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Deutscher Geldanlage-Index: Neobroker gewinnen weiter Marktanteile

Aktien und Fonds sind bei jungen Menschen beliebt. (Bild: KI)
Umfrage

Die Stimmung der Deutschen gegenüber Aktien und aktienbasierten Geldanlagen bleibt trotz geopolitischer Krisen auf hohem Niveau. Der Deutsche Geldanlage-Index erreicht den zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebung. Besonders junge Menschen setzen auf Wertpapiere – und zunehmend auf Neobroker und künstliche Intelligenz.

20.08.2026 | 07:00 Uhr

Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Einstellung der Deutschen zu Aktien und aktienbasierten Geldanlagen ausgesprochen positiv. Der Deutsche Geldanlage-Index (DIVAX-GA) des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) erreichte im Juli 2026 34,5 Punkte. Damit liegt der Index auf dem zweithöchsten Wert seit Beginn der halbjährlichen Erhebung im Sommer 2020. Nur im Winter 2024 war die Stimmung mit 35,5 Punkten noch etwas besser. Für die aktuelle Untersuchung wurden rund 2.000 Menschen in Deutschland befragt.

Aktienmärkte prägen die Stimmung stärker als Krisen 

Aus Sicht von Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA, spiegelt der hohe Indexwert vor allem die Entwicklung an den Kapitalmärkten wider. Die großen Aktienindizes befänden sich weiterhin auf hohem Niveau, während geopolitische Konflikte und politische Risiken offenbar weniger Einfluss auf die Einstellung der Anleger hätten. Die Ergebnisse zeigen damit erneut, dass die Wahrnehmung von Aktienanlagen stark von der aktuellen Börsenentwicklung geprägt wird. Intakte Aufwärtstrends können das Vertrauen in Wertpapiere offenbar selbst dann stützen, wenn das politische und wirtschaftliche Umfeld von Unsicherheit geprägt ist.

Ostdeutschland holt beim Aktienoptimismus auf 

Auffällig ist die Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern. Dort stieg der DIVAX-GA gegenüber der vorherigen Erhebung von 27,4 auf 35,4 Punkte. Damit liegt die Stimmung gegenüber Aktienanlagen erstmals nahezu auf dem Niveau Westdeutschlands. Besonders positiv bleibt die Einstellung bei jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen erreicht der Index 52,0 Punkte. Gegenüber der vorherigen Befragung entspricht dies einem Anstieg um 4,9 Punkte. Eine wichtige Rolle könnten dabei neue digitale Anbieter spielen. Nach Einschätzung Schellenbergers haben insbesondere Neobroker dazu beigetragen, junge Menschen stärker für Aktien und Wertpapiere zu interessieren. 

Neobroker gewinnen weiter an Bedeutung 

Die Zahlen zur Verbreitung von Neobrokern und Neobanken bestätigen diesen Trend. Innerhalb von sechs Monaten stieg der Anteil der Befragten, die dort ein Wertpapierdepot führen, von 24,3 auf 28,1 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen ist der Anteil mit 51,9 Prozent deutlich höher. Damit nutzt inzwischen mehr als jeder zweite Befragte dieser Altersgruppe ein Depot bei einem Neobroker oder einer Neobank. Digitale Anbieter setzen vor allem auf einfach zu bedienende Apps, niedrige Gebühren und zusätzliche Angebote wie die Verzinsung von Kontoguthaben. Der zunehmende Wettbewerb zeigt nach Einschätzung des DIVA inzwischen auch Wirkung bei etablierten Banken und Sparkassen, die ihrerseits günstigere Trading-Angebote und modernisierte digitale Plattformen entwickeln. 

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Geldanlage 

Erstmals untersuchte der DIVAX-GA im Sommer 2026 auch die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei der Geldanlage. Rund die Hälfte der Befragten gab an, KI bereits zu nutzen. Allerdings wird künstliche Intelligenz bislang vor allem zur Information und Orientierung eingesetzt. Knapp 25 Prozent der Befragten nutzen KI, um sich über Geldanlagen zu informieren. Weniger als zehn Prozent verwenden sie dagegen, um Empfehlungen eines Finanzberaters zu überprüfen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI die persönliche Beratung bislang eher ergänzt als ersetzt. Wer sich bewusst für eine Beratung entscheidet, sucht offenbar weiterhin nach persönlichem Austausch und Vertrauen. 

Persönliche Beratung bleibt für viele unverzichtbar 

Trotz des Aufstiegs von Neobrokern, digitalen Plattformen und KI halten 72,1 Prozent der Befragten eine persönliche Beratung für notwendig, um erfolgreich in Aktienanlagen zu investieren. Damit zeigt die Umfrage einen bemerkenswerten Gegensatz: Die Geldanlage wird digitaler, gleichzeitig bleibt der Wunsch nach persönlicher Unterstützung hoch. Für Banken, Vermögensverwalter und Finanzberater dürfte dies bedeuten, dass digitale Angebote und persönliche Beratung künftig stärker miteinander verbunden werden müssen.  

Kritik an der Ausgestaltung des Altersvorsorgedepots

 „Wir hätten uns hier von der Politik beim Altersvorsorgedepot und bei der Frühstartrente mehr Realitätsbezug gewünscht. Denn beide Projekte gehen vom „Homo Oeconomicus“ aus, der seine Geldanlage rational eigenständig und ohne Beratung regelt. Das Gegenteil ist der Fall. Der Kostendeckel, das Zillmerverbot und die Beschränkung der Frühstartrente auf das Standardprodukt zeigen, dass hier Politik an der deutlichen Mehrheit der Bevölkerung vorbei gemacht wurde und wird. Das Mindeste wäre gewesen, für die Frühstartrente auch das Altersvorsorgedepot zuzulassen. Jetzt wird es wohl so kommen, dass vermutlich mehr als 90 Prozent der Finanzmittel im Staatsfonds der Bundesbank landen werden,“ kommentiert Mathais die Befragungsergebnisse im Kontext zur Politik. (jk)

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