Gold: Rücksetzer bietet Anlegern Chancen

Gold: Rücksetzer bietet Anlegern Chancen. (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Gold

Anfang des Jahres erreichte der Goldpreis Höchststände. Danach folgte eine harte Korrektur. Welche Faktoren dafür sprechen, dass der Preisrücksetzer nur ein Intermezzo in einem langfristig intakten Bullenmarkt war, analysiert die mehrteilige Serie. Teil 1 erklärt, wie solche Rücksetzer historisch einzuordnen sind und welche Chancen sie Anlegern bieten.

03.09.2026 | 07:15 Uhr

Die Goldhausse des vergangenen Jahres dürfte Anlegern noch gut in Erinnerung sein. Der Boom erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt Ende Januar 2026, als eine Feinunze Gold rund 5.500 US-Dollar kostete. In der anschließenden Korrekturphase, die bis Mitte Juli andauerte, sank der Goldpreis um rund 27 Prozent. Knapp unter 4.000 US-Dollar endete der Ausverkauf. Seitdem steigt der Goldpreis wieder an. Die Frage, die sich viele Anleger nun stellen, lautet: Bedeutet der erneute Anstieg nur eine Pause in der Gold-Baisse? Oder hat Gold bei 4.000 US-Dollar im Juli seinen Tiefstpreis in der Korrekturphase gefunden? Und ist die Fortsetzung des langfristig viel größeren Aufschwungs bereits im Gange?

Die Argumente für Gold sind geblieben

Wie sich der Goldpreis in den kommenden Monaten weiterentwickeln wird, lässt sich natürlich nicht zuverlässig voraussagen. Zu viele Faktoren beeinflussen derzeit den Kapitalmarkt. Nicht zuletzt politische Entscheidungen können immer wieder für Überraschungen in die eine oder andere Richtung sorgen.

Doch grundsätzlich haben sich die strukturellen Argumente für Gold in den vergangenen Monaten nicht verändert. Im Gegenteil: Sie sind so überzeugend wie jahrzehntelang nicht mehr. Die geopolitische Fragmentierung, die Rekordverschuldung der Staaten, nicht tragfähige Haushaltsdefizite und eine geldpolitische Ausrichtung, die sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks eher auf finanzielle Repression als auf fiskalische Zurückhaltung hindeutet, wirken in ihrer Gesamtheit mindestens stabilisierend für den Goldpreis – und zwar langfristig. Denn diese Kräfte dürften so schnell nicht verschwinden. Insbesondere die prekäre Staatsverschuldung der USA hat die Notenbank dort in die knifflige Situation gebracht, die nach wie vor stark steigenden Verbraucherpreise nicht mehr mit einer starken Zinsanhebung bekämpfen zu können. Schon dieses Zusammenspiel von hoher Inflation, schwachem Dollar und zu erwartender Zurückhaltung der Fed bei den Zinsen liefert gute Argumente für einen weiteren Goldpreisanstieg. Doch es gibt noch ein weiteres Indiz dafür, dass der Preisrücksetzer von Februar bis Juli dieses Jahres nur eine begrenzte Korrekturphase eines langfristigen Bullenmarktes im Edelmetallsektor gewesen sein könnte: nämlich, dass es keine Argumente dagegen gibt.

Für Edelmetallanleger eine Gelegenheit zum Kauf

Die Dynamik, die der Edelmetallsektor in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hat, wird nach wie vor von mehreren Faktoren befeuert: Rekordkäufe der Zentralbanken, zunehmende geopolitische Spannungen und eine steigende Anlegernachfrage. Unterbrochen wurde der langanhaltende und zuletzt fulminante Preisanstieg erst im Frühjahr 2026 – begründet vor allem durch zwei Ereignisse: den Ausbruch des Irankrieges und die Ernennung Kevin Warshs zum Vorsitzenden der US-Notenbank. Stark steigende Ölpreise und die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik der Fed führten dazu, dass Anleger die weitere Entwicklung des Rentenmarktes neu bewerteten. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen. Und der US-Dollar wertete auf, was die Preise von Edelmetallen und Minengesellschaften vorübergehend belastete.

Gold Rücksetzer
Gold Rücksetzer

Quelle: Bloomberg, Baker Steel intern. Daten in USD, Stand: 11. August 2026.

Doch diese Phase könnte vorbei sein. Der Goldmarkt scheint seinen Boden gefunden zu haben und startet seit Mitte Juli wieder durch. Ein Blick in die Historie offenbart, dass der erneute Turnaround kein Einzelfall ist. Denn solche Preisrückgänge waren in einem Gold-Bullenmarkt tatsächlich oft nur ein Intermezzo. Die jüngste Korrektur würde sich damit in einem historischen Muster einreihen: Im Durchschnitt folgte bei etwa 25 Prozent Preisrückgang von einem vormaligen Höchststand ein erneuter langfristiger Anstieg des Goldpreises. Der Blick auf die früheren Gold-Bullenmärkten der 1970er- und 2000er-Jahre offenbart deutliche Parallelen zur aktuellen Situation. Damals boten die Rücksetzer hervorragende Kaufgelegenheiten, insbesondere auch bei Edelmetallminen, die in den späteren Phasen eines Bullenmarkts historisch häufig überdurchschnittlich abschnitten. Die Goldpreisentwicklung der zurückliegenden Wochen könnte ein erstes Indiz dafür sein, dass Anleger diese Chance erkannt haben und der Trendwechsel bereits im Gange ist.

Kommende Woche erfahren Sie in Teil 2 unserer Gold-Serie, welche Käufergruppen den Goldpreis derzeit antreiben und auf welches Angebot die steigende Nachfrage trifft…

Quellen: Bloomberg, World Gold Council, Goldman Sachs, S&P, US Congressional Budget Office, Canaccord

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