Die Stimmung unter globalen Fondsmanagern bleibt optimistisch, die Investitionsquote hoch. Gleichzeitig bewegt sich ein zentraler Sentimentindikator bereits im kritischen Bereich – und erste Umschichtungen deuten auf eine wachsende Vorsicht hin.
16.06.2026 | 16:00 Uhr
Die Fondsmanagerumfrage der Bank of America für Juni zeigt weiterhin ein robustes Stimmungsbild der Profianleger. Trotz leichter Eintrübung bleiben Investoren mehrheitlich positiv gestimmt und setzen unverändert stark auf Risikoanlagen. Der Stimmungsindikator der Umfrage signalisiert zwar einen moderaten Rückgang gegenüber dem Vormonat, bewegt sich aber weiterhin auf hohem Niveau. 172 Teilnehmer mit einem Anlagevolumen von 465 Milliarden US-Dollar nahmen an der Umfrage teil..
Auffällig ist, dass die durchschnittliche Cashquote leicht gestiegen ist. Nach 3,9 Prozent im Mai halten Fondsmanager nun 4,1 Prozent ihrer Assets in Liquidität, was zwar eine minimale Entspannung darstellt, im historischen Vergleich aber weiterhin als niedrig gilt. Gleichzeitig haben Investoren ihre Aktienübergewichtung reduziert. Der Anteil derjenigen, die Aktien übergewichten, ist von 50 auf 38 Prozent gefallen, womit die Positionierung zwar etwas vorsichtiger, aber weiterhin klar offensiv bleibt.

Die Kombination aus niedrigen Cashbeständen und weiterhin hoher Aktienquote spricht dafür, dass die Investoren insgesamt stark engagiert bleiben. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Bereitschaft, Gewinne mitzunehmen und Risiken selektiv zu reduzieren. Diese Entwicklung passt zu einer Marktphase, in der die Rally fortgeschritten ist, ohne bereits in ein klares finales Übertreibungsstadium überzugehen.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf den sogenannten Bull-&-Bear-Indikator der Bank of America. Dieser ist im Juni auf 8,9 gestiegen und liegt damit oberhalb der Schwelle, die traditionell als Verkaufssignal interpretiert wird. Historisch betrachtet signalisiert ein derart hoher Wert eine übermäßig optimistische Positionierung, die den Markt anfällig für Korrekturen macht. Gleichzeitig weist die Bank darauf hin, dass ein endgültiger Höhepunkt typischerweise erst durch extreme Entwicklungen bei Anleihen oder eine deutlich übersteigerte makroökonomische Euphorie begleitet wird, was derzeit noch nicht in vollem Ausmaß zu beobachten ist.
Auch das konjunkturelle Bild bleibt stabil, ohne in Euphorie umzuschlagen. Die Erwartungen für globales Wachstum und Unternehmensgewinne haben sich gegenüber dem Vormonat verbessert und liegen auf dem höchsten Stand seit drei Monaten. Dennoch bewegen sich die Werte nicht in einem Bereich, der als überhitzt gelten würde. Ein großer Teil der Investoren geht weiterhin von einem moderaten Konjunkturverlauf aus. 47 Prozent rechnen mit einer weichen Landung der Weltwirtschaft, während 40 Prozent sogar davon ausgehen, dass ein Abschwung komplett vermieden werden kann. Nur eine kleine Minderheit erwartet eine harte Rezession.

Parallel dazu hat sich die geldpolitische Einschätzung spürbar verändert. Immer mehr Fondsmanager rechnen mit steigenden Zinsen. Der Anteil derjenigen, die mindestens eine Leitzinserhöhung im kommenden Jahr erwarten, ist deutlich auf 40 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Unterstützung durch die Geldpolitik weniger stark ausfallen könnte als zuvor angenommen, was die Märkte anfälliger für Rückschläge macht.
Bei den größten Risiken hat sich der Fokus ebenfalls verschoben. Die Sorge vor einer zweiten Inflationswelle steht inzwischen klar an erster Stelle und wird von 34 Prozent der Investoren als wichtigstes Tail-Risiko bezeichnet. Gleichzeitig gewinnt die Angst vor einer Überbewertung im KI-Sektor an Bedeutung und erreicht 28 Prozent. Die Einschätzung geopolitischer Risiken ist dagegen deutlich zurückgegangen.

Im Zusammenhang mit dem KI-Boom zeigt sich eine zunehmend kritische Haltung. Mehr als die Hälfte der Investoren ordnet KI-Aktien aktuell der Boomphase zu, während ein wachsender Anteil bereits von einer Übertreibungsphase spricht. Diese Einschätzungen spiegeln sich auch in der Positionierung wider, die in einigen Bereichen extreme Werte erreicht hat.
Besonders deutlich wird dies beim Thema Halbleiter. Vier von fünf Fondsmanagern sehen „Long globale Halbleiter“ als den am stärksten überfüllten Trade, was einen historischen Höchststand in der Umfrage darstellt. Gleichzeitig reduzieren Investoren ihre Übergewichtung im Technologiesektor insgesamt, was auf eine vorsichtigere Haltung gegenüber zuvor dominierenden Marktsegmenten hinweist.

Auch regional verschieben sich die Präferenzen. Europäische Aktien werden inzwischen so stark untergewichtet wie seit Ende 2024 nicht mehr, während Japan, Banken und Rohstoffe stärker nachgefragt werden. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Anleger beginnen, ihre Portfolios breiter aufzustellen und sich nicht mehr ausschließlich auf die bisherigen Gewinnersegmente zu konzentrieren.

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