Gold: Turnaround dank starker Fundamentaldaten

Gold: Turnaround dank starker Fundamentaldaten. (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Gold

Anfang des Jahres erreichte der Goldpreis Höchststände. Danach folgte eine harte Korrektur. Welche Faktoren dafür sprechen, dass der Preisrücksetzer nur ein Intermezzo in einem langfristig intakten Bullenmarkt war, analysiert die mehrteilige Serie. Teil 2 erklärt, welche Käufergruppen den Goldpreis derzeit antreiben.

10.09.2026 | 07:15 Uhr

In Teil 1 der aktuellen Serie zum Thema Gold wurde aufgezeigt, wie das Zusammenspiel von hoher Inflation, schwachem Dollar und zu erwartender Zurückhaltung der Fed bei den Zinsen gute Argumente für einen weiteren Goldpreisanstieg liefert. Dieser zweite Teil konzentriert sich auf ein noch viel stärkeres Argument für anhaltenden Optimismus bei Goldanlegern.

Mehrere Käufergruppen stärken den Goldmarkt

Anders als in früheren Zyklen wird der aktuelle Bullenmarkt, der vor rund vier Jahren startete und im Frühjahr 2026 zum ersten Mal spürbar korrigierte, nicht von einer einzigen Käufergruppe getragen. Die Nachfrage verteilt sich vielmehr breit über Privatanleger, Zentralbanken, institutionelle Anleger und Schmuckkäufer. Zusätzliche Nachfrage kommt von neuen Investoren wie Kryptounternehmen und chinesischen Institutionen.

Wobei die Art der Nachfrage aus den Reihen privater Anleger sich in den vergangenen Monaten zwar etwas verschoben hat: Insbesondere in Nordamerika war ein Verkaufsdruck bei Gold-ETFs zu sehen. Dafür wurden vermehrt Barren und Münzen gekauft. Doch unter dem Strich scheint sich der Trend abzuzeichnen, dass Anleger den Anteil von Sachwerten in ihren Portfolios wieder etwas hochfahren wollen. Angesichts des sehr engen Marktes – die gesamte Marktkapitalisierung des Edelmetall- und Goldminensektors macht weniger als ein Prozent der globalen Aktienmärkte aus – könnte selbst eine moderat steigende Nachfrage erhebliche Auswirkungen auf die Preise haben.

Zu den wichtigsten Stabilisatoren des Goldpreises zählen die Zentralbanken, die seit vier Jahren jährlich rund 1.000 Tonnen Gold kaufen. Der Grund dafür dürfte in den einzigartigen Eigenschaften von Gold liegen, die das Edelmetall als Reservewährung in den Notenbanktresoren so wertvoll machen: Gold trägt kein Gegenparteirisiko und kann nicht sanktioniert werden. Im Hinblick auf die zunehmend aggressive Handelspolitik der USA ist das für einige Länder ein starkes Argument. Nicht zuletzt auch deshalb wird Gold vermehrt als Alternative zum US-Dollar gesehen.

Zentralbanken von Schwellenländern, darunter China, Indien und mehrere Staaten des Nahen Ostens schichten ihre Reserven schon seit einigen Jahren sehr gezielt von US-Dollar in Gold um. Die jüngsten Käufe zeigen, dass dieser Trend immer noch intakt ist: Etliche Notenbanken, insbesondere die Zentralbank Chinas, nutzten den zwischenzeitlichen Preisrückgang und erwarben im zweiten Quartal dieses Jahres 289 Tonnen Gold. Das ist das stärkste zweite Quartal aller Zeiten. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Fragmentierung und dem sinkenden Vertrauen gegenüber dem US-Dollar als weltweiter Leitwährung gibt es wenig Grund, davon auszugehen, dass sich dieser Kauftrend umkehrt.

China_Gold
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Quelle: World Gold Council, August: Goldreserven nach Ländern. Bloomberg. Daten per 30. Juni 2026.

Auch die Schmuckindustrie, weiterhin die größte Käufergruppe und maßgeblicher Faktor der jährlichen Goldnachfrage, trägt ihren Teil dazu bei, dass der Goldpreis nicht nachhaltig weiter sinkt. Selbst während des Anstiegs der Edelmetallpreise blieb der Schmuckmarkt widerstandsfähig. In US-Dollar gerechnet, steigen die Ausgaben für Goldschmuck weiterhin mit stabilen Wachstumsraten. Die in den vergangenen vier Jahren steigenden Preise haben daran nichts geändert. Die zwischenzeitlichen Preisrückgänge in diesem Jahr wurden auch von der Schmuckindustrie zu Käufen genutzt.

Steigende Nachfrage trifft auf knappes Angebot

Die wieder anziehende Nachfrage trifft auf ein knappes Angebot an Gold. Denn trotz höherer Explorationsausgaben in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Goldentdeckungen von Weltklasse weiter gesunken. Auch die Erzgehalte fielen stetig. Das Angebot wird zudem durch längere Genehmigungsverfahren, strengere Umweltstandards und geopolitische Risiken begrenzt. Die verbesserte Kapitaldisziplin der großen Bergbauunternehmen hat das Produktionswachstum ebenfalls eingeschränkt. Daher können die Minen nur sehr eingeschränkt auf eine höhere Nachfrage reagieren. Obwohl im vergangenen Jahr die Preise durch die Decke gingen, konnten Minen ihre Förderkapazitäten um lediglich zwei Prozent steigern.

Anders als bei einigen anderen Rohstoffen lassen sich durch deutlich höhere Goldpreise also nicht rasch relevante neue Mengen produzieren. Diese Kombination aus robuster Nachfrage und begrenztem Angebot ist ein weiterer Faktor, der den Goldpreis langfristig stützt.

Kommende Woche erfahren Sie in Teil 3 unserer Gold-Serie, wie die US-Fiskalpolitik als potenzieller Preistreiber wirkt…

Quellen: Bloomberg, World Gold Council, Goldman Sachs, S&P, US Congressional Budget Office, Canaccord

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