Die Zinsen für Tagesgeld entfernen sich zunehmend vom EZB-Einlagensatz. Der Spitzenzins liegt inzwischen bei 4,25 Prozent und damit 2,25 Prozentpunkte über dem Leitzins. Der Wettbewerb der Banken um Kundeneinlagen nimmt weiter zu.
10.09.2026 | 06:00 Uhr
Die Topzinsen am Tagesgeldmarkt haben sich deutlich vom Zinsniveau der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt. Während die EZB ihren Einlagensatz seit Mitte 2024 schrittweise von 4,00 auf 2,00 Prozent gesenkt hat, bieten Banken weiterhin hohe Aktionszinsen für neue Kundeneinlagen.
Nach aktuellen Daten des Barkow Consulting Einlagen Monitors liegt der höchste Tagesgeldzins inzwischen bei 4,25 Prozent pro Jahr. Damit beträgt der Abstand zum EZB-Einlagensatz 2,25 Prozentpunkte – so viel wie noch nie.
Bemerkenswert ist auch der Vergleich mit der letzten Hochzinsphase: Der aktuelle Tagesgeld-Spitzenzins liegt sogar über dem EZB-Einlagensatz von 4,00 Prozent, der von September 2023 bis Juni 2024 galt.
Wie stark der Wettbewerb um Kundengelder geworden ist, zeigt die Entwicklung bei den Topangeboten. Ende Mai war nach Angaben von Barkow Consulting mit Chase noch lediglich ein Anbieter mit einem Tagesgeldzins von mehr als vier Prozent am Markt. Inzwischen sind es sechs Institute.
Chase ist damit auf den vierten Rang zurückgefallen. Gleichzeitig bieten aktuell 77 Institute einen Aktionszins oberhalb des EZB-Einlagensatzes. Laut Barkow Consulting gab es seit dem letzten EZB-Zinsschritt im Juni 2026 nicht mehr so viele Anbieter über diesem Niveau. Auch zuletzt haben zahlreiche Banken ihre Konditionen nochmals angehoben. Der Wettbewerb um Tagesgeldkunden gewinnt damit trotz des deutlich niedrigeren EZB-Zinsniveaus weiter an Dynamik.
Aus Sicht von Barkow Consulting ist der aktuelle Preiskampf für die Banken kurzfristig nur schwer wirtschaftlich zu rechtfertigen. Selbst weitere Zinssenkungen der EZB dürften daran zunächst wenig ändern.
Entscheidend ist daher weniger die Geldpolitik als der Wettbewerb um Einlagen. Solange Banken bereit sind, für Kundengelder hohe Aktionszinsen zu zahlen, können sich die Tagesgeldkonditionen weiter vom EZB-Einlagensatz entfernen.
Damit rückt eine neue Marke in den Blick: 4,50 Prozent. Angesichts der jüngsten Entwicklung hält Barkow Consulting es inzwischen für durchaus vorstellbar, dass auch diese Marke beim Tagesgeld fällt.
Für Sparer bedeutet die Entwicklung, dass sich ein Blick auf aktuelle Aktionsangebote weiterhin lohnen kann. Allerdings sind Spitzenzinsen häufig zeitlich oder hinsichtlich des Anlagebetrags begrenzt. Für einen Vergleich ist daher nicht nur der beworbene Topzins entscheidend, sondern auch die Bedingungen nach Ablauf der Aktion. (jk)

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