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Seit 15 Jahren mit kleinen Werten zu großem Erfolg

Birgitte Olsen (Head of Entrepreneur), Laurent Picard (Portfolio Manager) und Eduardo Bravo (Portfolio Manager)
Fonds

Der Bellevue Entrepreneur Europe Small setzt seit 2011 auf eigentümergeführte europäische Nebenwerte, was sich für Anleger sehr ausgezahlt hat. Fondsmanagerin Birgitte Olsen erklärt, warum sie gerade jetzt wieder attraktive Chancen bei europäischen Small und Mid Caps sieht.

03.09.2026 | 13:00 Uhr von «Peter Gewalt»

Als der Bellevue Entrepreneur Europe Small im Juni 2011 unter der Leitung von Birgitte Olsen aufgelegt wurde, befand sich Europa mitten in der Staatsschuldenkrise. Seitdem haben Brexit, Pandemie, Ukraine-Krieg, Inflation, Zinsschock und geopolitische Konflikte die Finanzmärkte immer wieder erschüttert. Dass der Fonds nun sein 15-jähriges Jubiläum feiert, ist deshalb weit mehr als ein gewöhnlicher Geburtstag.

Für Birgitte Olsen steht dieses Jubiläum vor allem für die Stabilität eines konsequent umgesetzten Investmentansat­zes. „Das 15-jährige Jubiläum ist ein wichtiger Meilenstein, weil es die Beständigkeit der Strategie in sehr unterschiedlichen Marktphasen unterstreicht“, sagt die Lead-Portfolio-Managerin bei Bellevue Asset Management.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit Auflegung erzielte der Fonds eine annualisierte Nettorendite von rund elf Prozent. Aus dem anfänglichen Investment wurde rechnerisch mehr als das Fünffache. Darüber hinaus entwickelte sich die Strategie über den gesamten Zeitraum besser als ihre Benchmark und zählt im Wettbewerbsvergleich zur Spitzengruppe.

Unternehmer im Mittelpunkt

Die klare Positionierung des Fonds unterscheidet ihn von vielen anderen europäischen Nebenwertestrategien. Im Mittelpunkt stehen eigentümergeführte Unternehmen, bei denen Gründerfamilien oder langfristig orientierte Ankeraktionäre wesentlichen Einfluss ausüben.

Rund zwei Drittel des Fondsvermögens sind in solchen Gesellschaften investiert. Nach Überzeugung des Managementteams fördert diese Eigentümerstruktur langfristiges Denken und eine disziplinierte Kapitalallokation.

„Die Unternehmen wachsen mit dem eigenen Cashflow und damit, dass die Firmengründer einen großen Anteil ihres Kapitals in die Geschäftsentwicklung stecken“, erläutert Olsen.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass Unternehmerfamilien häufig konservativer finanzieren, langfristiger investieren und auch in schwierigen Marktphasen an ihren strategischen Zielen festhalten. Gerade im Small- und Mid-Cap-Segment könne dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

Dabei reicht die Eigentümerstruktur ­allein nicht aus. Das Team achtet ebenso auf Corporate Governance, Kapitaldisziplin und den Schutz von Minderheitsaktionären. Nur wer in allen Bereichen überzeugt, kommt für das konzentrierte Portfolio mit 35 bis 45 Titeln infrage.

Attraktive Bewertungen

Nach mehreren Jahren der Underperformance europäischer Small und Mid Caps schätzt Olsen die Voraussetzungen für die Anlageklasse heute als besonders günstig ein. Die Bewertungen liegen weiterhin unter historischen Durchschnittswerten und notieren mit einem deut­lichen Abschlag gegenüber großen Standardwerten. Gleichzeitig haben sich die Fundamentaldaten vieler Unternehmen verbessert. „Das Umfeld zählt derzeit zu den attraktivsten, die wir seit längerer Zeit beobachten“, betont Olsen

Besonders bemerkenswert sei, dass europäische Small Caps historisch häufig mit einer Bewertungsprämie gehandelt wurden, weil ihr Wachstumspotenzial über dem vieler Large Caps liegt. Aktuell sei das Gegenteil der Fall – eine Situation, die langfristig orientierten Anlegern in­teressante Einstiegsmöglichkeiten eröffnen könne.

Rückenwind durch Megatrends

Zusätzliche Chancen entstehen aus strukturellen Wachstumsfeldern. Viele Portfoliounternehmen profitieren von langfristigen Entwicklungen wie Elektrifizierung, Energieeffizienz, industrieller Automatisierung, Reshoring und dem Ausbau von KI-Infrastrukturen. Insbesondere kleinere Spezialisten können bereits mit vergleichsweise geringen Marktanteilen erhebliches Umsatz- und Gewinnwachstum erzielen.

Olsen verweist zudem auf den weltweit steigenden Investitionsbedarf bei Infrastrukturprojekten: „Seit 2022 geht es mit dem Global Infrastructure Capex Cycle nach oben.“ Die Sicherung der Energieversorgung und der Ausbau leistungsfähiger Stromnetze seien zentrale Voraussetzungen für Digitalisierung und künstliche Intelligenz.

Im Portfolio finden sich deshalb Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Bereichen – von Windkraftanlagen über Tiergesundheit bis hin zu Bergbau- und Recyclingtechnologien. Gemeinsam ist ihnen eine führende Marktstellung in ihren jeweiligen Nischen.

Qualität als Risikoschutz

Die vergangenen 15 Jahre haben das Team auch gelehrt, welche Faktoren langfristig über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Eine besondere Rolle spielen dabei Bilanzqualität und Managementkompetenz. „Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählen die Bedeutung einer soliden Bilanz sowie die Qualität des Managements“, erklärt Olsen.

Fehleinschätzungen seien in der Vergangenheit häufig dann entstanden, wenn Verschuldungsrisiken unterschätzt oder Entscheidungen des Managements nicht kritisch genug hinterfragt wurden. Deshalb achtet das Team heute konsequent auf finanzielle Stabilität. Rund 30 Prozent des Portfolios sind derzeit in Unternehmen mit Netto-Cash-Position investiert. Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt deutlich unter dem Branchendurchschnitt.

Trotz der zuletzt verbesserten Entwicklung hält sich die Zuversicht vieler Investoren gegenüber Europa nach wie vor in Grenzen. Genau darin sieht Olsen einen zusätzlichen Pluspunkt für die Anlageklasse.

Europa bleibt ein Contrarian Trade

„Europäische Aktien sind immer noch ein Contrarian Trade, weil der Pessimismus rund um Europa und speziell Deutschland immer noch sehr groß ist“, erläutert sie.

Für den Bellevue Entrepreneur Europe Small bleibt die Investmentchance daher intakt. Europäische Small und Mid Caps werden vielfach noch immer wenig analysiert, oft ineffizient bewertet und bieten gleichzeitig Zugang zu zahlreichen unternehmerisch geführten Qualitätsunternehmen. Nach 15 Jahren erfolgreicher Fondsentwicklung sieht sich das Management deshalb in seiner Philosophie bestätigt: langfristig denken, auf starke Unternehmer setzen und Qualität vor kurzfristige Markttrends stellen.

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