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Dag Rodewald: „Währungsabsicherung gewinnt strategisch wie taktisch an Bedeutung“

Dag Rodewald
Währungen

Währungsschwankungen beeinflussen Renditen heute stärker denn je. Warum währungsgesicherte ETFs deshalb an Bedeutung gewinnen, welche Rolle Zinsdifferenzen spielen und weshalb Euro Hedging dominiert, erklärt Dag Rodewald im Gespräch mit TiAM FundResearch.

12.02.2026 | 13:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Herr Rodewald, der Markt für währungsgesicherte ETFs wächst rasant. Was treibt diesen Trend aktuell am stärksten? 

Dag Rodewald: Wir beobachten weltweit eine zunehmende Internationalisierung der Portfolios. Anleger investieren breiter, globaler – und damit steigen zwangsläufig die Fremdwährungsrisiken. Gleichzeitig sind die Wechselkurse heute volatiler denn je: Divergierende Notenbankpolitiken, geopolitische Unsicherheiten und makroökonomische Schocks wirken sich unmittelbar auf Währungen aus. Für viele Investoren wird deshalb klar: Wenn ich die reine Wertentwicklung des Basiswerts haben will, ohne zusätzliche FX Überraschungen, dann ist Hedging der zentrale Baustein. 

Warum entfällt der Großteil der Mittelzuflüsse in währungsgesicherte Produkte auf EUR Hedged Anteilsklassen? 

Rodewald:Europa ist der größte Markt für währungsgesicherte ETFs. Viele institutionelle Investoren – Versicherer, Pensionskassen, Stiftungen – müssen in Euro bilanzieren und regulatorische Vorgaben erfüllen. Für diese Anleger bedeutet Stabilität vor allem: kein zusätzliches Fremdwährungsrisiko. Dass 42,2 Prozent aller währungsgesicherten Anteilsklassen in Europa auf EUR Hedged entfallen, ist deshalb konsequent. 

TiAM FundResearch: Wechselkurse können Renditen massiv beeinflussen. Wie stark ist dieser Effekt in der Praxis?

Rodewald:Sehr stark. Ein deutscher Anleger, der in einen US Markt investiert, hat immer zwei Treiber: die Marktbewegung und die Entwicklung des EUR/USD Kurses. Wenn der Dollar fällt, kann das selbst in einem positiven Aktienmarkt zu negativen Renditen aus Euro Sicht führen – und umgekehrt. Dieser doppelte Einfluss macht Hedging so relevant für ein berechenbares Risiko Rendite Profil.

TiAM FundResearch: Warum wirken sich Währungsschwankungen bei Anleihen stärker aus als bei Aktien? 

Rodewald: Weil Anleihen relativ stabile Kuponrenditen haben. Die eigentliche Renditebasis ist kleiner als bei Aktien, und damit schlagen Wechselkursschwankungen prozentual stärker durch. Bei Aktien ist die Volatilität des Basiswerts meist deutlich höher, sodass Währungseffekte relativ gesehen weniger ins Gewicht fallen.

TiAM FundResearch: Ein zentrales Thema sind die Hedging Kosten. Welche Rolle spielen Zinsdifferenzen? 

Rodewald:Die Zinsdifferenz ist der Haupttreiber – der sogenannte „Cost of Carry“. Wenn ich von einer Niedrigzinswährung in eine Hochzinswährung hedge, entsteht ein positiver Carry. Hedge ich von einer Hochzins in eine Niedrigzinswährung, entsteht ein negativer Carry. Dieses Zinsgefälle bestimmt wesentlich, ob die Absicherung Rendite kostet oder bringt.

TiAM FundResearch: Können Sie den Mechanismus von positivem und negativem Carry kurz erklären? 

Rodewald:Gerne. Hedging über Terminkontrakte bedeutet implizit, zwei Zinssätze einzutauschen. Die Forward Rate spiegelt genau diese Differenz. Ein positiver Carry entsteht, wenn ich in die höher verzinste Währung rolle. Ein negativer Carry entsteht, wenn ich die höhere Rendite weghedge. Anleger unterschätzen oft, wie stark dieser Effekt langfristig sein kann.

TiAM FundResearch: Wie stark kann Hedging die Renditevolatilität im Vergleich zu ungesicherten Lösungen glätten?

Rodewald: Sehr deutlich. Ohne Hedging wirken zwei Volatilitätstreiber: der Markt selbst und das Währungsrisiko. Eliminieren Sie Letzteres, wird die Renditekurve wesentlich glatter. Genau das sehen wir in nahezu allen Vergleichsindizes – vor allem bei Anleihen. 

TiAM FundResearch: UBS verwendet ein standardisiertes Absicherungsverfahren. Wie funktioniert dieses konkret? 

Rodewald: Wir nutzen die von den Indexanbietern definierten Hedging Methoden. Konkret bedeutet das: Wir sichern monatlich per einmonatigem Forward Kontrakt das jeweilige Währungsexposure in die gewünschte Referenzwährung ab. Der abgesicherte Betrag wird anhand der Marktkapitalisierung des Basis Exposures festgelegt. Dieses strukturierte Vorgehen sorgt für Transparenz und eine saubere Performance Zuordnung.

TiAM FundResearch: Welche Vorteile bietet das Multi Share Class Modell bei währungsgesicherten ETFs? 

Rodewald: Es macht das Rebalancing deutlich effizienter, weil alle Anteilsklassen in ein einziges Basisportfolio investieren. Anpassungen müssen nicht mehrfach, sondern nur einmal vorgenommen werden. Zudem können Anleger flexibel zwischen hedged und unhedged Anteilsklassen wechseln – mit minimalen Handelskosten. Durch diese Struktur wird zudem weniger Cash im Fonds gehalten, was den sogenannten Cash Drag reduziert, also die Bremswirkung unverzinster Liquidität. Gleichzeitig sinkt das Tracking Error Risiko, weil die Indexabbildung präziser und stabiler erfolgt. Beides verbessert die Effizienz der Produkte spürbar. 

TiAM FundResearch: Wann sollten Anleger sich grundsätzlich für oder gegen Hedging entscheiden? 

Rodewald: Hedging bietet sich besonders an, wenn der Fokus auf Stabilität, Planbarkeit und geringer Volatilität liegt – oder wenn das FX Risiko größer ist als der potenzielle Fremdwährungsgewinn. Auch bei positivem Carry macht Hedging Sinn. Gegen Hedging spricht vor allem, wenn Anleger bewusst auf Währungsbewegungen setzen wollen oder davon ausgehen, dass eine Fremdwährung gegenüber ihrer Heimatwährung klar aufwertet. 

TiAM FundResearch: Wie groß ist das Angebot von UBS in diesem Bereich – und für welche Anleger ist es geeignet? 

Rodewald: Wir verfügen heute über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich währungsgesicherter ETFs. Unser Angebot umfasst 70 Fonds, 185 Anteilsklassen und 344 Notierungen – mit einem verwalteten Vermögen von 38,3 Milliarden US Dollar zählen wir zu den größten Anbietern Europas. Die Palette reicht über verschiedene Anlageklassen und Währungen hinweg, darunter USD, EUR, CHF, GBP, AUD und JPY. Damit sprechen wir sowohl institutionelle Anleger als auch Privatanleger an, die Wert auf effizientes und transparentes Risikomanagement legen.

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