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„Dividendenstrategien sind heute mehr als eine reine Ertragsquelle“

Dmitrii Ponomarev, Produktmanager bei VanEck Europe
Dividenden

Die VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders ETF-Strategie feiert Jubiläum. Im Interview erklärt Dmitrii Ponomarev, Product Manager bei VanEck, warum Dividenden-ETFs zuletzt stark an Bedeutung gewonnen haben und weshalb Qualität wichtiger ist als eine hohe Dividendenrendite.

05.08.2026 | 14:00 Uhr von «Jörn Kränicke»

TiAM FundResearch: Herr Ponomarev, der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders ETF wird zehn Jahre alt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Dmitrii Ponomarev: Die Strategie wurde 2016 gemeinsam mit Morningstar entwickelt und verfolgt seit Beginn einen etwas anderen Ansatz als viele klassische Dividenden-ETFs. Unser Ziel war es, die größten und qualitativ hochwertigsten Dividendenzahler zu identifizieren. Heute ist der ETF mit einem Fondsvolumen von über acht Milliarden Euro eine der größten Dividendenstrategien Europas. Besonders beeindruckend war das Wachstum in den vergangenen drei bis vier Jahren.

Worauf führen Sie dieses starke Wachstum zurück?

Dividendenstrategien sind insgesamt deutlich populärer geworden. Während der Niedrigzinsphase suchten viele Anleger nach laufenden Erträgen als Alternative zu Anleihen. Heute spielen zwar wieder höhere Anleiherenditen eine Rolle, gleichzeitig ist bei Anleihen auch die Volatilität gestiegen. Viele Anleger nutzen Dividendenstrategien deshalb als defensiven Baustein im Portfolio. Hinzu kommt, dass Dividendenunternehmen häufig etablierte Geschäftsmodelle und bekannte Marken besitzen und damit Stabilität vermitteln. Dies ist jedoch so nicht garantiert und Dividendentitel bergen wie alle Aktien auch Risiken.

Wer investiert vor allem in Ihren Dividenden-ETF?

Unsere Analysen zeigen, dass ein großer Teil der Nachfrage aus Deutschland kommt. Der ETF ist in vielen Sparplänen vertreten und profitiert vom starken Wachstum des ETF-Sparens. Gleichzeitig sehen wir auch institutionelle Investoren, die gezielt nach einer wertorientierten Alternative zu klassischen Weltindizes suchen. Während Privatanleger vor allem Stabilität und regelmäßige Ausschüttungen schätzen, nutzen institutionelle Investoren die Strategie zur Diversifikation ihrer Aktienallokation.

Was unterscheidet Ihren ETF von anderen Dividendenstrategien?

Wir betrachten nicht allein die Dividendenrendite. Eine sehr hohe Rendite kann auch ein Warnsignal sein, wenn sie lediglich auf einen stark gefallenen Aktienkurs zurückzuführen ist. Deshalb kombinieren wir Dividendenrendite mit Dividendenwachstum und prüfen, ob Unternehmen ihre Ausschüttungen über mehrere Jahre kontinuierlich gesteigert haben. Ein weiterer Unterschied liegt in der Gewichtungsmethode. Wir gewichten die Unternehmen nicht nach Börsenwert oder Dividendenrendite, sondern nach der absoluten Dividendensumme, die sie ausgeschüttet haben. Dadurch erhalten große, etablierte Unternehmen ein höheres Gewicht und wir vermeiden eine Übergewichtung kleinerer Titel mit möglicherweise nicht nachhaltigen Dividenden.

Dividendenstrategien gelten häufig als banken- und energielastig. Wie gehen Sie damit um?

Diese Sektoren spielen naturgemäß eine wichtige Rolle, weil sie traditionell hohe Dividenden zahlen. Gleichzeitig begrenzen wir das Gewicht des Finanzsektors auf maximal 40 Prozent. Ohne diese Begrenzung läge der Anteil deutlich höher. Wir wollen die attraktiven Dividenden dieser Unternehmen nutzen, gleichzeitig aber Klumpenrisiken vermeiden.

Berücksichtigen Sie auch Aktienrückkäufe?

Nein. Für die Indexmethodik konzentrieren wir uns ausschließlich auf Dividendenzahlungen, weil diese deutlich transparenter und leichter vergleichbar sind. Natürlich profitieren viele Unternehmen im Portfolio zusätzlich von Aktienrückkäufen. Diese spiegeln sich letztlich in der Gesamtrendite wider, fließen aber nicht in die Titelauswahl ein.

VanEck hat kürzlich einen Dividenden-ETF ohne US-Aktien aufgelegt. Warum?

Viele Investoren wollten bewusst eine Strategie ohne US-Exposure. Gerade angesichts der gestiegenen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit in den USA war die Nachfrage nach einem reinen internationalen Dividendenportfolio groß. Europa spielt bei Dividenden traditionell eine stärkere Rolle als die USA, sodass sich dieser Ansatz gut umsetzen lässt.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für Dividendenaktien?

Wir geben keine Marktprognosen ab. Grundsätzlich investieren Anleger in Dividendenstrategien aber nicht, um in starken Haussephasen den Markt zu schlagen. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, in schwierigeren Marktphasen robuster zu sein. Historisch hat unsere Strategie in Abwärtsphasen deutlich geringere Verluste verzeichnet als der Gesamtmarkt. Deshalb sehen viele Investoren Dividenden-ETFs als stabilisierenden Baustein innerhalb eines breit diversifizierten Aktienportfolios. Allerdings ist jeder Marktzyklus anders und was in der Vergangenheit funktioniert hat, muss nicht unbedingt beim nächsten Marktschock funktioniert.

Wie entwickeln sich die Dividendenzahlungen derzeit?

Nach der Corona-Pandemie mussten viele Unternehmen ihre Ausschüttungen zunächst reduzieren. Im vergangenen Jahr haben wir beobachtet, dass einige Unternehmen aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten und der Zollthematik vorsichtiger geworden sind und ihre Dividenden langsamer erhöht haben. Insgesamt blieben die Ausschüttungen aber stabil.

Welches Argument spricht aus Ihrer Sicht heute am stärksten für Dividenden-ETFs?

Es geht längst nicht mehr nur um laufende Ausschüttungen. Dividendenunternehmen zeichnen sich häufig durch stabile Geschäftsmodelle, starke Marktpositionen und eine hohe Preissetzungsmacht aus. Gleichzeitig erhalten Anleger eine andere Sektorstruktur als in marktgewichteten Indizes, die heute stark von US-Technologieunternehmen dominiert werden. Ein Dividenden-ETF kann deshalb helfen, ein Aktienportfolio breiter aufzustellen und die Schwankungen zu reduzieren. Genau diese Kombination aus Stabilität, Qualität und Diversifikation macht Dividendenstrategien für viele Anleger heute besonders interessant.

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