
Für Vermögenseigner ist die zentrale Frage, wo und wie aktive Strategien am effektivsten sein können.
16.06.2026 | 06:10 Uhr
Aktienanleger stehen in einem neuen Marktumfeld vor enormen
Herausforderungen für ihre Allokationsstrategien. Die Marktkonzentration
ist stark gestiegen, die Bewertungen sind in Teilen des Marktes auf
Rekordhöhen geklettert und die Faktorvolatilität hat die Erträge
dominiert. Diese Dynamik hat viele aktive Strategien, insbesondere bei
US-amerikanischen und globalen Standardwerten, vor Herausforderungen
gestellt.
Dennoch glauben wir, dass aktives Management dabei helfen kann, genau
diese Herausforderungen zu bewältigen. Chancen bestehen weiterhin dort,
wo die Streuung hoch ist, Benchmarks weniger konzentriert sind und sich
unter der Oberfläche fundamentale Veränderungen vollziehen. Weil jedoch
Technologie und KI Informationen zunehmend zugänglich machen glauben
wir, dass aktive Strategien ihre Prozesse anpassen müssen, um eine
stabile relative Performance zu erzielen.
Der Wandel hin zu passiven Portfolios ist verständlich. Gleichzeitig
sind wir der Ansicht, dass vereinfachte Allokationsentscheidungen
Risiken bergen. Anstatt also eine binäre Wahl zwischen passiv und aktiv
zu treffen, sollten Vermögenseigner unserer Ansicht nach fragen: Wo, wie
und unter welchen Bedingungen ist es am wahrscheinlichsten, dass aktive
Strategien einen Mehrwert liefern? Sie sollten überdenken, wie sie
aktives Aktienrisiko allokieren, ihr Anlageuniversum erweitern und auf
beständige, differenzierte Anlageprozesse setzen.
Die Konzentration am Aktienmarkt ist in den 2020er Jahren zu einem prägenden Merkmal für Anleger geworden. In den USA dominiert nun eine kleine Gruppe von KI-getriebenen Mega-Cap-Aktien die Indexgewichtungen, das Gewinnwachstum und die Volatilität. Diese Konzentration hat das Chancenspektrum für aktive Manager sowohl in US-amerikanischen als auch in globalen Portfolios verändert. Fundierte fundamentale Erkenntnisse reichen für Aktienportfolios einfach nicht aus, um Schritt zu halten, wenn die Indexerträge hauptsächlich von einer kleinen Anzahl Aktien getrieben werden, und infolgedessen haben die meisten aktiven Manager von US-Standardwerten schlechter abgeschnitten (Abbildung).

Unterdessen sind traditionelle Ertrags treiber wie Substanz, Qualität und Momentum episodischer und instabiler geworden.
Die Faktordominanz hat schneller rotiert, was falsch positionierte
Portfolios hart bestraft und es aktiven Strategien erschwert, beständig
Überrenditen zu kumulieren.
Passive Portfolios werden oft als Allheilmittel angesehen. Sie sind
relativ kostengünstig, transparent und bieten eine Ausrichtung auf
hochkonzentrierte Benchmarks, die hohe Gesamterträge erzielt haben.
Doch der Wechsel zu passiven Anlagen ist nicht risikofrei. Er führt
typischerweise zu einer geringeren Diversifikation auf
Gesamtportfolioebene und einer erhöhten Anfälligkeit für Einzelmarkt-
und Einzelthemenrisiken. Mit anderen Worten, der Wechsel zu passiven
Anlagen beseitigt das Risiko nicht; er verpackt es nur neu.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da der Gegenwind für aktives Management nicht einheitlich war. Bei Nicht-US-Aktien, Schwellenländern und substanzorientierten Strategien sind die Benchmarks weniger konzentriert und die Ertragsstreuung deutlich höher (Abbildung).

Tatsächlich haben die aktiven Manager im Median und im obersten Quartil in Nicht-US-Märkten und Schwellenländern über Ein-, Drei- und Fünfjahreszeiträume starke relative Erträge gegenüber ihren Benchmarks erzielt (Abbildung). Diese Segmente haben von zwei strukturellen Rückenwinden profitiert. Erstens sind die Gewinnerholungen außerhalb der USA breiter ausgefallen. Zweitens hat die verbesserte Kapitaldisziplin bessere Aktionärserträge in Märkten wie Japan, Südkorea und China gefördert. Das bietet einen fruchtbaren Boden für aktive Manager, um Unternehmen mit attraktiven Fundamentaldaten zu identifizieren und diversifizierende Alpha-Quellen zu erschließen.

Für Vermögenseigner deutet das darauf hin, dass aktives Risiko am
besten selektiv eingesetzt wird, anstatt es gleichmäßig über die
Aktienallokationen zu verteilen. Unserer Meinung nach sollten Anleger in
Märkten, in denen Kompetenz spürbar mit besseren Portfolioergebnissen
belohnt wird, verstärkt auf aktives Management setzen.
Bedeutet das, dass man bei US-amerikanischen und globalen Aktien, die
für viele Vermögenseigner zu den Standardallokationen gehören, aktives
Management vermeiden sollte? Nicht unbedingt. Es gibt zahlreiche Belege
dafür, dass aktive Anlagestrategien auf US-amerikanischen und globalen
Märkten langfristig Ergebnisse erzielen können, und es gibt effektive
Wege, um für unterschiedliche Risikoneigungen Zugang zu diesen Märkten
zu erhalten. Darüber hinaus kehren Phasen der Fehlerträge oft zum
Mittelwert zurück und werden von starken relativen Erträgen abgelöst,
wie die jüngste Erholung von Substanz- und Schwellenmärkten zeigt.
Eine der deutlichsten Lehren der letzten Jahre ist, dass die Art und
Weise, wie Risiko eingegangen wird, genauso wichtig ist wie die Höhe des
eingegangenen Risikos. In konzentrierten Märkten wurde die Abweichung
von einer Benchmark – das Markenzeichen des aktiven Investierens –
risikobehaftet. Deshalb wurden Strategien mit hohem Tracking Error nicht
durchgängig belohnt, während kontrolliertere Ansätze oft
vorhersehbarere Ergebnisse geliefert haben.
Infolgedessen sollten Vermögenseigner aktive Risikobudgets genauer prüfen, indem sie die folgenden Fragen stellen:
Die Antworten auf diese Fragen können Anlegern helfen, die für ihre Ziele am besten geeigneten Strategien zu finden.
Strategien mit geringerem Tracking Error
und klaren Alpha-Zielen können für Resilienz sorgen, insbesondere in
konzentrierten Märkten. Derlei Strategien können für Anleger mit
kürzeren Anlagehorizonten wertvoll sein, da sie oft stabilere Ergebnisse liefern, wenn Stil- und Faktorerträge schwanken.
Hochaktive Strategien (High Conviation) spielen in der Allokation nach
wie vor eine Rolle, insbesondere für Anleger mit höherer Risikotoleranz
und längerem Anlagehorizont. Es ist wahr, dass einige Portfolios mit
höherem Tracking Error, die auf Style-Investing-Philosophien basieren,
in konzentrierten Märkten zu kämpfen hatten. Dennoch sind wir der
Ansicht, dass fähige Manager im Laufe der Zeit weiterhin in der Lage
sind, Alpha zu erzielen, wie wir bei der jüngsten starken Erholung von
Substanz-Aktienstrategien gesehen haben. Allerdings müssen
Vermögenseigner sorgfältig abwägen, wie diese Art von Strategien in ihre
langfristigen Allokationen passen. Portfoliokonstruktion,
Risikomanagement und die Anpassungsfähigkeit einer Strategie werden den
zukünftigen aktiven Erfolg in einer veränderten Marktlandschaft neu
definieren.
Das weist auch auf eine umfassendere Lektion für Vermögenseigentümer hin: In komplexeren Märkten hängt der langfristige Erfolg nicht nur von Überzeugungen oder Stil-Exposures ab, sondern davon, wie konsequent Erkenntnisse in Portfolioentscheidungen umgesetzt werden. Dadurch entsteht ein größer Fokus auf integrierte Anlagesysteme – Prozesse, die Research, Risikomanagement und Portfoliokonstruktion auf disziplinierte, wiederholbare Weise kombinieren.
1. Klar definierte Standards für exzellentes Research
Fundiertes Research erfordert klare Standpunkte und eine
explizite Risikodarstellung, die artikulieren sollte, was wichtig ist,
warum es wichtig ist und was die These entkräften würde. Und wenn
Benchmarks von einer kleinen Anzahl von Aktien dominiert werden, können
Untergewichtungen genauso folgenreich sein wie Übergewichtungen.
Effektives Risikomanagement muss beides symmetrisch behandeln.
2. Integration von fundamentalen, quantitativen und KI-gestützten Erkenntnissen
Anlageprozesse, die rein fundamental oder rein quantitativ
sind, können zu eng gefasst sein. Quantitative Tools können die
Risikokontrolle, Signalvalidierung und Portfoliokonstruktion verbessern,
während die Fundamentalanalyse Kontext, Urteilsvermögen und Überzeugung
liefert. KI schärft beide Dimensionen, indem sie die Research-Effizienz steigert und die analytische Bandbreite erweitert.
3. Kontinuierliche Verbesserung, angetrieben durch Daten- und Entscheidungsanalysen
Märkte entwickeln sich weiter und das müssen auch
Anlageprozesse. Die datengesteuerte Bewertung von Entscheidungen,
Positionsgrößen und Timing hilft dabei, Können von Rauschen zu
unterscheiden, und ermöglicht es Teams, zyklusübergreifend systematisch
aus Ergebnissen zu lernen.
Für Vermögenseigner ist die Beurteilung, ob Manager diese Fähigkeiten
institutionalisiert haben, genauso wichtig wie die Überprüfung der
jüngsten Performance. Robuste Systeme erhöhen die Wahrscheinlichkeit,
dass die Performance wiederholt und bei sich ändernden Marktbedingungen
angepasst werden kann.
Im heutigen Umfeld sollten Vermögenseigner bei der Allokation in aktive Aktien mehrere Leitprinzipien berücksichtigen:

Aktive Aktien sollten als Portfolioinstrument dienen, nicht als philosophisches Bekenntnis. Ihre Rolle besteht darin, risikobereinigte Ergebnisse zu verbessern, Ertragsquellen zu diversifizieren und unbeabsichtigte Konzentrationen zu mindern, die durch passive Allokationen entstehen.
Die Zukunft aktiver Aktien gehört nicht denjenigen mit der lautesten Überzeugung oder den komplexesten Modellen. Sie gehört Anlagesystemen, die menschliches Urteilsvermögen mit analytischer Disziplin verbinden, sich an sich wandelnde Märkte anpassen und für Kundenergebnisse verantwortlich bleiben. Für Vermögenseigner bedeutet dies, aktive Portfolios gezielter einzusetzen. Durch die Konzentration darauf, wo aktives Management strukturelle Vorteile bietet, das Bestehen auf robusten Prozessen und die Ausrichtung der Allokationen an den heutigen Marktrealitäten werden Vermögenseigner neue Wege entdecken, wie aktive Aktienstrategien die Widerstandsfähigkeit von Portfolios langfristig verbessern können.
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