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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Gold-Flucht aus New York

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Zentralbanken ziehen ihre Goldreserven aus den USA ab.

07.09.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die zurückliegende Woche

Am vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass die Niederländische Nationalbank (De Nederlandsche Bank, DNB) einen beträchtlichen Teil ihrer Goldreserven aus den USA und Kanada nach London verlagert hat. Das ist auf zwei Wegen geschehen. Einmal physisch auf Umwegen. Und einmal buchhalterisch. Physisch wurden rund 27 Tonnen Gold aus Nordamerika nach Europa transportiert. Allerdings nicht nach London, sondern ins niederländische Zeist, wo die DNB ihr Zentralbankgold lagert. Gleichzeitig brachte man von Zeist aus 27 Tonnen Gold aus den eigenen Tresoren nach London. Die buchhalterische Verlagerung erfolgte durch einen Verkauf von etwa 59 Tonnen Gold in New York. Dafür erwarb die DNB dieselbe Menge Gold in London. Da fragt man sich natürlich: Warum so kompliziert? Hätte man nicht die gesamte Menge von New York nach London buchhalterisch transferieren können? Oder alles per Schiff direkt nach London, ohne den Umweg über Zeist?

Nun, es gibt mehrere Gründe für das Vorgehen der Niederländer. Erstens: Man wollte den Markt nicht zu sehr mit der Transaktion in Aufruhr bringen. Schon der Verkauf der 59 Tonnen Gold hat in New York für ausreichend Aufsehen und Marktbewegung geführt. Zweitens: Die in den Niederlanden gelagerten Barren entsprechen dem international maßgeblichen „London Good Delivery“-Standard der London Bullion Market Association (LBMA), die die folgenden Vorgaben macht: Feingehalt mindestens 995/1000, Gewicht zwischen 350 und 430 Feinunzen, exakte Maße, Seriennummer, Herstellerstempel eines LBMA-akkreditierten Raffineurs und Prägejahr. Nur Barren, die diesen Standard erfüllen, gelten in London als uneingeschränkt handelbar. In New York bei der Fed lagert Gold historisch oft in Form von „government stamped bars“. Der Reinheitsgehalt und die Maße entsprechen nicht den in London gehandelten Barren. Ein direkter Transport von US-Barren nach London ist also nicht unbedingt sinnvoll. Die DNB hätte die US-Goldbarren einschmelzen und im London Good Delivery-Standard neu gießen lassen müssen. Deshalb wurden LBMA-konforme Barren aus dem Bestand in Zeist nach London verschifft. Dass jetzt in Zeist Goldbarren mit US-Standard liegen, nehmen die Niederländer offensichtlich in Kauf.

Ach ja, und da ist da noch eine interessante Frage: Warum tun die Niederländer das überhaupt? Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten. Das Vertrauen in die USA als sicherer Verwahrstelle ausländischer Goldreserven schwindet weltweit. Die Gold-Transaktion der DNB ist schließlich nicht die erste dieser Art. Zwischen Juli 2025 und Januar 2026 hat die Banque de France sogar ihre gesamten in New York gelagerten Goldreserven – 129 Tonnen, verteilt auf 26 Einzeltransaktionen – verkauft und dafür im Gegenzug neue Barren, die dem „London Good Delivery“-Standard entsprechen, in Paris gekauft. Damit lagert Frankreich seit rund 100 Jahren erstmals wieder sein komplettes Gold im eigenen Land. Die Niederlande und Frankreich liegen mit ihren Goldrückholaktionen voll im Trend. Seit August 2025 schrumpfen die in den USA gelagerten Goldreserven ausländischer Zentralbanken kontinuierlich, Monat für Monat. Im April 2026 wurden rund 14,7 Tonnen Gold aus New York abgezogen, im Mai 9,6 Tonnen, im Juni 15,5 Tonnen, im Juli weitere 4,4 Tonnen.

Gleichzeitig nutzen die Zentralbanken die Transaktionen offensichtlich dazu, ihre Goldbestände in London und im jeweils eigenen Land weiter aufzustocken. Die weltweiten Goldreserven übertreffen aktuell erstmals die von denselben Institutionen gehaltenen US-Staatsanleihen. Das ein historischer Wendepunkt in der Präferenz für Reserveanlagen.

Mit anderen Worten: Das Vertrauen in die USA erodiert auf zwei Ebenen: erstens politisch. Es wird von Notenbankern mittlerweile offen ausgesprochen, dass sie der Regierung Trump zutrauen, Ländern den Zugriff auf deren Goldreserven zu verweigern, falls es ihm nützlich erscheint. Gold in den USA zu lagern, gilt zunehmend als politisches und volkswirtschaftliches Risiko. Zweitens verlieren US-Anleihen ihren Nimbus als sichere Anlage. Mehr als 100 Milliarden US-Dollar Zinsen zahlt das US-Finanzministerium monatlich an seine Gläubiger aus – Tendenz steigend, trotz zuletzt geradezu hilfloser Aktionen wie dem Rückkauf von ein paar Milliarden langlaufenden US-Staatsanleihen und der gleichzeitigen Umschuldung in Kurzläufer. Der zuletzt deutliche Anstieg der Renditen für US-Bonds ist ein deutliches Warnsignal, dass die USA womöglich schon bald ihre Schuldenpolitik überdenken müssen. Die Kassen sind mehr als leer. Dafür steigen die Inflation und die Kriegskosten. Eine unheilvolle Kombination.

Man muss nicht viel Phantasie aufbringen, um sich auszumalen, auf welche Ideen Donald Trump kommen könnte, um sich aus dieser Lage zu befreien. Ein Beispiel dafür, wie er Zugriffe auf europäisches Vermögen begründen könnte, lieferte der US-Präsident bereits am vergangenen Freitag. Donald Trump forderte in einem Post auf seinem Netzwerk Truth Social von den europäischen Staaten die Rückzahlung von Ukraine-Hilfen, die während der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden getätigt wurden. Trump spricht von Hilfen im Wert von „Hunderten Milliarden Dollar“, die die USA kostenlos geleistet hätten. „Wir werden dieses Geld einfordern, wenn auch etwas verspätet“, orakelte der US-Präsident. Die Gold-Rückholaktionen der vergangenen Monate belegen, dass immer mehr Notenbanker schwitzige Hände angesichts der Unberechenbarkeit dieses Mannes bekommen.

By the way: Was macht eigentlich unsere Bundesbank? Zwischen 2013 und 2017 hat Deutschland 674 Tonnen Gold aus New York und Paris nach Deutschland zurückgeholt. Doch seitdem ist nichts weiter passiert. Bei der Fed lagern weiterhin 1.236 Tonnen. Das sind rund 37 Prozent der deutschen Gold-Reserven. Es ist der größte Einzelbestand eines ausländischen Staates in New York. Vielleicht sollte man diesen Umstand in Berlin und Frankfurt noch einmal in Ruhe erörtern. Ist nur so ein Gedanke.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag treffen sich in Berlin EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, der Vorsitzende des EP-Handelsausschusses Bernd Lange sowie die Expertin für transatlantische Beziehungen und Außenpolitik der Bertelsmann Stiftung Cathryn Clüver Ashbrook zu einer öffentlichen Diskussion. Thema: die Zukunft der EU-Handelspolitik. Hintergrund: Neue Zölle, Protektionismus und geopolitische Spannungen sorgen dafür, dass Wirtschaftsbeziehungen immer öfter zum politischen Druckmittel werden. Die EU reagiert und stellt ihre Handelsverträge weltweit breiter auf. Die Gesprächsrunde diskutiert über erste Erfolge und zukünftige Herausforderungen.

Am Mittwoch stellt Apple in Cupertino seine neuen iPhone-Modelle vor. Diesmal wird unter anderem auch das erste aufklappbare Telefon des Konzerns erwartet. Wow. Echt innovativ. Ein Klapphandy. Motorola hat so etwas auch schon mal auf den Markt gebracht. Genau 30 Jahre ist das her. Da wird man fast melancholisch. Gute, alte Zeit. Dieses einmalige Geräusch, wenn man nach dem Telefonat das Gerät in der Hand zusammenschnalzen ließ. Klack. Ob Apple das auch so gut hinbekommt?

Am Donnerstag geht im niedersächsischen Springe am Abend der zweite und letzte Tag der Fachmesse der internationalen Kartoffelbranche, „PotatoEurope 2026“ zu Ende. Im Fokus: die gesamte Wertschöpfungskette von der Züchtung bis zur Verarbeitung. Wem das Thema zu trocken ist: Parallel findet die SugarBeet Expo statt – die Fachmesse für innovative Technik und aktuelle Trends im Zuckerrübenanbau. Einfach mal vorbeischauen. Landwirtschaft kann so spannend sein.

Apropos Landwirtschaft: Am Freitag informieren der Deutsche und der Österreichische Weinbauverband in Ruppertsberg in Rheinland-Pfalz über aktuelle Herausforderungen des europäischen Weinbaus, etwa die Situation im Pflanzenschutz.

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