
Von wichtigen Industrie-, über Spezial-, bis hin zu Edelmetallen – für viele Staaten steht die Versorgungssicherheit mit kritischen Metallen weit oben auf ihrer Prioritätenliste. Teil 4: Weshalb makroökonomische Entwicklungen Gold, Silber und Co. so begehrt machen.
28.07.2026 | 14:00 Uhr
Angesichts der jüngsten Zahlen des World Gold Council erscheint eine Überschrift „Zentralbanken im Goldrausch“ durchaus treffend. Demnach erhöhten die Notenbanken ihre Goldbestände allein im ersten Quartal um 244 Tonnen – ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeitig zeigt eine Umfrage unter Zentralbanken, dass nahezu jede zweite Institution ihre Goldreserven auch im kommenden Jahr weiter ausbauen möchte. Insbesondere Notenbanken in Schwellenländern verfolgen damit das strategische Ziel, ihre Währungsreserven stärker zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren.
Neben Gold gewinnen auch andere Edelmetalle wie Silber und Platin an Bedeutung. Treiber sind die wachsende industrielle und technologische Nachfrage. Doch nicht nur branchenspezifische Faktoren sprechen für Edelmetalle. Breitere makroökonomische Entwicklungen schaffen ebenfalls ein unterstützendes Umfeld. Zentralbanken und Investoren bauen ihre strategischen Bestände kontinuierlich aus. So mehren sich die Hinweise, dass China seine Silberreserven sowohl aus industriepolitischen als auch aus geopolitischen Gründen aufstockt – ein Trend, der das verfügbare Angebot am Markt zusätzlich verknappen könnte.
Gold gesucht als „Sicherer Hafen“-Investment
Der Goldpreis reagiert auf geopolitische Ereignisse weiterhin in seiner klassischen Rolle als Wertspeicher und sicherer Hafen. In Zeiten erhöhter Unsicherheit steigt die Nachfrage, auch wenn kurzfristige Liquiditätsengpässe oder Gewinnmitnahmen vorübergehend zu Kursrückgängen führen können. So geriet der Goldpreis im März im Zuge nervöser Marktreaktionen auf die geldpolitischen Perspektiven kurzfristig unter Druck. Die langfristigen fundamentalen Faktoren sprechen jedoch weiterhin für das Edelmetall.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind von zunehmendem Inflationsdruck und einer sich verschlechternden Haushaltslage in den USA geprägt. Hohe Staatsverschuldung, steigende Defizite und eine wachsende Abhängigkeit von fiskalpolitischen Maßnahmen belasten die öffentlichen Finanzen. Mittlerweile zahlen die USA jährlich mehr als eine Billion US-Dollar für den Schuldendienst. Dies entspricht rund 19 Prozent der Staatseinnahmen und liegt damit über den Verteidigungsausgaben. Zusätzlichen Druck erzeugen geopolitische Konflikte, während gleichzeitig der Trend zur Entdollarisierung anhält und Zentralbanken ihre Währungsreserven breiter diversifizieren.

Quelle. Bloomberg
Der Inflationsdruck dürfte zudem hoch bleiben. Belastend wirken steigende Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Bereits zuvor hatten handelspolitische Maßnahmen und die umfangreiche Geldmengenausweitung nach der Corona-Pandemie inflationäre Tendenzen verstärkt. Die US-Geldmenge M2 stieg seit Anfang 2020 um rund 48 Prozent; etwa ein Drittel aller heute im Umlauf befindlichen US-Dollar wurde in diesem Zeitraum geschaffen. Zugleich wächst das Risiko einer stagflationären Entwicklung, da sich die Wachstumsaussichten eintrüben und geopolitische Konflikte die wirtschaftliche Unsicherheit erhöhen.
Vor dem Hintergrund hoher Verschuldung und anhaltender Inflation erwarten die Rohstoffexperten von Baker Steel eine zunehmend dominante Rolle der Fiskalpolitik. Zentralbanken könnten dadurch verstärkt unter Druck geraten, die Zinsen niedrig zu halten und die Geldmenge auszuweiten, um Wachstum und Schuldentragfähigkeit zu unterstützen. Bleiben die Nominalzinsen dauerhaft unter der Inflationsrate, führt dies zu einer schleichenden Entwertung von Geldvermögen und einer realen Entlastung der Schuldner. Für Anleger spricht ein solches Umfeld der finanziellen Repression weiterhin für Sachwerte – insbesondere für Edelmetalle, aber auch für knappe Vermögenswerte wie Industrie- und Spezialmetalle sowie Unternehmen mit realen und preissetzungsmächtigen Cashflows.
Das wirtschaftliche Umfeld in den USA weist zunehmend Merkmale fiskalischer Dominanz und finanzieller Repression auf, während sich die Welt schrittweise von einem unipolaren Währungssystem entfernt. In diesem Kontext gewinnen laut Baker Steel Edelmetalle strategisch weiter an Bedeutung. Gold ist längst nicht mehr nur Inflationsschutz oder Krisenwährung. Vielmehr entwickelt es sich zunehmend zu einem zentralen monetären Vermögenswert in einem fragmentierteren globalen Finanzsystem.
Hier lesen Sie Teil, 1, Teil 2 und Teil 3 der vierteiligen Serie „Globaler Kampf um Metalle“
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