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Peter E. Huber warnt: „Der nächste Crash geht vom Bondmarkt aus“

Peter E. Huber warnt vor hohen Risiken am Anleihemarkt
Anleihen

Die hohen Staatsschulden und steigenden Renditen an den Anleihemärkten könnten nach Einschätzung von Peter E. Huber zum nächsten großen Risiko für die Kapitalmärkte werden. Gleichzeitig sieht der Fondsmanager Chancen durch die technologische Revolution rund um künstliche Intelligenz.

07.09.2026 | 13:15 Uhr

Die Aktienmärkte notieren nahe ihrer Höchststände, doch Peter E. Huber richtet den Blick auf einen anderen Teil des Kapitalmarkts: die Anleihen. Der Fondsmanager von Huber Portfolio warnt vor den Folgen der weltweit stark gestiegenen Staatsverschuldung. Seine These ist zugespitzt: Der nächste Crash könnte vom Bondmarkt ausgehen. Auslöser für seine Skepsis ist vor allem die Entwicklung in den USA. Die amerikanische Staatsverschuldung habe inzwischen die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten, schreibt Huber. Gleichzeitig würden die großen Technologiekonzerne ihre milliardenschweren Investitionen in Rechenzentren zunehmend über den Kapitalmarkt finanzieren. Für Huber verschärft sich damit der Wettbewerb um das verfügbare Kapital. Staaten und Unternehmen müssen gleichzeitig hohe Summen aufnehmen. Steigende Finanzierungskosten könnten die Folge sein.

Steigende Renditen als Warnsignal 

Auch in Europa sieht Huber die Entwicklung kritisch. Er verweist auf die hohe Verschuldung zahlreicher europäischer Staaten und Japans. Anleger könnten angesichts der zunehmenden Schuldenlast höhere Renditen verlangen. Als Beispiel nennt Huber die zehnjährige Bundesanleihe. Deren Rendite sei zuletzt auf knapp 3,4 Prozent gestiegen. Für den Fondsmanager ist das angesichts von Inflation und Steuern noch keine attraktive reale Verzinsung. Sollten die Renditen weiter steigen, würde das allerdings nicht nur Anleihebesitzer treffen. Höhere Zinsen erhöhen auch die Finanzierungskosten von Unternehmen und können die Bewertungen an den Aktienmärkten unter Druck setzen. 

Aktienmärkte zwischen Korrektur und Rotation 

Dass sich die Aktienmärkte trotz dieser Risiken nahe ihrer historischen Höchststände bewegen, erklärt Huber unter anderem mit der Flucht in Sachwerte. Aktien und Edelmetalle profitierten seiner Ansicht nach von der Suche der Anleger nach Schutz vor der schleichenden Entwertung von Geld und Anleihen. Gleichzeitig hält er viele Aktien für ambitioniert bewertet. Interessant findet Huber deshalb Unternehmen und Branchen, die an der Börse derzeit wenig beliebt sind. Er nennt unter anderem Autohersteller, Chemie, Maschinenbau, Software, Pharma sowie Öl- und Gasunternehmen. Bei Unternehmen mit schwachen Wachstumserwartungen seien teilweise einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse und attraktive Dividendenrenditen zu finden. Für die kommenden Monate sieht Huber deshalb zwei mögliche Entwicklungen: eine deutliche Korrektur des Gesamtmarktes oder eine Branchenrotation weg von hoch bewerteten Aktien hin zu bislang vernachlässigten Bereichen. 

KI verändert die Wirtschaft grundlegend 

Neben den Risiken an den Anleihemärkten beschäftigt sich Huber mit einem zweiten großen Thema: der künstlichen Intelligenz. Die Technologie könne zahlreiche geistige Tätigkeiten automatisieren – von Diagnosen über Rechtsgutachten bis hin zur Softwareentwicklung. Gleichzeitig verschiebe sich der wirtschaftliche Wert innerhalb der Technologiebranche. Während KI-Software tendenziell günstiger werde, steige die Nachfrage nach den Ressourcen, die für ihren Betrieb erforderlich sind: Chips, Rechenzentren, Energie, Wasser und Rohstoffe. Hubers Schlussfolgerung ist eindeutig: Die langfristigen Gewinner der KI-Revolution könnten weniger die Anbieter der Modelle selbst sein als vielmehr Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur bereitstellen. Besonders wichtig sei dabei die Energieversorgung. Der enorme Strombedarf von Rechenzentren könnte zu einem entscheidenden Engpassfaktor werden. 

Auch Robotik dürfte den Arbeitsmarkt verändern 

Hubers Blick reicht dabei über die KI hinaus. Auch humanoide Roboter könnten seiner Einschätzung nach zahlreiche Arbeitsplätze verändern. Als Beispiel nennt er den Roboter „Atlas“ von Boston Dynamics und dessen geplanten Einsatz in der Automobilproduktion. Für Huber steht damit eine technologische Revolution bevor, deren wirtschaftliche Folgen weit über den Technologiesektor hinausreichen. 

Für Anleger ergibt sich aus seiner Analyse ein widersprüchliches Bild: Einerseits warnt der Fondsmanager vor steigenden Risiken an den Anleihemärkten und einem möglicherweise ruppigeren Börsenumfeld. Andererseits sieht er durch technologische Veränderungen neue langfristige Chancen. Seine zentrale Botschaft bleibt jedoch: Die größten Risiken müssen nicht dort entstehen, wo die Kurse am stärksten gestiegen sind. Der nächste Schock könnte diesmal vom Bondmarkt kommen. (jk)

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