaktionshistorie auch ohne Lesen des Quellcodes jederzeit nachvollziehbar ist. Wenn ein Bitcoin von einer Adresse an eine andere gesendet wurde, dann sind nicht nur der Betrag und der Zeitstempel dieser Transaktion für jeden einsehbar. Auch alle anderen Parameter können über einen Blockexplorer überprüft werden. Jeder interessierte Laie ist dazu in der Lage. Über die Transaktionshistorie werden auch die Eigentumsverhältnisse zu jedem Zeitpunkt dauerhaft festgehalten. Ein so hoher Grad an Transparenz ist revolutionär.

Die Unveränderlichkeit der Transaktionshistorie und die damit einhergehenden Möglichkeiten nachgelagerter Analysen bringen erhebliche Auswirkungen für die Verantwortlichen im Finanzwesen mit sich. Der Nutzen des vor amerikanischen Gerichten wohl am häufigsten gehörten Satzes “Sorry, I can’t recall” ist in einem derartigen System gleich Null.

Auch die Finalität und damit einhergehende Irreversibilität jeder Transaktion auf der Bitcoin Blockchain trägt zu einer hohen Transparenz bei und verhindert Vorgehensweisen, die oft mit dem verharmlosenden Begriff Mauschelei bezeichnet werden. Damit einher geht eine höhere Verantwortung derjenigen, die Transaktionen initiieren. Dies alles steht ironischerweise im deutlichen Gegensatz zu den Hoffnungen und Wünschen vieler Enthusiasten, die an der Illusion eines anonymen Zahlungssystems hängen. Für anonyme und nicht nachvollziehbarer Transaktionen bedarf es einer Protokolländerung des Bitoin Netzwerks.

Überprüfung der Vorgänge im Netzwerk

Die Aufsichtsbehörden beobachten die Entwicklungen bei der Nutzung von Bitcoin sehr genau und wollen jeglichen Missbrauch des Netzwerks verhindern. Chainalysis, ein Unternehmen für Datenanalyse, hat im Rahmen einer forensischen Untersuchung der Bitcoin Blockchain einen Rückgang der Anzahl zweifelhafter Aktivitäten festgestellt. Basierend auf aktuellen Daten liege der Anteil der Transaktionen, die potenziell mit illegalen Aktivitäten im Zusammenhang stehen, bei 0,34%. Das Volumen dieser Vorgänge belaufe sich auf rund 10 Mrd. US-Dollar.

Wen solche Zahlen beunruhigen, dem sei ein Blick in den Anti-Money Laundering Preparedness Survey Report von Deloitte empfohlen. Das Unternehmen schätzt das jährliche Volumen der globalen Geldwäsche auf einen Wert zwischen 800 Milliarden und 2 Billionen US-Dollar. Das sind zwei bis fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Kryptoassets zählen mit Sicherheit nicht zu den drängendsten Problemen der globalen Geldwäsche.

Keine Vorteile, für niemanden

Die Blockchain ist emotionslos, vorurteilsfrei und offen. Eine zentrale Führung, die dem Betreiber eines full nodes oder eines Mining Rechners weisungsbefugt ist, existiert nicht. Da jeder das Netzwerk nutzen kann, gleichzeitig jedoch niemand zur Nutzung gezwungen wird, setzt das Konstrukt das Prinzip der Chancengleichheit um, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Vermeintlich neutrale Komitees und Projektgruppen mit ihren ganz eigenen Interessen und Vorstellungen sind in dieser Welt ebenso obsolet wie grün eingefärbte Marketingkampagnen. Die absolute Neutralität gewährleistet ein Maximum an Gleichbehandlung. Dies trifft auf die meisten offenen, erlaubnisfreien Blockchains (permissionless blockchain) zu.

Fazit

Nachhaltigkeitskriterien sind durch die Regulatorik zu einem wichtigen Thema für viele Anleger geworden. Wichtig ist es, bei verschiedenen Anlagen die gleichen Maßstäbe anzulegen.

Derzeit wird der Großteil der Aufmerksamkeit auf das “E” in ESG gerichtet. Es ist jedoch irreführend, aus dem entsprechenden Wert auf die gesamte ESG-Bewertung einer Anlage zu schließen. Die sozialen Aspekte sollten ebenso beachtet werden wie die positiven Seiten der Governance.

Die Debatte um den Energieverbrauch des Bitcoin Netzwerk wird oft emotional, nicht selten ideologisch und meistens ohne Kenntnis der Fakten geführt. Die Realität ist nicht so einseitig, wie sie oft dargestellt wird. Die sozialen Einflussfaktoren und die strukturell transparente Governance werden zudem meist gar nicht beachtet. Bei einem Blick auf das Gesamtbild kann man ohne Greenwashing zu einer positiven Einstufung des Bitcoin Netzwerks kommen.

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