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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Klippklapp – ein Smartphone auf dem Holzweg

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Apple und das neue iPhone Duo.

14.09.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die zurückliegende Woche

Apple hat am vergangenen Mittwoch einen neuen CEO und ein neues Produkt vorgestellt. Der neue CEO, John Ternus, arbeitet bereits seit 25 Jahren bei Apple. Ihm fiel am Mittwoch sogleich die Aufgabe zu, das neue Premium-Produkt von Apple vorzustellen: Das iPhone Duo ist ein klappbares Smartphone – ein sogenanntes „Foldable“. Es stößt in einen Markt vor, den es bereits seit 2019 gibt. Klappbare Handys waren sogar schon einmal ab Anfang der 90er-Jahren modern. Bis Apple sein erstes iPhone vorgestellt und den Markt für Mobilgeräte revolutioniert hat. Klapphandys sahen damals angesichts des smarten iPhone-Designs und der neuen Anwendungs-Möglichkeiten plötzlich sehr alt aus. Außerdem hatten und haben alle Produkte, die sich klappen lassen, dasselbe Problem: Die Scharniere gehen irgendwann kaputt. Das ist schon bei Handys ärgerlich gewesen. Doch wenn das Scharnier eines modernen Foldables bricht, fällt nicht nur der Bildschirm in zwei Teile, sondern auch eine teure Neuanschaffung an. Und die ist teuer. Die Preise bewegen sich zwischen 1.500 und 3.000 US-Dollar. Nicht zuletzt deswegen ist das Foldable-Segment bis heute ein Nischenmarkt geblieben.

Die Frage ist: Warum tut sich Apple das an, ausgerechnet hier einen neuen Schwerpunkt zu setzen? Mit einem Produkt, das fast doppelt so teuer ist wie ein normales iPhone? Nicht zuletzt auch wegen des komplexen Klappmechanismus. Dieser besteht aus rund 100 Einzelkomponenten – in der Summe ist das eine Kombination aus Flüssigmetall, Carbonfaser-Trägerplatten und einer speziellen Passform, die die Display-Falte extrem robust machen und fast unsichtbar machen soll. Rund 80 US-Dollar pro Gerät kostet allein dieser Klappmechanismus in der Fertigung. Für diesen Preis hat man in den 90er-Jahren als Endverbraucher ein komplettes Klapphandy kaufen können. Jetzt sollen Kunden für das iPhone Duo stolze 1.999 Dollar zahlen. In Deutschland soll es ab 2.299 Euro erhältlich sein.

Wer kauft so etwas? Und wozu? Apple erhofft sich, mit seinem neuen Klippklapp-Spielzeug treue Premium-Kunden zu noch höheren Ausgaben bewegen zu können. Aber ist das wirklich der richtige Weg, um sich aus der Abhängigkeit des Konzerns vom iPhone zu lösen? Apples Flaggschiff-Produkt ist derzeit alleine für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes und des Gewinns verantwortlich. Und es fällt dem Konzern sichtlich immer schwerer, seinen Kunden zu erklären, warum sie jedes Jahr ein neues iPhone kaufen sollen, dessen Design seit 20 Jahren nahezu unverändert ist und dessen jeweils neueste Version – wenn man es nüchtern betrachtet – kaum mehr leistet als das ursprüngliche Modell aus dem Jahr 2007. Okay, die Prozessoren sind jeweils schneller, das Display und die Kameraauflösung jeweils höher. Aber sonst?

Natürlich ist den Apple-Bossen bewusst, dass der iPhone-Hype nicht ewig weiter gehen kann. Kann das iPhone Duo die Lösung sein? Vielleicht ist es das, sagen die Optimisten. Schließlich ist Apple ein Phänomen. Und zwar nicht nur wegen der Qualität seiner Produkte. Sondern weil das Gesamtpaket von der Ingenieurleistung über Fertigung und Marketing bis zum Vertrieb stimmt. Die Nettogewinnmarge dieser gut geölten Maschine liegt aktuell bei rund 28 Prozent. Der Technologie-Konzern ist mit seinen Produkten unterm Strich damit so profitabel wie Coca-Cola. Das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Denn man muss sich die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der beiden Konzerne nur einmal deutlich vor Augen führen: Die Brausefirma pumpt zur Herstellung ihres namensgebenden Premiumprodukts Wasser aus dem Boden, filtert sämtliche organischen Stoffe sowie einen Großteil der natürlichen Mineralien heraus, vermengt das tote Wasser anschließend mit viel Zucker oder Zuckerersatzstoffen, versetzt das Ganze mit Kohlensäure und einer seit 140 Jahren nur marginal veränderten Geheimformel, füllt die Flüssigkeit in Flaschen ab und transportiert diese in Lebensmittel- und Getränkeläden. Der komplette Prozess ist normiert und immer derselbe. Getränkeproduktionsanlagen können fast unverändert über Jahrzehnte in Betrieb bleiben.

Wie anders gestaltet sich das bei Apple. Die Firma vertreibt Computer, Tablets und Smartphones sowie zahlreiche Zusatzprodukte und Services in einem hoch kompetitiven Technologiemarkt, dessen zahlreiche Software- und Hardware-Komponenten sich gefühlt alle sechs Monate in ihrer Leistungsfähigkeit verdoppeln. Das iPhone, das – wie gesagt – allein mehr als die Hälfte des Umsatzes und Gewinns zu Apples Konzerngewinn beiträgt, besteht aus bis zu 500 einzelnen Bauteilen. Darunter ein Chip, der in der neuesten Version leistungsfähiger ist als die meisten derzeit verbauten PC-Prozessoren. Welch ein Aufwand, wenn man bedenkt, dass man für den gleichen Gewinn auch einfach nur braune Brause in eine Flasche abfüllen muss. Und doch schafft es Apple auf eine so respektable Gewinnmarge.

Also warum sollte das nicht auch mit einem Klapp-Smartphone gelingen? Nun, vielleicht schafft Apple erneut das Wunder, in ein intaktes Marktsegment einzutreten und dieses allein mit technologischer Brillanz und tollem Design aufzurollen. Doch es gibt zwei Gründe, die Strategie infrage zu stellen.

Erstens: Foldables sind zu Recht ein Nischenmarkt. Denn das Design bietet keine Nutzungsvorteile. Schon ergonomisch: Wer ein Foldable oft benutzt, wird schnell die Bedeutung des Begriffs Karpaltunnelsyndrom lernen. Denn man klappt ein Foldable in der Regel mit dem Daumen auf. Es ist eine sehr umständliche und anstrengende Bewegung, die man sonst im Leben nur selten braucht. Das tut irgendwann weh.

Zweitens: Smartphones – egal, ob sie sich falten lassen und völlig unabhängig davon, wie klein oder groß ihr Display ist – werden in absehbarer Zeit eine immer geringere Rolle spielen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir schon der nächsten Menschheits-Generation erklären müssen, warum die Gen Z den aufrechten Gang verlernt hat und später mit Nackenschmerzen durchs Leben gerannt ist. Denn Handgeräte mit einem Bildschirm und einer Kamera sind nicht die Zukunft. Die Zukunft heißt KI-Kommunikation. In den sozialen Medien und insgesamt im Internet übertrifft die Menge der Kommunikation mit KI-Software schon jetzt die Menge an zwischenmenschlicher Kommunikation. Bisher ist das vor allem ein Internet-Phänomen, es wird jedoch schon bald alle Lebensbereiche betreffen. Wir werden uns bald mit Kühlschränken, Autos, Baumaschinen, Aufzügen, Sanitäranlagen und verschiedenen Arten von Robotern ebenso selbstverständlich unterhalten, wie wir es jetzt mit anderen Menschen tun. Vielleicht sind wir Maschinen gegenüber sogar freundlicher. Wer weiß. Apps, wie wir sie heute kennen, werden in dieser KI-Welt überflüssig sein. Und Smartphones ebenfalls. Es wird Alternativen geben, die heute zum Teil schon existieren: Hörgeräte mit Smart-Funktionen wie etwa Simultan-Übersetzung. Brillen, die Bilder und Daten direkt vors Auge projizieren. Implantierte Rechen- und Speicher-Chips mit Anbindung direkt ans Hirn. Das alles ist bereits keine Science-Fiction mehr.

Angesichts dieser Entwicklung muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wie Apple auf die Idee kommen konnte, man könne mit einem neuen teuren Klappmechanismus den Erfolg des iPhones ungebremst fortschreiben. Zumal es ja auch noch das neue iPhone 18 in zwei Versionen gibt, die zwar nur genauso gut wie das jeweilige Vorgängermodell sind – jetzt aber auch in der Farbe Burgund. Besonderes Feature: Man muss das iPhone 18 nicht aufklappen. Bestellbar seit diesem Wochenende. Die Auslieferung folgt irgendwann ab dem kommenden Frühjahr.

Natürlich ist das nicht Alles. John Ternus, der neue CEO, hat am vergangenen Mittwoch angekündigt, dass Apple demnächst auch mit neuen Produkten überraschen wird. Wer weiß. Vielleicht launcht der Konzern ja schon bald ein Zuckerbrause-Getränk.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag findet in Frankfurt eine Konferenz zum Thema „Watching European Financial Market Regulation and Supervision“ statt. Die Eröffnungsrede hält die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Claudia Buch. Ein Besuch der Veranstaltung könnte sich lohnen.

Am Mittwoch startet in Berlin das zweitägige „Big Bang KI Festival 2026“. Die Keynote spricht Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) zum Thema „Deepfakes, Desinformation, KI: Wie das Justizministerium gegen digitale Täuschung vorgeht“. Das Festival rund um Themen der Künstlichen Intelligenz wird seit 2021 von der DUP Media GmbH veranstaltet. Die Botschaft der Veranstaltung soll nach eigener Aussage folgende sein: Europa will seine KI-Agenda selbst definieren - technologisch, wirtschaftlich und regulatorisch. Auch Digitalminister Karsten Wildberger, Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner und Umweltminister Carsten Schneider geben sich auf dem Festival die Ehre. Wobei der Umweltminister vermutlich nicht allzu lange verweilen wird. Schließlich wird Carsten Schneider...

...am Donnerstag schon in Hamburg erwartet. Er hält dort die Festrede zur Eröffnung des Offshore-Windparks He Dreiht. Mit 64 Anlagen und einer Leistung von 960 Megawatt liefert der Offshore-Windpark Strom für rechnerisch rund 1,1 Millionen Haushalte. Im Rahmen der Eröffnung findet eine Paneldiskussion zur Zukunft der Offshore-Windenergie statt – untern anderem auch mit Bundesumweltminister Carsten Schneider. Der Mann kommt in diesen Tagen viel herum.

Am Freitag findet der Verbandstag der Sparda-Banken statt, unter anderem mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler und Vorsitzendem der Atlantik-Brücke, Sigmar Gabriel (SPD) und der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm. Das Thema des Verbandstags lautet „Orientierung im Spannungsfeld“. Man hätte unter diesem Slogan auch ein Treffen von Energieerzeugern oder Labyrinth-Designern erwarten können. Aber egal. Hauptsache, die Konferenzteilnehmer verlaufen sich nicht zwischen den Strommasten.

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