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Japan: Mit High Conviction auf den nächsten Gewinnzyklus setzen

Hideyuki Taniuchi
Aktienfonds

Der japanische Aktienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert: Deflation weicht einer neuen Inflations- und Lohndynamik, Unternehmen verbessern ihre Kapitalallokation, und die Börse belohnt zunehmend steigende Profitabilität. Hideyuki Taniuchi setzt im Sumitomo Mitsui DS Asset Management Japan Equity High Conviction Fund auf einen konzentrierten, stilunabhängigen Ansatz, der frühe Veränderungen bei Unternehmensgewinnen aufspüren soll.

08.09.2026 | 08:30 Uhr von «Jörn Kränicke»

Ein Fondsmanager mit drei Jahrzehnten Markterfahrung

Hideyuki Taniuchi blickt auf mehr als 28 Jahre Investmenterfahrung zurück. Seine Laufbahn begann 1996 bei Yamaichi Securities; ein Jahr später wechselte er als Händler zu Nikko Asset Management, wo er Aktien-, Wandelanleihen- und Devisentransaktionen betreute. Ab 1999 arbeitete er als Fondsmanager mit Fokus auf die Bottom-up-Analyse japanischer Wachstumsaktien. Seit Juni 2008 ist er bei Daiwa SB Investments – einer der Vorläufergesellschaften von Sumitomo Mitsui DS Asset Management (SMDAM) – tätig, wo er unter anderem die „Fundamental Active Strategy" verantwortet und heute das Market Oriented Investment Team leitet. Der zugrunde liegende Investmentprozess wird vom Team seit mehr als zwei Jahrzehnten verfolgt. Unterstützt wird Taniuchi von rund 20 Aktienanalysten in Tokio sowie zwölf ESG-Spezialisten; intensive Diskussion der Investmentthesen gehört fest zur Teamkultur.

Strategie: Einzeltitel statt Makrowette

Lange Zeit fristeten japanische Aktien international ein Nischendasein – geringes nominales Wachstum, Deflation, eine zurückhaltende Unternehmenskultur und ineffiziente Kapitalstrukturen belasteten die Bewertungen. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Nach Einschätzung Taniuchis befindet sich die japanische Wirtschaft in einem strukturellen Transformationsprozess, der von zwei Entwicklungen getragen wird: Auf makroökonomischer Ebene verabschiedet sich Japan vom deflationären Regime, auf Unternehmensebene verbessern Corporate-Governance-Reformen die Kapitalallokation. Beide Faktoren könnten Gewinnentwicklung und Bewertungen japanischer Aktien langfristig stützen.

Der Japan Equity High Conviction Fund bildet diese Trends jedoch nicht über große Länder- oder Sektorwetten ab. Stattdessen konzentriert sich das Management auf einzelne Unternehmen und versucht, Veränderungen in deren Gewinnentwicklung möglichst früh zu erkennen.

Der Name ist Programm: Das Portfolio umfasst nur rund 30 Titel (aktuell 33), von denen jeder einen strengen Investmentprozess samt umfangreicher Risikokontrollen durchlaufen muss. „Der Wettbewerb um Kapital innerhalb des Portfolios ist enorm. Nur Unternehmen mit überzeugendem Gewinnmomentum und attraktiven Perspektiven schaffen es letztlich in den Fonds", erklärt Taniuchi. Der Stil selbst bleibt dabei bewusst offen: „Unser Ziel ist es, unabhängig vom jeweiligen Marktumfeld konsistent Alpha zu generieren – also sowohl in Value- als auch in Growth-Phasen erfolgreich zu sein."

Micro Leading Indicators statt Makroprognosen

Kern des Investmentprozesses ist ein Bottom-up-Ansatz, der auf sogenannte Micro Leading Indicators setzt – unternehmensspezifische Frühindikatoren, die aus Sicht des Fondsmanagers besser vorhersehbar und messbar sind als makroökonomische Entwicklungen. Die entscheidende Frage lautet: Wo beginnt sich die Gewinnentwicklung eines Unternehmens zu verändern – und warum?

Taniuchi achtet dabei etwa auf Veränderungen bei Preisen, Margen, Auftragseingängen, Lagerbeständen und Investitionsplänen, aber auch auf Signale aus der Kapitalallokation. „So kann etwa der Abbau von Überkreuzbeteiligungen Hinweise darauf geben, dass ein Unternehmen künftig stärker auf die Interessen seiner Aktionäre ausgerichtet ist", so Taniuchi.

Der Ansatz führt zu einer hohen aktiven Positionierung: Der Active Share liegt in der Regel über 70 Prozent gegenüber dem TOPIX. Gleichzeitig bleibt das aktive Risiko begrenzt – der angestrebte ex-ante Tracking Error lag unter normalen Marktbedingungen historisch bei rund vier bis fünf Prozent.

Übergewichte in Industrie und IT

Die Sektorgewichtung des Fonds ergibt sich aus der Einzeltitelauswahl, nicht aus einer eigenständigen Top-down-Wette. Das Portfolio ist insbesondere in Industriewerten und Informationstechnologie übergewichtet, während Telekommunikation, Versorger und Basiskonsumgüter untergewichtet waren.

Bei exportorientierten Unternehmen sucht Taniuchi vor allem nach positiven Gewinnrevisionen für das Geschäftsjahr 2026, einer aktionärsfreundlichen Kapitalpolitik und attraktiver Bewertung. Bei binnenwirtschaftlich ausgerichteten Titeln stehen dagegen Preissetzungsmacht, steigende Profitabilität und robuste Geschäftsmodelle im Vordergrund. Der Fonds ist als All-Cap-Produkt konstruiert, der Schwerpunkt liegt aktuell aber auf Large- und Mid-Caps.

„Hidden Champions" aus der japanischen Industrie

Wie die Strategie in der Praxis aussieht, zeigen mehrere Einzelbeispiele aus dem Portfolio. Ein zentraler Baustein der Japan-These ist für Taniuchi die industrielle Kompetenz des Landes: Während japanische Unternehmen in einigen konsumentennahen Branchen international an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, sieht er bei Zulieferern und industriellen Technologieführern weiterhin starke Positionen.

Mitsubishi Heavy Industries: SMDAM investierte bereits 2022, als der Konzern Marktanteile in Stromerzeugung und Verteidigung ausbaute. Nach deutlicher Kurssteigerung wurde die Position inzwischen teilweise zur Gewinnmitnahme reduziert.

Hitachi: entwickelte sich laut Taniuchi vor allem im Bereich Energiemanagement und Gasturbinen stark.

Furukawa Electric: Einstieg Ende 2024, als der Markt das Automobilgeschäft noch skeptisch beurteilte. Das Management setzte stattdessen auf steigende Verkaufspreise bei Kabeln und die führende Position im Geschäft mit optischen Kabeln – eine These, die sich durch die steigende Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur inzwischen bestätigt habe.

Yaskawa Electric: traditionell in der Fabrikautomation aktiv, sieht Taniuchi zusätzliches Potenzial durch Physical-AI-Anwendungen im Servo-Geschäft, die den adressierbaren Markt deutlich vergrößern könnten.

Kajima: Einstieg Anfang 2025 mit Blick auf eine Margenverbesserung bei einem der fünf großen japanischen Baukonzerne. Nach besser als erwarteten operativen Ergebnissen wurde die Position teilweise reduziert – ein Beispiel für den typischen Prozess des Hauses: kaufen, wenn sich die Gewinnperspektive verbessert, Gewinne realisieren, sobald ein Teil der erwarteten Entwicklung im Kurs eingepreist ist.

KI, Halbleiter, Automatisierung – ohne Themenwetten

Strukturelle Trends wie künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Halbleiter oder Automatisierung spielen im Portfolio eine Rolle, werden aber nicht über Top-down-Themenquoten abgebildet. Stattdessen sucht das Team gezielt nach Unternehmen, bei denen sich messbare Frühindikatoren bereits verbessern – etwa Veränderungen im Lagerzyklus bei Halbleitern oder steigende Investitionsausgaben im Bereich KI und digitale Infrastruktur. Entscheidend ist für Taniuchi nicht die Existenz eines Megatrends, sondern die Frage, welches Unternehmen daraus tatsächlich eine Gewinnbeschleunigung erzielen kann.

Für die kommenden Jahre erwartet er vor allem höhere industrielle Investitionen in KI-Infrastruktur, Verteidigung sowie Strom­erzeugung und -versorgung, ergänzt um die zunehmende Verbreitung von Robotik und Physical AI. Auch Handelsunternehmen und Rohstoffproduzenten könnten von einem inflationär geprägten Umfeld profitieren. Den entscheidenden Performancebeitrag soll aber weiterhin die Einzeltitelauswahl liefern.

Corporate Governance als struktureller Katalysator

Ein wesentlicher Unterschied zum Japan früherer Jahre liegt für Taniuchi im kulturellen Wandel der Unternehmen. Die Corporate-Governance- und Stewardship-Reformen hätten konkrete Veränderungen angestoßen: Überkreuzbeteiligungen werden abgebaut, die Interessen von Minderheitsaktionären stärker berücksichtigt, die Unabhängigkeit von Aufsichtsgremien verbessert.

Auch bei Ausschüttungen zeigt sich der Wandel deutlich: Die Dividenden sind seit Beginn der Abenomics-Ära im Schnitt um rund zehn Prozent pro Jahr gestiegen, gleichzeitig haben Aktienrückkäufe spürbar zugenommen. Da viele Unternehmen weiterhin über hohe Liquiditätsreserven verfügen, sieht Taniuchi hier noch erhebliches Potenzial für eine weitere Verbesserung der Kapitalallokation. Sollte die Eigenkapitalrendite japanischer Unternehmen – etwa durch effizientere Kapitalverwendung und höhere Ausschüttungen – in Richtung des europäischen Niveaus von rund zwölf Prozent steigen, könnten insbesondere qualitativ hochwertige Unternehmen höhere Bewertungsmultiplikatoren rechtfertigen.

Chancen und Risiken

Die fundamentale Ausgangslage bewertet Taniuchi positiv: Im Juni 2026 erreichten sowohl Nikkei als auch TOPIX neue Rekordstände, begünstigt auch durch zurückkehrende internationale Investoren. Der Fondsmanager sieht darin keine kurzfristige Modeerscheinung, sondern die Folge struktureller Veränderungen. Auch die Bewertung spricht aus seiner Sicht für Japan: Das Forward-KGV des TOPIX lag zuletzt bei gut 18 gegenüber mehr als 21 beim S&P 500, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei knapp 1,9 gegenüber rund 5,4.

Risiken bestehen für Taniuchi dennoch: ein sprunghafter Anstieg der japanischen Staatsanleiherenditen, US-Kreditrisiken, anhaltende Spannungen zwischen Japan und China sowie geopolitische Unsicherheiten allgemein. Besonders empfindlich reagiert Japan auf steigende Ölpreise, da mehr als 90 Prozent der Rohölimporte aus dem Nahen Osten stammen.

Für die kommenden zwölf bis 24 Monate erwartet Taniuchi daher eher ein schwankungsreiches, seitwärts gerichtetes Marktumfeld – geopolitische Risiken und mögliche neue Handelskonflikte könnten das Aufwärtspotenzial begrenzen. Der Ausstieg aus der Deflation, die Unternehmensreformen und ein moderater Gewinnaufwärtstrend sprechen für ihn jedoch weiterhin für eine langfristig konstruktive Perspektive.

Performance

Seit Auflage der Strategie im Jahr 2020 lag die Outperformance bei etwa fünf Prozentpunkten pro Jahr gegenüber dem Topix. Auch auf 12-Monatssicht lag die Mehrrendite bei etwa drei Prozentpunkten. Die Volatilität bewegt sich auf Indexniveau.

Fazit:

Der Japan Equity High Conviction Fund setzt nicht auf eine pauschale Japan-Wette, sondern auf jene Unternehmen, die vom strukturellen Wandel des Landes profitieren. Der konzentrierte Ansatz mit rund 30 Titeln, die hohe aktive Positionierung und der Fokus auf frühe Veränderungen in der Gewinnentwicklung machen den Fonds zu einem der spannendsten aktiven Japanfonds. Zudem überzeugt auch die Performance des Fonds. Taniuchi schafft es, stets einen Mehrwert gegenüber Japan-ETFs zu erzielen.

Chart
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Fondsdaten

Fondsname Sumitomo Mitsui DS Asset Management Japan Equity High Conviction Fund
Assetklasse: Aktien Japan
Fondsvolumen 120,2 Mio. US-Dollar
TER: 1,20%
Perf. Fee keine
WKN: A40ULG
ISIN: LU1767076745
Auflagedatum: 10.10.2024
Perf. laufendes Jahr 18,6 %
1 Jahr 38,9 %
Vola 1 Jahr 21,1 %

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