Die Stimmung unter globalen Fondsmanagern ist laut der BofA Global Fund Manager Survey so bullish wie seit Monaten nicht mehr. Die Risikobereitschaft erreicht Extremwerte.
15.07.2026 | 13:45 Uhr
Die aktuelle Umfrage unter 210 Fondsmanagern mit einem verwalteten Vermögen von 555 Milliarden US-Dollar offenbart einen Stimmungsumschwung. Rekordverdächtige 54 Prozent erwarten für die kommenden zwölf Monate keinen wirtschaftlichen Rückschlag mehr, während weitere 39 Prozent ein „weiche Landung“ prognostizieren. Nur zwei Prozent befürchten eine harte Rezession.
Der Optimismus spiegelt sich auch in der Aktienquote wider: So haben die Fondsmanager die Übergewichtung von US-Aktien auf den höchsten Stand seit Dezember 2024 angehoben, während die durchschnittliche Cash-Quote auf nur noch 3,6 Prozent gesunken ist – ein Wert, der laut BofA historisch ein Verkaufssignal darstellt.
Grafik: Entwicklung der Cash-Quoten

Der BofA Bull & Bear Indicator steigt auf 9,4 und zeigt damit ein extremes Niveau an. Die Erfahrung lehrt: Derart hohe Stimmungswerte gelten traditionell als Warnsignal, denn sie machen den Markt anfällig für negative Überraschungen. Historisch betrachtet wurden bei ähnlich niedrigen Cash-Quoten im Schnitt fallende Aktienkurse in den Folgemonaten registriert – während sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen zulegten.
Ein Großteil der Befragten sieht das Thema künstliche Intelligenz weiterhin als größte Chance, aber auch als das dominierende Risiko. 82 Prozent nennen „Long globale Halbleiteraktien“ als den meist überlaufenen Trade. Gleichzeitig sehen 45 Prozent die Bildung einer „KI-Blase“ als größten Tail-Risk für die Märkte an, gefolgt von einer zweiten Inflationswelle. Bei der Frage, ob KI-Aktien bereits in einer Blase notieren, antworten jedoch 48 Prozent mit „Nein“ – die Euphorie ist also noch nicht am Kipppunkt.
Grafik: KI-Blase als meistgenanntes Marktrisiko

Die Fondsmanager übergewichten so stark wie seit 2024 nicht mehr amerikanische Aktien, während britische Titel auf den tiefsten Stand seit August 2020 gefallen sind. Besonders defensive Sektoren wie Konsumgüter werden so stark untergewichtet wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Erstmals seit 2017 erwarten die Fondsmanager zudem, dass Aktien mit niedrigen Dividendenrenditen besser abschneiden werden als klassische Dividendentitel.
Grafik: Titel mit niedrigen Dividendenrenditen bevorzugt

Im Zusammenhang mit dem KI-Boom zeigt sich eine zunehmend kritische Haltung. Mehr als die Hälfte der Investoren ordnet KI-Aktien aktuell der Boomphase zu, während ein wachsender Anteil bereits von einer Übertreibungsphase spricht. Diese Einschätzungen spiegeln sich auch in der Positionierung wider, die in einigen Bereichen extreme Werte erreicht hat.
Besonders deutlich wird dies beim Thema Halbleiter. Vier von fünf Fondsmanagern sehen „Long globale Halbleiter“ als den am stärksten überfüllten Trade, was einen historischen Höchststand in der Umfrage darstellt. Gleichzeitig reduzieren Investoren ihre Übergewichtung im Technologiesektor insgesamt, was auf eine vorsichtigere Haltung gegenüber zuvor dominierenden Marktsegmenten hinweist.

Auch makroökonomisch herrscht Zuversicht: Die Erwartungen an das globale Wachstum erreichen ein 5-Monats-Hoch. Gleichzeitig ist die Inflationsangst eingebrochen – netto gehen nur noch 4 Prozent der Fondsmanager von steigenden Preisen aus, gegenüber 45 Prozent im Vormonat. Eine große Mehrheit glaubt außerdem, dass die US-Notenbank bis zu den Präsidentschaftswahlen keine weitere Zinserhöhung vornehmen wird.
Grafik: Erwartungshaltung zur US-Notenbank

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