Die Börsen zeigen sich trotz geopolitischer Spannungen und steigender Renditen erstaunlich robust. Harald Fischer, Fondsmanager bei der TOP Vermögen AG, sieht deshalb gute Chancen für eine Fortsetzung der Sommerrally. Gleichzeitig warnt er vor Risiken durch mögliche Yen-Carry-Trades und hält China-Aktien weiterhin für attraktiv. Sportaktien profitieren seiner Einschätzung nach dagegen nur bedingt von Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft.
03.08.2026 | 14:15 Uhr von «Jörn Kränicke»
Die Kapitalmärkte überraschen 2026 mit einer bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit. Weder der Nahostkonflikt noch steigende Inflationserwartungen oder die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der Notenbanken konnten die Aktienmärkte bislang nachhaltig bremsen. Für Harald Fischer, Vorstand der TOP Vermögen AG, spricht vieles dafür, dass die Aufwärtsbewegung zunächst anhält.
„Die Börsen scheinen zinsresistent zu sein und steigen sogar in Europa auf neue Allzeithochs“, sagt Fischer. Unterstützt werde die Entwicklung durch steigende Gewinnerwartungen der Unternehmen und eine weiterhin moderate Stimmung unter den Anlegern. Aus seiner Sicht dürfte die Sommerrally deshalb noch nicht beendet sein. Auch für den US-Aktienmarkt zeigt er sich bis zu den Zwischenwahlen optimistisch. Gleichzeitig erwartet Fischer, dass geopolitische Entwicklungen die Stimmung an den Börsen auch in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen werden.
An den Rentenmärkten rechnet Fischer kurzfristig nicht mit einer grundlegenden Trendwende. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank agierten derzeit ausgesprochen datenabhängig. Nach dem Wechsel an der Spitze der Fed habe sich die amerikanische Notenbank zunächst für eine Zinspause entschieden. Ob sie dem politischen Druck von US-Präsident Donald Trump dauerhaft standhalten könne, bleibe jedoch abzuwarten.
Auch die EZB dürfte nach ihrer jüngsten Zinspause zunächst die Entwicklung von Inflation und Konjunktur beobachten. Fischer hält allerdings einen weiteren Zinsschritt nach der Sommerpause für möglich.
Steigende Inflationserwartungen spiegelten sich bereits in den höheren Renditen an den Anleihemärkten wider. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten verschärfen und die Energiepreise erneut deutlich steigen, könnten auch die Renditen weiter anziehen.
Ein besonderes Augenmerk richtet Fischer auf den japanischen Yen. Über Jahre hinweg konnten Investoren von sogenannten Yen-Carry-Trades profitieren: Sie verschuldeten sich günstig in Yen und investierten das Kapital in höher verzinste Währungen wie US-Dollar oder Euro.
Steigen die Zinsen in Japan jedoch weiter, könnte sich dieses Geschäft umkehren. Anleger müssten ihre Positionen auflösen, wodurch der Yen aufwerten und gleichzeitig Verkaufsdruck auf andere Anlageklassen entstehen könnte. Ein solcher Prozess könne die internationalen Kapitalmärkte deutlich belasten.
Während viele Investoren China in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt hatten, sieht Fischer inzwischen wieder Chancen. Zwar sei noch offen, ob die jüngste Erholung nachhaltig oder lediglich das Ergebnis staatlicher Stützungsmaßnahmen sei. Dennoch spreche einiges für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung.
Die chinesische Wirtschaft wachse mit rund fünf Prozent weiterhin solide. Hinzu komme die Entspannung im Zollkonflikt mit den USA. Aus Sicht der TOP Vermögen AG ist der chinesische Aktienmarkt nach wie vor unterbewertet. Deshalb hält das Haus an seinen Positionen fest und erwartet im zweiten Halbjahr weitere Kurssteigerungen.
Auch der Einfluss sportlicher Großereignisse auf die Börse wird nach Ansicht Fischers häufig überschätzt. Zwar hätten sich einzelne Sportartikelhersteller zuletzt erholt. So profitierte Adidas nach starken Quartalszahlen deutlich, während Puma vor allem von dem Einstieg des chinesischen Sportartikelherstellers Anta Sports profitierte.
Langfristige Analysen der TOP Vermögen AG zeigen jedoch, dass Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele allein keine Kursgaranten sind. Vielmehr hängt die Entwicklung der Branche vom allgemeinen Börsenumfeld ab. In Krisenjahren entwickeln sich Sportaktien häufig sogar schwächer als der Gesamtmarkt. Zudem entstünden den Herstellern rund um Großereignisse erhebliche Marketing- und Sponsoringkosten, die einen Teil der zusätzlichen Umsätze wieder aufzehren.
Wenig überzeugt zeigt sich Fischer von klassischen Mischfonds. Die Kombination aus steigenden Renditen am Anleihemarkt und rückläufigen Edelmetallpreisen habe 2026 viele Strategien ausgebremst. Die TOP Vermögen AG verzichtet deshalb in der Vermögensverwaltung vollständig auf Mischfonds und setzt stattdessen auf eine direkte Allokation der einzelnen Anlageklassen.
Mit dem bisherigen Verlauf des Börsenjahres zeigt sich Fischer zufrieden. Die Strategie der TOP Vermögen AG setze bewusst auf eine ausgewogene Mischung defensiver und wachstumsorientierter Themen. Investments in erneuerbare Energien, Klima- und Wasserunternehmen sorgten in turbulenten Marktphasen für Stabilität. Wachstumsimpulse lieferten dagegen Engagements in Japan, China, Robotik und globalen Technologieunternehmen.
Größere Veränderungen im Portfolio plant Fischer derzeit nicht. Das Haus wolle die Entwicklung aufmerksam verfolgen und gegebenenfalls erst in der Schlussphase des Jahres nachjustieren. Angesichts der weiterhin positiven Markteinschätzung sieht die TOP Vermögen AG dafür aktuell jedoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.
| Rang | Vermögensverwalter | Perf. 2026 |
|---|---|---|
| 1 | Zindstein Vermögensverwaltung GmbH | 15,58% |
| 2 | Urban & Kollegen | 11,73% |
| 3 | Fonds Laden | 11,39% |
| 4 | SJB FondsSkyline | 11,30% |
| 5 | Nordproject | 10,37% |
| 6 | Source for Alpha | 8,97% |
| 7 | Oberbanscheidt | 8,77% |
| 8 | Performance AG | 8,50% |
| 9 | Top Vermögen | 8,12% |
| 10 | ALPS Family Office | 7,62% |
| 11 | Plutos Vermögensverwaltung | 6,97% |
| 12 | HOPPE VermögensBetreuung | 6,52% |
| 13 | QBS Invest | 5,96% |
| 14 | FONDS & MORE GmbH | 5,46% |
| 15 | Acatis | 4,91% |
| 16 | Bank für Vermögen | 4,67% |
| 17 | Greiff Capital | 4,25% |
| 18 | Plan F | 3,49% |
| 19 | FIVV AG | 3,42% |
| 20 | VALEXX AG | 1,72% |
| 21 | Höng Wealth Management | 1,51% |
| 22 | Bayerische Vermögen Management | -3,15% |

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