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Goldpreis im Fokus: Minenunternehmen als neue Cashflow-Könige

Gold zieht Investoren an
Gold

In den vergangenen drei Jahren hat der Goldpreis trotz der jüngsten Verluste kräftig hinzugewonnen. In unserer sechsteiligen Serie gehen wir der Frage nach, inwieweit das gelbe Edelmetall vor dem Beginn einer Neubewertung steht. Teil 4: Weshalb Goldförderer heute so gut dastehen wie noch nie.

09.02.2026 | 14:00 Uhr von «Tim Bröning»

Folge 3 hat gezeigt, dass sich der aktuelle Goldzyklus fundamental von vielen früheren unterscheidet. Der entscheidende Faktor ist nicht allein der Goldpreis, sondern der freie Cashflow, den er bei den Produzenten freisetzt. Damit stehen die Unternehmen an einer Weggabelung, an der die Branche in der Vergangenheit häufig Vertrauen verspielt hat.

In der großen Goldhausse von 2001 bis 2011 stieg der Goldpreis von rund 250 US-Dollar je Unze auf etwa 1.900 US-Dollar, ein Anstieg von knapp 650 Prozent. Dennoch gelang es vielen Produzenten in diesem Jahrzehnt nicht, nachhaltig positive freie Cashflows zu erwirtschaften oder den Unternehmenswert konsequent zu steigern, weil Kosteninflation, kapitalintensive Expansionen und wertvernichtende Übernahmen die hohen Goldpreise weitgehend neutralisierten.

Entweder Cashflow wird also in nachhaltigen Wert für Aktionäre übersetzt – oder er versickert erneut in überteuertem Wachstum. Anfang 2026 spricht vieles dafür, dass dieser Zyklus anders verläuft.

Bilanzstärke als neue Priorität

Der erste strukturelle Unterschied zu früheren Hochphasen ist unspektakulär, aber entscheidend. Viele große Goldproduzenten nutzen die hohen Cashflows nicht primär für Expansion, sondern für den systematischen Abbau von Verbindlichkeiten. In einem Umfeld wieder gestiegener Kapitalkosten ist das mehr als Kosmetik. Es reduziert Risiken, senkt Zinsaufwendungen und erhöht die finanzielle Flexibilität – unabhängig vom weiteren Goldpreisverlauf.

Diese Entwicklung verändert das Risikoprofil der gesamten Branche. Goldminen verlieren damit einen Teil ihres spekulativen Charakters und entwickeln sich zunehmend zu Cashflow-Unternehmen mit realer Sicherheitsmarge.

Newmont: Ein konkretes Beispiel für den Wandel in der Branche

Wie greifbar dieser Wandel ist, zeigt das Beispiel Newmont, was aber an dieser Stelle nicht als Anlageempfehlung verstanden werden sollte, besonders eindrucksvoll. Zwar werden die finalen Zahlen für das Gesamtjahr 2025 erst am 19. Februar 2026 veröffentlicht, doch das Bild ist bereits klar. Die Ergebnisse der ersten drei Quartale 2025 liegen vor, und der Goldpreis ist bis zum Jahresende weiter gestiegen.

In den ersten neun Monaten 2025 erwirtschaftete Newmont einen operativen Cashflow von deutlich über 6 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow lag in diesem Zeitraum bei rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Rechnet man das vierte Quartal hinzu – bei nochmals höheren realisierten Goldpreisen –, erscheint ein Free Cashflow für das Gesamtjahr 2025 im Bereich von etwa 6 Milliarden US-Dollar plausibel.

Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag der freie Cashflow noch bei etwa 3 Milliarden US-Dollar. Der Sprung 2025 ist damit kein zyklisches Strohfeuer, sondern Ausdruck einer deutlich verbesserten Ertragsbasis.

Ein erheblicher Teil dieses Cashflows wurde für den Schuldenabbau verwendet. Innerhalb von rund anderthalb Jahren reduzierte Newmont seine Schulden um etwa 4 Milliarden US-Dollar. Die verbleibende Nettoverschuldung (Net Debt) bewegt sich gem. Konzernangaben aus dem Q3/25-Bericht bei fast Null. Allein die sinkenden Zinszahlungen erhöhen den künftigen freien Cashflow spürbar – selbst dann, wenn der Goldpreis lediglich auf dem aktuellen Niveau verharren sollte.

Parallel dazu betreibt Newmont eine umfangreiche Kapitalrückführung. Die Dividendenzahlungen bewegen sich inzwischen bei gut 1,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Hinzu kommen Aktienrückkaufprogramme, deren autorisiertes Gesamtvolumen mittlerweile über 6 Milliarden US-Dollar beträgt. Ein signifikanter Teil dieser Programme wurde mit 3,3 Milliarden US-Dollar bis Ende Q3/25 bereits umgesetzt, weitere Rückkäufe sind für 2026 vorgesehen.

Für Anleger besonders relevant ist das Zusammenspiel dieser Effekte. Steigende operative Gewinne, geringere Zinsaufwendungen und eine sinkende Aktienanzahl wirken gleichzeitig. Der Gewinn je Aktie steigt damit weiter, selbst wenn die Produktion stabil bleibt. Ein solcher Mechanismus war in früheren Goldzyklen kaum zu beobachten.

Agnico Eagle: Vom Goldproduzenten zum Qualitätsprofil

Dass diese Entwicklung kein Einzelfall ist, zeigt Agnico Eagle. Auf Basis der bis Ende 2025 veröffentlichten Zahlen weist das Unternehmen inzwischen praktisch ebenso keine Nettofinanzverschuldung mehr auf. Im Gegenteil: im letzten berichteten Quartal Q3/2025 gab es sogar eine Net Cash Position von etwa 2,2 Milliarden US-Dollar.

Agnico Eagle mit „Net Cash“-Ausweis, statt „Net Debt“

Net Cash  Agnico Eagle
Net Cash Agnico Eagle

Der Free Cashflow wird im Jahr 2025 wahrscheinlich mehr als 4 Milliarden US-Dollar erreicht haben, der u.a. genutzt wird für höhere Quartalsdividenden und ein Aktienrückkaufprogramm, dessen Volumen perspektivisch eine Milliarde US-Dollar erreichen kann.

Für Investoren ist diese Kombination bemerkenswert. Ein Goldproduzent mit schuldenfreier Bilanz, stabilen Ausschüttungen und laufenden Rückkäufen nähert sich im Risikoprofil klassischen Qualitätsunternehmen an – mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Wertschöpfung auf realen, nicht beliebig vermehrbaren Vermögenswerten basiert.

Kapitalrückführung wird berechenbarer

Dividenden und Rückkäufe haben in diesem Zyklus eine andere Qualität. Sie sind weniger opportunistisch und stärker in Kapitalallokations-Frameworks eingebettet. Für Anleger bedeutet das planbarere Ausschüttungen, ohne dass Unternehmen in schwächeren Marktphasen sofort unter Druck geraten.

Die gestiegene Margenbasis (ausführlich erläutert in Folge 3, siehe Link unten) bildet dafür das Fundament – Agnico Eagle hat derzeit übrigens AISC von nur 1.250-1.300 USD pro Goldunze ausgewiesen. Hohe Cashflows ermöglichen Ausschüttungen, ohne die Substanz anzugreifen – ein zentraler Unterschied zu früheren Zyklen.

Übernahmen bleiben notwendig – aber riskant

So diszipliniert sich die Branche derzeit zeigt, eine strukturelle Herausforderung bleibt. Goldproduzenten müssen ihre Reserven ersetzen. Große Neuentdeckungen sind selten, Genehmigungsverfahren langwierig und Exploration zeitintensiv. Übernahmen bleiben daher ein wichtiges Instrument.

Der Markt reagiert heute jedoch sensibler als früher. Übernahmen werden nicht mehr reflexartig gefeiert, sondern kritisch hinterfragt – insbesondere dann, wenn der Kaufpreis ambitioniert erscheint. Kapitaldisziplin ist damit nicht nur eine Tugend, sondern eine Voraussetzung für Vertrauen.

Zwischenfazit

Anfang 2026 zeigt sich ein deutlich verändertes Bild der Goldminenbranche. Hohe Cashflows, sinkende Verschuldung, wachsende Ausschüttungen und aktive Rückkäufe verändern die Ertrags- und Risikostruktur der Unternehmen grundlegend.

Im günstigsten Fall entstehen daraus Unternehmen, die Eigenschaften vereinen, die im Goldsektor lange als unvereinbar galten: Real Assets, hohe Margen, starke Bilanzen, steigender Gewinn je Aktie und attraktive Ausschüttungen. Goldminen entwickeln sich damit – bei anhaltender Kapitaldisziplin – von zyklischen Preiswetten zu dauerhaften Cashflow- und Einkommenslieferanten in einem Umfeld monetärer Unsicherheit.

Wenn Goldminen heute als Cashflow-Unternehmen verstanden werden können, stellt sich für Anleger die nächste praktische Frage. Wie bewertet man diese Cashflows – und wo im Sektor ist der Hebel am größten? In Folge 5 geht es deshalb um die Bewertungslogik und um die Segmentfrage wie sich Produzenten, Developer und Explorer bei steigenden Goldpreisen unterscheiden.

Hier lesen Sie den ersten Teil der TiAM FundResearch-Serie: „Gold auf Rekordkurs: Was das Edelmetall so wertvoll macht“

Hier lesen Sie den zweiten Teil der TiAM FundResearch-Serie: „Gold auf Rekordkurs: Welche Faktoren den Preis wirklich treiben"

Hier lesen Sie den dritten Teil der TiAM FundResearch-Serie: „ Weshalb Minenaktien weiter stark profitieren"


Zum Autor: Tim Bröning ist Diplom-Ökonom und Betriebswirt und bereits seit über 30 Jahren an der Börse und im Finanzmarkt aktiv. Er arbeitete viele Jahre bei der Siemens AG sowohl im Energiebereich als auch für den Zentralvorstand in der Strategie- sowie M&A-Abteilung, wo er sich früh mit Marktanalysen, strategischer Ausrichtung und Unternehmensbewertung beschäftigte. Die letzten 15 Jahre war er ausschließlich in hohen Führungspositionen im Finanzdienstleistermarkt tätig, wo er sich u.a. auf makroökonomische Fragestellungen, die Fondsanalyse und die Fondsauswahl fokussierte. Ein besonderer Fokus gilt seit Jahren dem Rohstoffmarkt. Tim Bröning ist heute selbstständig. Mehr unter www.broening-investment.de.

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