Shareholder Value Management-Chef Frank Fischer sieht beim SpaceX-Börsengang erhebliche Risiken: hohe Bewertung, starke Personenabhängigkeit und kaum fundamentale Absicherung.
11.06.2026 | 17:20 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Herr Fischer, würden Sie die SpaceX-Aktie beim Börsengang zeichnen – und warum?
Frank Fischer: Nein, ich würde die Aktie nicht zeichnen. Aus meiner Sicht handelt es sich beim SpaceX-IPO nicht um ein Investment, das auf belastbaren Fundamentaldaten beruht, sondern um eine hochspekulative Wette auf Zukunftsfantasie, Momentum und die Person Elon Musk. Für einen fundamental orientierten Investor fehlen mir vor allem verlässliche freie Cashflows, nachhaltige Ertragskraft und eine Bewertung, die sich aus heutigen oder zumindest gut prognostizierbaren Unternehmenszahlen ableiten lässt. Privatanleger sollten hier aus meiner Sicht sehr vorsichtig sein.
Welche Wettbewerbsvorteile machen SpaceX beim Börsengang besonders attraktiv?
Operativ besitzt SpaceX zweifellos eine starke Marktstellung, insbesondere durch technologische Kompetenz, Skaleneffekte und die Bekanntheit von Starlink. Für mich ist aber entscheidend, ob diese Vorteile die Bewertung beim Börsengang fundamental rechtfertigen. Genau daran habe ich erhebliche Zweifel.
Der kurzfristig wichtigste Kurstreiber dürfte aus meiner Sicht weniger ein klassischer wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil sein, sondern die enorme Strahlkraft von Elon Musk. Viele Anleger verbinden mit ihm große Zukunftsvisionen und kaufen solche Aktien nicht nur aus fundamentalen Gründen, sondern auch aus Begeisterung für die Person und die Story. Das kann kurzfristig Nachfrage erzeugen, ist für mich aber kein ausreichender Grund für ein langfristig solides Investment.
Welche Risiken sollten Investoren beim IPO von SpaceX berücksichtigen?
Das größte Risiko sehe ich in der fehlenden fundamentalen Absicherung der Bewertung. Für mich sind bei einem Investment vor allem nachhaltige Gewinne, freie Cashflows und eine nachvollziehbare Bewertung entscheidend. Bei SpaceX bestehen hier aus meiner Sicht erhebliche Fragezeichen.
Hinzu kommt, dass das Unternehmen sehr kapitalintensiv ist und hohe Investitionen benötigt. Wenn die Bewertung stark auf zukünftigen Erwartungen, KI-Fantasien, Starlink-Wachstum oder langfristigen Weltraumprojekten beruht, besteht die Gefahr, dass Anleger vor allem eine Vision kaufen – nicht aber eine heute bereits klar nachweisbare Ertragskraft.
Ein weiteres Risiko ist die starke Abhängigkeit von Elon Musk. Seine Person ist einerseits ein wichtiger Treiber der Investmentstory, andererseits entsteht dadurch ein erhebliches Governance- und Personenrisiko. Wenn ein Unternehmen so stark mit einer einzelnen Person verknüpft ist, kann das für Aktionäre problematisch werden.
Ist die hohe Bewertung der SpaceX-Aktie der Grund dafür, dass beim Börsengang vor allem Privatanleger angesprochen werden?
Die hohe Bewertung ist aus meiner Sicht nicht zwingend der alleinige Grund. Auffällig ist aber, dass die Investmentstory stark von Emotion, Markenstrahlkraft und der Person Elon Musk lebt. Genau das spricht viele Privatanleger besonders an.
Während professionelle und konservative Investoren stärker auf Cashflows, Gewinne, Verschuldung, Governance und Bewertung achten, könnten Privatanleger eher bereit sein, die Aktie aus Begeisterung für SpaceX oder Elon Musk zu kaufen. Dadurch kann kurzfristig viel Nachfrage entstehen. Für mich macht das die Aktie aber nicht automatisch attraktiver – im Gegenteil: Je stärker ein IPO von Hype und Privatanlegerpsychologie getragen wird, desto vorsichtiger wäre ich als fundamental orientierter Investor.
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