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Die besten Uran-ETFs: KI-Boom stärkt Nachfrage nach Atomstrom

Atomkraft ist wieder en Vogue
ETF

Der weltweite Strombedarf durch Künstliche Intelligenz und Rechenzentren macht Kernenergie wieder attraktiver. Neue Reaktorprojekte, steigende Stromproduktion und Investitionen in Urananreicherung stärken den Nuklearsektor – auch wenn Uranaktien zuletzt deutlich unter Druck standen.

27.08.2026 | 13:20 Uhr von «Jörn Kränicke»

Die Kernenergie rückt angesichts des weltweit steigenden Strombedarfs wieder stärker in den Fokus der Anleger. Besonders der Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einem wichtigen Treiber für Investitionen in Kernkraftwerke, Uranproduktion und die nukleare Brennstoffinfrastruktur. 

Nach Daten von Global X ETFs lag die Kernenergieproduktion im Juli 2026 in mehreren wichtigen Märkten deutlich über ihrem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. In China lag die Produktion neun Prozent darüber, in den USA 2,7 Prozent, in Indien sogar 34 Prozent und in Frankreich 21 Prozent. Die Zahlen unterstreichen die zunehmende Bedeutung der Kernenergie für die Stromversorgung. 

Uranpreis steigt, Uranaktien fallen 

Am Uranmarkt entwickelte sich der Juli allerdings zweigeteilt. Der Uran-Spotpreis legte um rund 1,8 Prozent zu. Aktien von Uranproduzenten und Herstellern von Kernkraftwerkskomponenten gaben dagegen um 9,6 Prozent nach. Nach Einschätzung von Roberta Caselli, Commodities Research Analyst bei Global X ETFs Europe, war der Rückgang vor allem auf Verkäufe im Versorgersegment und eine generelle Reduzierung von Risikoexposure zurückzuführen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Entwicklung des Uranpreises und die Performance von Aktien aus dem Nuklearsektor kurzfristig deutlich auseinanderlaufen können. Die langfristigen fundamentalen Perspektiven bleiben davon zunächst unberührt.

USA und Saudi-Arabien vertiefen Atomkooperation 

Ein wichtiger politischer Impuls kommt aus den USA und Saudi-Arabien. Beide Länder haben eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der zivilen Nukleartechnologie abgeschlossen. Der Schritt könnte US-Unternehmen einen besseren Zugang zum geplanten saudi-arabischen Nuklearprogramm verschaffen und damit die internationale Expansion der amerikanischen Atomindustrie unterstützen. Für den gesamten Nuklearsektor ist die Entwicklung insofern relevant, als neue Kraftwerksprojekte langfristig auch die Nachfrage nach Uran und Brennstoffdienstleistungen erhöhen können. 

Fortschritte bei neuen Reaktoren 

Auch bei der Entwicklung fortgeschrittener Reaktortechnologien gibt es Fortschritte. Der von Oklo entwickelte Groves Isotope Test Reactor erreichte am 5. August erstmals die Kritikalität. Damit ist er laut Caselli der fünfte Reaktor, der im Rahmen des entsprechenden Genehmigungsverfahrens des US-Energieministeriums diesen Meilenstein erreicht hat. Die Entwicklung sogenannter Advanced Reactors gilt als wichtiger Bestandteil der US-Strategie, die heimische Nuklearindustrie auszubauen. Neben klassischen Großreaktoren stehen dabei insbesondere kleinere und modular aufgebaute Reaktoren im Fokus. 

Nicht nur Reaktoren, sondern auch Brennstoff wird zum Engpassfaktor 

Mit dem Ausbau der Kernkraft gewinnt zugleich die Versorgung mit nuklearem Brennstoff an Bedeutung. Centrus Energy und X-energy haben einen verbindlichen Vertrag über Anreicherungsdienstleistungen für niedrig angereichertes Uran (LEU) sowie hoch angereichertes, niedrig angereichertes Uran (HALEU) geschlossen. Die vereinbarten Mengen sollen unter anderem die ersten Xe-100-Reaktoren von X-energy sowie den Einsatz des entsprechenden TRISO-X-Brennstoffs unterstützen. Damit rückt neben dem Bau neuer Reaktoren die gesamte Wertschöpfungskette der Kernenergie in den Fokus. Dazu gehören Uranförderung, Konversion, Anreicherung und die Herstellung moderner Brennstoffe. 

KI treibt Investitionen in Kernenergie 

Ein besonders wichtiger Wachstumstreiber ist der rapide steigende Strombedarf von Rechenzentren. Oklo und X-energy sind Teil eines US-Regierungsprogramms, das die Entwicklung neuer Kernkraftwerke für die Versorgung von KI-Rechenzentren beschleunigen soll. Parallel planen NextEra Energy und Brookfield einen rund 100 Milliarden US-Dollar schweren Rechenzentrumscampus am Standort einer ehemaligen Urananreicherungsanlage in Paducah im US-Bundesstaat Kentucky. Die Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz und Kernenergie könnte sich damit zu einem langfristigen Investmentthema entwickeln. Denn Rechenzentren benötigen große Mengen Strom und stellen zugleich hohe Anforderungen an Versorgungssicherheit und eine möglichst kontinuierliche Stromproduktion. Kernkraft kann diese Anforderungen grundsätzlich erfüllen. 

Kernenergieproduktion liegt über historischen Durchschnittswerten 

Die aktuellen Produktionsdaten stützen die positive Perspektive. In China, den USA, Indien und Frankreich lag die Kernenergieproduktion im Juli 2026 jeweils über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Indien mit einem Plus von 34 Prozent. Aber auch Frankreich als einer der wichtigsten Atomstromproduzenten Europas und China als weltweit bedeutender Ausbau-Markt verzeichneten eine deutlich höhere Produktion. Für den Uranmarkt ist das relevant, weil eine höhere Auslastung bestehender Reaktoren ebenso wie der Bau neuer Anlagen die langfristige Nachfrage nach Kernbrennstoffen beeinflusst. 

Investmentcase für Uran und Kernenergie gewinnt an Breite 

Aus Sicht von Global X verstärken sich derzeit mehrere Faktoren gleichzeitig: politische Unterstützung für neue Nuklearprojekte, Fortschritte bei neuartigen Reaktoren, steigende Investitionen in Brennstoffinfrastruktur und der wachsende Strombedarf durch KI-Rechenzentren. Damit reicht die Investmentstory längst über den reinen Uranpreis hinaus. Profiteure könnten entlang der gesamten nuklearen Wertschöpfungskette entstehen – von Uranproduzenten über Unternehmen für Anreicherung und Brennstoffherstellung bis hin zu Reaktorherstellern und Versorgern. Allerdings zeigen die Kursverluste bei Uranaktien und Nuklearzulieferern im Juli auch, dass die Branche weiterhin starken Schwankungen unterliegt. Der langfristig positive Ausblick schützt Anleger nicht vor kurzfristigen Bewertungs- und Marktbewegungen. 

Atomkraft erlebt im KI-Zeitalter ein Comeback 

Die Kernenergie gewinnt im Zuge des weltweit steigenden Strombedarfs an Bedeutung. Besonders der Boom bei Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren sorgt für zusätzliche Nachfrage nach zuverlässiger Stromerzeugung. Neue politische Vereinbarungen, Fortschritte bei modernen Reaktoren und Investitionen in Urananreicherung und Brennstoffversorgung stärken den Nuklearsektor zusätzlich. Gleichzeitig liegt die Kernenergieproduktion in wichtigen Märkten über ihrem Fünfjahresdurchschnitt. Für Anleger entsteht damit eine zunehmend breite Investmentstory rund um Uran und Kernenergie. Entscheidend wird jedoch sein, ob die geplanten Investitionen in neue Reaktoren tatsächlich umgesetzt werden und wie schnell daraus eine dauerhaft höhere Nachfrage nach Uran und nuklearer Infrastruktur entsteht.

Unterschiede der ETFs

Beim Vergleich der zwei größten Uran ETFs fällt gleich auf, dass die Unterschiede in der Zusammensetzung deutlich sind. Während der VanEck ETF rund 47 Prozent Industrietitel und auch physisches Uran enthält, sind im Global X ETF Energietitel mit 54 Prozent gewichtet. Industrietitel machen hier nur 25 Prozent aus. Beim dritten „Senior“ im Bunde, dem HANetf Sprott sind Energietitel sogar mit knapp 74 Prozent gewichtet. Am ausgewogensten ist das Portfolio des WisdomTree Uranium and Nuclear Energy. Energietitel sind mit knapp 40 Prozent und Industriewerte mit 35 Prozent gewichtet. Zudem sind auch einzelne Einzelwerte nicht extrem hoch gewichtet. Die größte Position ist mit 7,5 Prozent gewichtet und die Top Ten mit knapp 50 Prozent. Aufgrund dieser deutlichen Unterschiede in der Zusammensetzung der ETFs verwundern auch die deutlich unterschiedlichen Performancezahlen nicht weiter. Daher sollte sich jeder interessierte Anleger die Portfolios der ETFs genauer anschauen, um den passenden für sein Portfolio auszuwählen. ETFs wie der noch junge UBS Nuclear Economies enthalten zudem nur 18 Titel und weisen daher sehr hohe Einzelgewichtungen von bis zu 25 Prozent auf. Die Top Ten sind hier mit knapp 85 Prozent gewichtet. Gute Streuung sieht anders aus. Die schon länger auf dem Markt befindlichen Hanetf, VanEck, WisdomTree und Global X enthalten zwischen 25 und 47 Titel.

Überblick über die Uran-ETFs

Fondsname ISIN 2026 3 Monate in % 1 Jahr in % 3 Jahre in % Volatilität 1 Jahr in % Volumen (in Mio. €) TER p.a.
WisdomTree Uranium and Nuclear Energy UCITS ETF USD Unhedged Acc IE0003BJ2JS4 13,5% -5,2% 30,4% - 38,3% 299 0,45%
Global X Uranium UCITS ETF USD Accumulating IE000NDWFGA5 13,4% -5,8% 24,8% 124,2% 45,3% 642 0,65%
HANetf Sprott Junior Uranium Miners UCITS ETF USD Accumulating IE00075IVKF9 12,1% 0,7% 28,6% - 47,8% 63 0,85%
VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF A IE000M7V94E1 6,3% -6,1% 15,2% 144,8% 37,3% 2106 0,55%
HANetf Nuclear Renaissance UCITS ETF Acc IE0006WPPA00 - -8,4% - - - 3 0,75%
UBS Nuclear Economies UCITS ETF USD acc IE0009TPHUV6 - -6,6% - - - 3 0,44%

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