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BofA-Umfrage: Fondsmanager werden optimistischer für Europas Aktien

Fondsmanager sind optimistisch (Bild: KI)
Umfrage

Europas Fondsmanager blicken zunehmend zuversichtlich auf die Konjunktur und Aktienmärkte. 97 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten keine Rezession. Gleichzeitig rechnen die Anleger mit einem „Higher for longer“-Zinsumfeld und halten so viel Cash wie seit Anfang 2023 nicht mehr.

19.08.2026 | 12:15 Uhr

Die Stimmung unter europäischen Fondsmanagern hat sich weiter aufgehellt. 97 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden zwölf Monaten keine Rezession in Europa. Das ist der höchste Wert seit 2007, wie aus der aktuellen europäischen Fondsmanagerumfrage der Bank of America (BofA) hervorgeht. Gleichzeitig bleibt die Zuversicht von Vorsicht geprägt. Denn obwohl die Fondsmanager mit steigenden Unternehmensgewinnen und weiteren Kursgewinnen europäischer Aktien rechnen, halten sie einen ungewöhnlich hohen Anteil ihres Portfolios in Cash. 

Fondsmanager erwarten „Higher for longer“ 

Ein wesentlicher Grund für die vorsichtige Positionierung ist die Einschätzung zur Geldpolitik. 65 Prozent der europäischen Investoren erwarten in den kommenden Monaten ein „Higher-for-longer“-Zinsumfeld. Im Vormonat waren es lediglich 23 Prozent. Auch bei den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen die meisten Befragten nicht mit einer schnellen weiteren Lockerung. 56 Prozent erwarten, dass der EZB-Einlagensatz in zwölf Monaten höher liegen wird. Weitere 24 Prozent rechnen mit unveränderten Zinsen. Damit bleibt die Inflation ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. 

41 Prozent der Fondsmanager sehen einen Energiepreisschock und neuen Inflationsdruck als größtes Abwärtsrisiko für die globale Konjunktur. Auf der positiven Seite stehen dagegen sinkende Energiepreise und eine nachlassende Inflation: 53 Prozent sehen darin den wichtigsten positiven Wachstumsfaktor. 

Hohe Cash-Quote trotz Aktienoptimismus 

Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen der positiven Markteinschätzung und der hohen Liquidität. Netto 42 Prozent der europäischen Fondsmanager sind bei Cash übergewichtet. Damit erreicht der Wert den höchsten Stand seit Februar 2023. Gleichzeitig erwarten netto 53 Prozent der Befragten in den kommenden ein bis drei Monaten steigende europäische Aktienkurse. Für die kommenden zwölf Monate sehen die Fondsmanager im Durchschnitt ein Kurspotenzial von 5,7 Prozent. Im Juli waren es noch 6,3 Prozent. Die Zurückhaltung dürfte auch mit den möglichen Risiken für die Aktienmärkte zusammenhängen. 41 Prozent sehen eine restriktivere Reaktion der Zentralbanken auf überraschend hohe Inflationsraten als wahrscheinlichsten Auslöser einer Korrektur.

Unternehmensgewinne sollen Europas Aktien treiben 

Den wichtigsten Grund für weitere Kursgewinne sehen die Fondsmanager allerdings nicht in einer höheren Bewertung der Aktien, sondern bei den Unternehmensgewinnen. 76 Prozent erwarten, dass Gewinnrevisionen nach oben der wichtigste Treiber für weitere Kurssteigerungen europäischer Aktien sein werden. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Befragten im Durchschnitt mit einem Anstieg der erwarteten europäischen Gewinne je Aktie um 7,4 Prozent. Als wichtigste Treiber für die Gewinne gelten Umsatz- beziehungsweise Volumenwachstum, das 41 Prozent der Befragten nennen, sowie Kostendisziplin mit 29 Prozent. 

Auch im internationalen Vergleich verbessert sich die Wahrnehmung Europas. 47 Prozent der europäischen Fondsmanager erwarten, dass europäische Aktien die US-Märkte in den kommenden zwölf Monaten übertreffen werden. Nur 26 Prozent rechnen mit einer Outperformance der USA.

Banken und Industrie gefragt 

Bei der Sektorallokation setzen die Fondsmanager vor allem auf Banken und Industrieunternehmen. Banken bleiben der am stärksten bevorzugte Sektor und sind zugleich der größte Konsens-Überhang. 32 Prozent der Befragten erwarten, dass Financials im kommenden Jahr der beste europäische Sektor sein werden. Auch Industriewerte konnten deutlich an Beliebtheit gewinnen. Gleichzeitig verbessert sich die Stimmung gegenüber Small Caps: Netto 21 Prozent erwarten, dass kleinere Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten besser abschneiden als Large Caps. Damit ist die Einschätzung erstmals seit Februar wieder positiv. 

Frankreich und Autoaktien werden gemieden 

Auf der Verliererseite stehen dagegen vor allem Autoaktien. Der Sektor ist laut Umfrage der am stärksten untergewichtete und zugleich am niedrigsten bewertete Bereich. Netto 47 Prozent der europäischen Fondsmanager sind bei Autowerten untergewichtet. Auch Frankreich steht bei den Anlegern nicht hoch im Kurs. Mit einem Netto-Wert von minus 56 Prozent ist Frankreich der am wenigsten bevorzugte europäische Aktienmarkt – und erreicht damit den niedrigsten Wert in der Geschichte der Umfrage. Spanien führt dagegen mit einem Netto-Wert von plus 24 Prozent, gefolgt von Deutschland mit plus 18 Prozent. 

Energieaktien werden trotz ihrer Bedeutung für die Inflations- und Wachstumsperspektiven ebenfalls gemieden. Netto 18 Prozent der Befragten sind bei dem Sektor untergewichtet. KI-Boom wird differenziert betrachtet Auch beim Thema künstliche Intelligenz zeigen sich die Fondsmanager zurückhaltend. 47 Prozent halten den positiven KI-Effekt auf Aktien bereits für angemessen eingepreist. 26 Prozent sehen dagegen noch wenig davon in den Kursen, während 18 Prozent der Ansicht sind, die KI-Rally sei bereits zu weit gelaufen. 

Optimistisch, aber vorsichtig positioniert

Für die europäischen Aktienmärkte ergibt sich damit ein insgesamt konstruktives, aber keineswegs euphorisches Bild. Die Fondsmanager erwarten steigende Unternehmensgewinne und weitere Kursgewinne, sichern sich gleichzeitig aber mit hohen Cash-Beständen gegen Risiken ab. Die zentrale Botschaft der BofA-Umfrage lautet damit: Europas Anleger werden optimistischer – bleiben bei der Positionierung aber vorsichtig. (jk)

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