Die Deka positioniert sich mit ihrem neuen Altersvorsorgedepot direkt gegen die günstigen Angebote der Neobroker. Das Standardmodell soll nur 0,1 Prozent im Jahr kosten. Damit fordert die Sparkassen-Tochter Anbieter wie Scalable Capital und Smartbroker+ heraus.
09.09.2026 | 12:25 Uhr
Die Deka eröffnet den Wettbewerb um das neue Altersvorsorgedepot mit einem offensiven Preisangebot. Ab Januar 2027 soll das staatlich geförderte Depot bei allen Sparkassen vor Ort und über die Sparkassen-App verfügbar sein. Das Standardangebot kostet nach Angaben der Deka lediglich 0,1 Prozent pro Jahr für die eingesetzten ETFs. Depotführung und Zulagenverwaltung sollen kostenlos sein. Damit nimmt die Sparkassen-Tochter den Kampf um die Kunden ausdrücklich mit den Neobrokern auf. Denn auch diese setzen beim Start der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge auf niedrige Kosten und digitale Abwicklung. Gleichzeitig wird die Deka flankierend zum Standard-Altersvorsorgedepot für Kinder und Jugendliche die Frühstart-Rente anbieten – ebenfalls zu den 0,1 Prozent Effektivkosten.
Besonders deutlich wird der Preiswettbewerb beim Blick auf Scalable Capital. Der Neobroker bietet für das Standard-Altersvorsorgedepot ebenfalls ein kostenloses Konto und Depot sowie kostenlose Sparpläne, Ein- und Auszahlungen. Für 2027 wirbt Scalable zudem mit 0 Prozent ETF-Kosten für ausgewählte ETFs. Im Modell „Selbst entscheiden“ können Anleger ebenfalls kostenlos besparen; Käufe und Verkäufe kosten dort je nach Tarif 0 Euro mit PRIME+ beziehungsweise 0,99 Euro mit FREE. Auch Smartbroker+ setzt auf ein aggressives Kostenmodell. Depotgebühren, Sparpläne sowie Käufe und Verkäufe sollen im Standarddepot kostenlos sein. Zusätzlich übernimmt Smartbroker+ bei diesem Modell in den ersten drei Jahren die laufenden ETF-Kosten (TER) vollständig – allerdings nur bis zu einem Anlagevolumen von 25.000 Euro.
Das Altersvorsorgedepot soll ab 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die Deka kann damit zwar nicht mit einer dauerhaften Null-Euro-TER der ausgewählten ETFs werben, setzt mit 0,1 Prozent Effektivkosten pro Jahr aber einen sehr niedrigen Preis. Die Angaben stehen allerdings noch unter dem Vorbehalt der erwarteten BaFin-Genehmigung im November.
Auch quirion will zum Start des neuen Altersvorsorgedepots 2027 an den Markt gehen. Der digitale Vermögensverwalter bietet bereits zwei unterschiedliche Konzepte an: ein Standarddepot mit einem Aktien- und einem Anleihen-ETF von Vanguard sowie eine professionell verwaltete Variante mit breiterem ETF-Portfolio und individuellem Risikopfad. Damit ist die Deka derzeit einer der wenigen Anbieter, die bereits einen konkreten Preis für das Standardmodell nennen.
Die Deka beschränkt sich allerdings nicht auf das günstige Standarddepot. Anleger können alternativ ein aktiv gemanagtes Individualprodukt wählen. Dieses kostet abhängig von der Vertragslaufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr. Im Standardmodell investiert die Deka das Geld in einen weltweit anlegenden Aktien-ETF und einen europäischen Rentenfonds. In der klassischen Variante wird zunächst vollständig in Aktien investiert. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn wird der Aktienanteil auf 50 Prozent reduziert, zwei Jahre vor dem Rentenbeginn nochmals um 20 Prozentpunkte. Wer selbst entscheiden möchte, kann den Aktienanteil in der Sparkassen-App während der Ansparphase kostenlos anpassen. Das aktiv gemanagte Modell setzt dagegen auf bis zu drei Fondsbausteine. Die Deka steuert das Risiko über einen Lebenszyklusansatz und schichtet mit zunehmendem Alter schrittweise von Aktien in Renten- und später Geldmarktfonds um.
Im Wettbewerb mit den Neobrokern setzt die Deka nicht allein auf den Preis. Ihr entscheidender Vorteil ist das Sparkassen-Netz mit persönlicher Beratung. Das Angebot soll sowohl digital als auch in den Filialen erhältlich sein. Das könnte gerade bei der Altersvorsorge ein wichtiger Faktor sein. Eine von der Deka bei YouGov beauftragte Umfrage unter 3.127 Menschen zwischen 18 und 60 Jahren zeigt, dass 54 Prozent unsicher sind, wie sie ihr Geld für die Altersvorsorge anlegen sollen. Gleichzeitig glauben 77 Prozent nicht, dass die gesetzliche Rente künftig ausreichen wird, um ihren Lebensstandard zu halten. Die Erhebung wurde vom 17. bis 27. Juli 2026 durchgeführt. Deka-Vertriebschef Dirk Peters sieht deshalb einen hohen Beratungsbedarf. Das neue Altersvorsorgedepot solle breiten Bevölkerungsschichten ermöglichen, über Fonds und ETFs langfristig ein zweites finanzielles Standbein neben der gesetzlichen Rente aufzubauen.
Mit ihrem 0,1-Prozent-Angebot macht die Deka deutlich, dass sie den Wettbewerb mit den digitalen Brokern nicht den Neobrokern überlassen will. Scalable Capital und Smartbroker+ setzen auf digitale Prozesse, niedrige beziehungsweise zeitweise vollständig erstattete ETF-Kosten und eine hohe Selbstbestimmung der Anleger. Die Deka kontert mit einem ebenfalls sehr günstigen Standardprodukt, kombiniert dieses aber mit der Reichweite und Beratung der Sparkassen. Für Anleger dürfte damit vor allem die Frage interessant werden, was ihnen wichtiger ist: maximale digitale Selbstbestimmung und zeitweise Kostenfreiheit oder ein günstiges Produkt mit der Möglichkeit zur persönlichen Beratung.
Klar ist bereits jetzt: Der Wettbewerb um die Altersvorsorge-Milliarden, die künftig in das neue Altersvorsorgedepot fließen sollen, wird hart. (jk)
Mehr über die Kapitalrente, das Altersvorsorgedepot und weitere Themen zur Altersvorsorge lesen Sie hier https://www.fundresearch.de/altersvorsorge/
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