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SpaceX-Börsengang: Lohnt sich die Elon-Musk-Aktie?

Die Starship Rakete von SpaceX (Bild: SpaceX)
IPO

Der SpaceX-Börsengang zählt schon vor dem ersten Handelstag zu den größten Finanzereignissen des Jahres. Mit einer Bewertung von rund 1,77 Billionen US-Dollar, dem Starlink-Satellitennetz als Wachstumsmotor und den Zukunftsfantasien rund um Künstliche Intelligenz und Raumfahrt elektrisiert das Unternehmen Anleger weltweit. Doch ist die Bewertung gerechtfertigt oder droht nach dem Hype die Ernüchterung?

11.06.2026 | 06:00 Uhr

SpaceX IPO 2026: Der größte Börsengang der Geschichte

Kaum ein Börsengang wurde in den vergangenen Jahren so sehnsüchtig erwartet wie der von SpaceX. Der Raumfahrtkonzern von Elon Musk soll bei seiner Erstnotiz an der Nasdaq rund 75 Milliarden US-Dollar einsammeln und wäre damit der mit Abstand größte IPO aller Zeiten.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,77 Billionen US-Dollar würde SpaceX auf Anhieb zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehören. Allein diese Dimension macht den Börsengang zu einem historischen Ereignis für die Kapitalmärkte.

Doch hinter dem Hype stellt sich für Anleger eine entscheidende Frage: Ist SpaceX tatsächlich so viel wert?

Starlink ist der eigentliche Werttreiber

Paul Severin von der Erste Asset Management sieht den eigentlichen Kern des Unternehmens nicht mehr im klassischen Raketengeschäft.

Der wichtigste Gewinnbringer sei vielmehr Starlink, das globale Satelliteninternet von SpaceX. Mit mehr als 9.600 Satelliten und über zehn Millionen Kunden verfüge das Unternehmen über ein skalierbares Infrastrukturmodell mit wiederkehrenden Erlösen. Die hohen Wachstumsraten und die Profitabilität dieses Geschäftsbereichs machten Starlink zum zentralen Bewertungstreiber.

Das eigentliche Raumfahrtgeschäft rund um Falcon-Raketen und zukünftige Starship-Missionen sei zwar technologisch führend, spiele für die aktuelle Bewertung jedoch eine geringere Rolle als vielfach angenommen.

KI-Offensive belastet die Gewinne

Gleichzeitig verweist Severin auf erhebliche Risiken. Durch die Integration der KI-Gesellschaft xAI und der Plattform X habe SpaceX einen Geschäftsbereich übernommen, der derzeit Milliardenverluste verursache.

Während Starlink Gewinne erwirtschafte, belaste die neue KI-Sparte den Gesamtkonzern massiv. Ob sich die erwarteten Synergien zwischen Satelliteninternet, Künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur tatsächlich realisieren lassen, müsse sich erst noch zeigen.

Für Anleger bedeutet das: Wer heute SpaceX kauft, investiert nicht nur in Raumfahrt, sondern auch in eine milliardenschwere Wette auf den Erfolg von KI-Anwendungen.

Die Bewertung ist ambitioniert

Mit einer Unternehmensbewertung von rund 1,77 Billionen US-Dollar bewegt sich SpaceX in einer Größenordnung, die enorme Erwartungen voraussetzt.

Nach Einschätzung von Severin spiegelt die Bewertung weniger die heutigen Unternehmensgewinne wider als vielmehr die Hoffnungen auf zukünftige Ertragsquellen. Anleger müssten deshalb bereit sein, erhebliche Zukunftsrisiken zu tragen.

Hinzu kommt die besondere Eigentümerstruktur: Elon Musk kontrolliert trotz einer deutlich geringeren Kapitalbeteiligung die überwiegende Mehrheit der Stimmrechte. Strategische Entscheidungen liegen damit faktisch in seiner Hand.

Nasdaq-100 könnte zusätzlichen Kursschub bringen

Ein weiterer Faktor könnte kurzfristig für Nachfrage sorgen. Durch neue Regeln für die Aufnahme in den Nasdaq-100 könnte SpaceX bereits wenige Wochen nach dem Börsengang in den Technologieindex aufgenommen werden. In diesem Fall müssten zahlreiche ETFs und Indexfonds automatisch SpaceX-Aktien kaufen, unabhängig von deren Bewertung.

Dieser sogenannte Indexeffekt könnte kurzfristig Milliardenbeträge in die Aktie lenken und den Kurs zusätzlich stützen. Gleichzeitig weist Severin darauf hin, dass dieser technische Kaufdruck nichts über den tatsächlichen Unternehmenswert aussagt und zeitlich begrenzt sein dürfte.

Chancen des SpaceX-Börsengangs

Für Anleger ergeben sich aus Sicht der Analyse mehrere Chancen:

  • Starlink verfügt über ein hochskalierbares Infrastrukturgeschäft mit starkem Wachstum.
  • SpaceX bietet erstmals einen direkten Zugang zum kommerziellen Raumfahrtmarkt.
  • Die Verbindung aus Satellitennetzwerken und Künstlicher Intelligenz könnte langfristig neue Geschäftsmodelle schaffen.
  • Eine frühe Aufnahme in den Nasdaq-100 könnte zusätzlichen Kaufdruck durch passive Fonds auslösen.

Risiken für Anleger

Dem stehen erhebliche Risiken gegenüber:

  • Die Bewertung liegt auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.
  • Die Integration von xAI belastet derzeit die Profitabilität erheblich.
  • Nach Ablauf der Lock-up-Fristen könnten Insiderverkäufe den Kurs unter Druck setzen.
  • Das Unternehmen hängt in außergewöhnlichem Maße von Elon Musk und dessen öffentlichem Auftreten ab.
  • Verzögerungen beim Starship-Programm könnten wichtige Wachstumspläne beeinträchtigen.

ESG-Investoren stehen vor einem Problem

Aus Sicht der Erste Asset Management spielt zudem die Nachhaltigkeit eine Rolle. Aufgrund der militärischen Aktivitäten von SpaceX und des Satellitensystems Starshield sei das Unternehmen für Fonds mit strengen ESG-Kriterien nicht investierbar. Für nachhaltige Fonds nach Artikel 8 oder Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung komme die Aktie daher nicht infrage.

 SpaceX ist mehr Zukunftsvision als klassischer Börsenwert

Der SpaceX-Börsengang dürfte Geschichte schreiben. Anleger erhalten erstmals Zugang zu einem Unternehmen, das den kommerziellen Weltraummarkt, Satelliteninternet und Künstliche Intelligenz miteinander verbindet.

Gleichzeitig ist die Aktie alles andere als ein Selbstläufer. Die hohe Bewertung, milliardenschwere Investitionen in neue Geschäftsfelder und die starke Abhängigkeit von Elon Musk machen SpaceX zu einem Investment mit außergewöhnlichen Chancen – aber ebenso außergewöhnlichen Risiken.

Die entscheidende Frage lautet daher weniger, ob SpaceX ein faszinierendes Unternehmen ist. Sie lautet vielmehr, ob der Kapitalmarkt die Zukunft des Konzerns bereits vollständig eingepreist hat. (jk)

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