TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: der Ausverkauf der ältesten Kryptowährung.
09.02.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Bitcoin-Investoren durchleben gerade sehr schwierige Zeiten. Nervlich muss es derzeit sehr anstrengend sein, wenn man – wie am Freitag vergangener Woche geschehen – erst zusehen muss, wie der Kurs des Bitcoins um vier Prozent fällt und dann von seinem tiefsten Tageswert aus zur Tagesrally ansetzt und um zwölf Prozent steigt. Soll man sich freuen? Das hängt dann wohl davon ab, wann man in die älteste Kryptowährung der Welt investiert hat. Wer am Freitagmorgen beherzt zugriffen und am Abend wieder verkauft hat, darf sich über einen kräftigen Spekulationsgewinn freuen. Wer innerhalb der vergangenen zwei Jahren meinte, er könne mit Bitcoin-Käufen schnell reich werden und bis heute nicht verkauft hat, ist mittlerweile auf dem Boden der Tatsachen zurück. Am schlimmsten hat es diejenigen getroffen, die dem Krypto-Hype des Jahres 2025 erlegen sind und nahe den Höchstkursen eingestiegen sind. Denn deren Bitcoin-Portfolio ist seit Herbst vergangenen Jahres um rund die Hälfte des einstigen Wertes geschrumpft.
Der einzige sichere Gewinner der Berg- und Talfahrt dürfte vermutlich der Trump-Clan sein. Denn der Clanchef persönlich hatte zunächst in Bitcoin investiert und danach verkündet, die US-Notenbank würde nun in Bitcoin als Reservewährung investieren. Damit sorgte er für eine beispiellose Rally am Krypto-Markt. Zwischen November und Dezember 2025 schichtete Trump sein Portfolio schließlich um und investierte massiv in US-Staatsanleihen. Schon die erste Welle der Bitcoin-Korrektur dürfte ihn damit vermutlich schon nicht mehr getroffen haben. Es ist davon auszugehen, dass Donald Trump auch nicht vom Bitcoin-Ausverkauf der vergangenen Woche überrascht worden ist. Denn mit der Ernennung Kevin Warshs zum nächsten Fed-Chef hat der US-Präsident den letzten Stich in die Krypto-Blase selbst gesetzt. Warsh gilt als Bitcoin-Kritiker. Eine seiner ersten Verlautbarungen nach seiner Nominierung war, als künftiger Fed-Chef keine Bitcoins als Reservewährung kaufen zu wollen.
Man kann nun über Donald Trump und seine persönlichen Bereicherungsstrategien denken, was man will. Die Lehre aber, die sich aus den jüngsten Ereignissen ziehen lässt, ist folgende: Es bestätigt sich, dass ein Investment, dass keinen inneren Wert hat, keine Zinsen ausschüttet, keine Gewinne erzielt, keine Dividenden zahlt und dessen Kurs sich ohne nachvollziehbare Berechnungen allein aus Spekulationen der Anleger ergibt, kein lohnendes Investment im eigentlichen Sinne ist.
Bitcoin-Gläubige mögen nun einwenden, dass dies auch für Gold und Silber gilt. Und dass auch dort zuletzt die Kurse massiv fielen. Doch hier gibt es entscheidende Unterschiede. So werden beide Edelmetalle auch als Schmuck und in der Industrie verarbeitet. Es gibt einen Markt jenseits der Spekulation. Und die Metalle haben Förderkosten und damit Preisuntergrenzen. Außerdem macht es einen Unterschied, ob man einen Wertgegenstand in der Hand hält oder nur einen USB-Stick, auf dem die Wallet gespeichert ist – falls man immerhin so clever ist und sein Bitcoin-Portfolio nicht in bestem Glauben einer Kryptobank anvertraut hat, die dann von heute auf morgen Pleite geht oder gehackt wird.
Und dann wäre noch ein sehr wichtiger Unterschied: Gold ist eine Reservewährung, die von Notenbanken als Sicherheit für den eigenen Währungsraum hinterlegt und von allen Marktteilnehmern als solche akzeptiert wird. Der Bitcoin dagegen ist – nichts außer Stromkosten. Dass auch heute immer noch jemand bereit ist, für einen Bitcoin rund 58.000 Euro zu bezahlen, ist vor diesem Hintergrund erstaunlich.
Aber wer weiß. Falls Kevin Warsh, der im Mai sein Amt antreten wird, trotz seiner aktuellen Beteuerungen im Sommer verkünden sollte, dass die US-Notenbank in Bitcoin investieren will, darf man darüber spekulieren, wer es vermutlich vorher schon wusste.
Am Dienstag stellen die sogenannten Immobilienweisen in Berlin ihr Frühjahrsgutachten vor. Die Ökonomen erörtern wirtschaftliche Themen wie Wachstum, Wohnen und Wettbewerbsfähigkeit. Es soll weiterhin geklärt werden, welche Impulse Politik und Immobilienwirtschaft setzen können. Das könnte spannend werden. Denn Inflation und Zinsen sind auf ihrem aktuellen Niveau derzeit kein Problem – und fallen damit als Schuldige für die flaue Immobilienkonjunktur aus. Die Forderungen an die Politik, Druck vom Regulierungskessel zu nehmen, dürften damit steigen.
Am Mittwoch veröffentlicht Chinas Statistikamt die jüngsten Ergebnisse der regelmäßigen Untersuchung zur Entwicklung der Verbraucherpreise. Wie immer, bei öffentlichen chinesischen Statistiken, wird man zwischen den Zeilen die Wahrheit suchen müssen. Der Trend ist jedoch erkennbar: Seit zwei Jahren bereits kämpft China gegen die Deflation an. Die Preise stiegen zuletzt zwar etwas stärker an. Doch die jährliche Preissteigerung liegt immer noch deutlich unter einem Prozent. Die offiziellen BIP-Wachstumsraten von über fünf Prozent pro Jahr könnten vor diesem Hintergrund darauf hindeuten, dass die chinesische Industrie ihre Export-Überkapazitäten verstärkt in den Binnenmarkt lenkt – und damit die Preise drückt.
Am Donnerstag beziehen der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG, Stephan Leithner, und Finanzvorstand Jens Schulte zu den Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 Stellung. Die Bilanz wird bereits am Vorabend veröffentlicht. Die Veranstaltung in Frankfurt dürfte kein 08/15-Event werden. Der Kurs der Deutsche Börse-Aktie ist seit Mai vergangenen Jahres um fast 30 Prozent gesunken – und dies in einem Umfeld allgemein steigender Kurse. Der DAX hat seit Mai rund zehn Prozent an Wert zugelegt. Und nicht nur das: Die steigenden Kurse gingen einher mit steigender Handelsaktivität, wovon die Deutsche Börse AG eigentlich profitieren sollte. Es ist zu erwarten, dass die beiden Vorstände versuchen werden, plausibel zu erklären, warum viele Anleger dem Unternehmen womöglich zu Unrecht der Deutschen Börse ihr Vertrauen entzogen haben.
Am Freitag veröffentlicht die europäische Statistikbehörde Eurostat ihre Schnellschätzung für das Bruttoinlandsprodukt der Euroländer und der EU im vierten Quartal 2025. Es zeichnet sich ab, dass die Lage nicht so schlecht ist, wie sie sich manchmal anfühlt.
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