• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

ALPS Family Office: „Mega-IPOs werden zum Liquiditätstest für die Aktienmärkte“

Gökhan Kula
Asset Allocation

Die Rekordjagd an den Aktienmärkten geht weiter, doch nicht jeder Investor traut der Rallye. Für Gökhan Kula vom ALPS Family Office sind die bevorstehenden Mega-Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI ebenso ein Gradmesser für die Liquidität an den Kapitalmärkten wie die Entwicklung von Inflation, Zinsen und Geopolitik.

24.06.2026 | 14:00 Uhr

Die anstehenden Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI könnten nach Einschätzung von Gökhan Kula erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Einen Teil dieses Effekts habe man möglicherweise bereits gesehen. Die Liquidierungen am Kryptomarkt sowie die jüngste Schwäche des Nasdaq und einzelner KI- und Halbleiterwerte könnten darauf hindeuten, dass Anleger Gewinne realisiert hätten, um Kapital für die bevorstehenden Neuemissionen freizumachen.

Für Kula sind die milliardenschweren Börsengänge deshalb vor allem ein Liquiditätstest für den gesamten Aktienmarkt. Angesichts der Rekordbewertungen vieler US-Technologiekonzerne erscheine der Zeitpunkt für bestehende Eigentümer attraktiv, Anteile zu verkaufen. Aus Investorensicht sei bei den derzeitigen Bewertungen jedoch Vorsicht angebracht, da bereits sehr viele positive Erwartungen eingepreist seien, die operativ erst noch erfüllt werden müssten.

Für den Sommer bleibt das Umfeld anspruchsvoll

Auch für den weiteren Verlauf des Börsenjahres 2026 erwartet ALPS Family Office ein herausforderndes Umfeld. Positiv bewertet Kula zwar weiterhin Sachwerte wie cashflowstarke Qualitätsaktien, Gold und Rohstoffe, da er von einem anhaltenden Inflationsumfeld ausgeht. Kurzfristig seien jedoch insbesondere im Technologiesektor bereits viele positive Erwartungen in den Kursen enthalten.

Vor allem die Bewertungen von KI-Unternehmen, Halbleiterherstellern und den großen Technologiekonzernen ließen wenig Spielraum für Enttäuschungen. Gleichzeitig blieben geopolitische Spannungen, Inflationsrisiken und Unsicherheiten über den weiteren Kurs der Notenbanken bestehen.

Für die Sommermonate rechnet Kula daher mit einem schwierigeren Aktienmarktumfeld. Zum Jahresende hält er neue Höchststände allerdings weiterhin für möglich. Entsprechend sei das Portfolio derzeit bewusst defensiver ausgerichtet, um im weiteren Jahresverlauf wieder offensiver agieren zu können.

Schwellenländer bleiben attraktiv

Neben den USA sieht Kula insbesondere in Schwellenländern weiteres Potenzial. Zwar sei die diesjährige Outperformance vieler asiatischer Märkte stark von einzelnen Halbleiterunternehmen wie Samsung, SK Hynix oder TSMC getragen worden. Dennoch böten Schwellenländer auch jenseits dieser Technologiewerte strukturelle Chancen.

Im Vergleich zu den hoch bewerteten US-Märkten sprächen günstigere Bewertungen, bessere demografische Perspektiven und höhere Wachstumsaussichten für eine stärkere regionale Diversifikation. Bei den besonders stark gestiegenen Halbleiterwerten würde Kula dagegen eher Teilgewinne realisieren, da auch dort bereits viel Optimismus eingepreist sei.

Anleihen bleiben schwierig

Zurückhaltend zeigt sich der Vermögensverwalter dagegen bei klassischen Rentenanlagen. Trotz wieder attraktiver Kupons bleibe das Umfeld für nominale Anlagen anspruchsvoll. Inflation und expansive Fiskalpolitik stellten weiterhin erhebliche Belastungsfaktoren dar.

Besonders lange Laufzeiten sieht Kula kritisch, da steigende Inflationserwartungen oder eine zunehmende Staatsverschuldung erneut Druck auf die Renditen ausüben könnten. Stattdessen bevorzugt ALPS Family Office Unternehmensanleihen hoher Bonität mit kurzer Duration. In risikoreicheren Rentensegmenten sei das Haus aktuell nur sehr selektiv investiert.

Yen-Carry-Trade bleibt unterschätztes Risiko

Als potenziellen Risikofaktor für die globalen Kapitalmärkte bezeichnet Kula die Entwicklung des japanischen Yen. Der Yen spiele nach wie vor eine zentrale Rolle als Finanzierungswährung für internationale Risikoanlagen.

Sollten steigende japanische Zinsen oder eine deutliche Yen-Aufwertung zu einer Umkehr der Carry-Trade-Strategien führen, könnten weltweit gehebelte Positionen gleichzeitig aufgelöst werden. Dies hätte nach seiner Einschätzung das Potenzial, die Volatilität an den Märkten deutlich zu erhöhen und einen breiteren Risikoabbau auszulösen.

Für ALPS Family Office sei die Entwicklung des Yen daher nicht nur ein Währungsthema, sondern zugleich ein wichtiger Indikator für die globale Liquiditätslage.

Nahost-Konflikt bislang ohne nachhaltige Marktfolgen

Mit Blick auf den Militärschlag gegen den Iran sieht Kula die Finanzmärkte bislang erstaunlich gelassen. Zwar bleibe die Lage fragil, insgesamt scheine der Markt die Ereignisse bisher weitgehend verarbeitet zu haben.

Historisch seien stärkere Kursrückgänge infolge von Nahost-Konflikten häufig gute Einstiegsgelegenheiten gewesen, sofern es nicht zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung der Energieversorgung gekommen sei. Gleichzeitig zeige die aktuelle Situation erneut die Verwundbarkeit energieimportabhängiger Volkswirtschaften, insbesondere in Europa.

Gold bleibt für Kula deshalb ein strategischer Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios – gerade angesichts geopolitischer Unsicherheiten, hoher Staatsverschuldung und fragiler Währungen.

Small Caps mit Aufholpotenzial

Besonders optimistisch zeigt sich der Vermögensverwalter für Small Caps. Aufgrund historisch niedriger relativer Bewertungen traut Kula kleineren Unternehmen in den kommenden Jahren ein deutlich höheres Performancepotenzial zu als den großen Standardwerten.

Gerade angesichts der zunehmenden Konzentration der großen Aktienindizes auf wenige Technologieunternehmen sowie der bevorstehenden Mega-IPOs böten Small Caps eine attraktive Diversifikationsmöglichkeit. Voraussetzung sei allerdings ein breit gestreuter Qualitätsansatz, da nicht jeder günstig bewertete Nebenwert automatisch ein attraktives Investment darstelle.

Balance statt Einzelstars

Mit Blick auf die 1. Fondsliga zeigt sich Kula insgesamt zufrieden. Mit einer Wertentwicklung von 5,7 Prozent liege man zwar aktuell nur im Mittelfeld, habe jedoch bewusst auf breite Diversifikation statt auf Einzelwetten gesetzt.

Die stärksten Beiträge lieferten bislang Schwellenländeraktien, Small Caps und der MYRA US Equity Fund. Defensive Bausteine wie Anleihen, Gold, Cat Bonds und Mischfonds sorgten gleichzeitig für Stabilität. Für Kula steht deshalb nicht der einzelne Starspieler im Mittelpunkt, sondern die Ausgewogenheit des gesamten Portfolios – eine Strategie, die sich nach seiner Überzeugung im weiteren Jahresverlauf noch auszahlen könnte. „Wir sehen unsere Mannschaft gut aufgestellt, um im weiteren Jahresverlauf bei besseren Marktbedingungen offensiver zu agieren.“ (jk)

1. Fondsliga Teilnehmer 2026

Rang Team Perf. 2026
1 Zindstein Vermögensverwaltung GmbH 19,82%
2 SJB FondsSkyline 17,00%
3 HOPPE VermögensBetreuung 14,40%
4 Urban & Kollegen 11,73%
5 Oberbanscheidt 11,65%
6 Fonds Laden 11,17%
7 Nordproject 9,84%
8 Performance AG 8,51%
9 QBS Invest 8,40%
10 Plan F 8,22%
11 Top Vermögen 7,82%
12 Plutos Vermögensverwaltung 6,33%
13 FONDS & MORE GmbH 6,01%
14 ALPS Family Office 5,70%
15 Bank für Vermögen 5,52%
16 Source for Alpha 5,24%
17 Greiff Capital 5,17%
18 Acatis 3,50%
19 FIVV AG 3,41%
20 VALEXX AG 2,66%
21 Höng Wealth Management 2,65%
22 Bayerische Vermögen Management 2,60%
chart
chart

Diesen Beitrag teilen: