Lange galten Dachfonds als schwerfällige Konstruktionen aus der Zeit vor ETFs und digitalen Vermögensverwaltungen. Doch die neue Dachfonds-Studie 2026 des Greiff Research Instituts zeigt: Das Segment wächst weiter – trotz Kostendebatte, ETF-Boom und zunehmendem Wettbewerb durch Multi-Asset-Lösungen. Gleichzeitig verändert sich der Markt tiefgreifend. Passive Produkte und alternative Strategien gewinnen an Bedeutung, während sich die Branche immer stärker konzentriert.
03.06.2026 | 09:00 Uhr
Die Zahlen sprechen zunächst eine klare Sprache. Das verwaltete Vermögen deutscher Dachfonds ist seit der Jahrtausendwende nahezu explosionsartig gewachsen. Lag das Volumen im Jahr 2000 noch bei rund 1,6 Milliarden Euro, verwalten Dachfonds inzwischen mehr als 210 Milliarden Euro. Parallel dazu stieg die Zahl der zugelassenen Produkte von gerade einmal zehn auf 735 Fonds. Einschließlich aller Anteilsklassen existieren mittlerweile sogar über 1.750 Tranchen.
Das allein ist bemerkenswert. Denn Dachfonds standen jahrelang unter Druck. Die Kritik war stets dieselbe: doppelte Gebühren, mangelnde Transparenz und häufig enttäuschende Performance. Die Studie zeigt jedoch, dass sich das Segment längst professionalisiert hat. Viele Anbieter setzen heute deutlich flexibler, internationaler und kosteneffizienter auf Multi-Manager-Ansätze als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren.
Besonders dominant sind inzwischen globale Mischstrategien. Mit einem Volumen von über 47 Milliarden Euro bilden „Global ausgewogen“-Dachfonds die größte Kategorie des Marktes. Dahinter folgen flexible globale Strategien sowie dynamische Multi-Asset-Fonds. Der Trend ist eindeutig: Anleger suchen keine starren Produkte mehr, sondern flexible Allokationslösungen, die aktiv auf Zinsen, Inflation und geopolitische Risiken reagieren können.
| Kategorie | Volumen | Verteilung |
|---|---|---|
| Dachfonds Global ausgewogen EUR | 47.237.943.733 € | 22,43% |
| Dachfonds Global flexibel EUR | 25.294.578.790 € | 12,01% |
| Dachfonds Global dynamisch EUR | 24.297.887.104 € | 11,54% |
| Dachfonds Global aktienorientiert Blend EUR | 19.576.949.099 € | 9,30% |
| Dachfonds Global defensiv EUR | 15.740.692.504 € | 7,48% |
| Dachfonds Allokation – Sonstige | 11.831.194.228 € | 5,62% |
| Dachfonds Europa ausgewogen EUR | 9.326.227.376 € | 4,43% |
| Dachfonds Europa defensiv EUR | 6.251.690.623 € | 2,97% |
| Dachfonds dynamisch EUR | 5.539.684.547 € | 2,63% |
| Dachfonds Alternativ – Sonstige | 4.170.380.045 € | 1,98% |
| Gesamt | 210.577.616.069 € | |
| Quelle: Greiff Research Institut |
Genau hier liegt die eigentliche Renaissance der Dachfonds. Nach Jahren ultralockerer Geldpolitik funktionieren klassische 60/40-Portfolios nicht mehr automatisch. Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ist instabiler geworden. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen, höhere Zinsen und starke Sektorrotationen für deutlich größere Unterschiede zwischen einzelnen Fonds und Assetklassen. Das eröffnet aktiven Dachfondsmanagern neue Chancen.
Auffällig ist dabei die zunehmende Institutionalisierung des Marktes. Die größten Anbieter dominieren inzwischen einen erheblichen Teil des gesamten Volumens. Marktführer ist DWS mit über 36 Milliarden Euro und einem Marktanteil von mehr als 17 Prozent. Dahinter folgen Deka, Feri, Mediolanum sowie internationale Häuser wie J.P. Morgan, Mercer oder UBS. Besonders interessant: Einige Anbieter verwalten enorme Volumina mit nur wenigen Produkten. Mercer etwa kommt mit nur einem Fonds auf mehr als neun Milliarden Euro. Das zeigt, wie stark institutionelle Mandate inzwischen das Segment prägen.
| KVG | Volumen | Marktanteil | Anzahl Dachfonds |
|---|---|---|---|
| DWS Investment | 36.317.465.606 € | 17,25% | 41 |
| Deka Vermögensmanagement | 13.980.126.418 € | 6,64% | 30 |
| Feri (Luxembourg) | 13.869.583.311 € | 6,59% | 14 |
| Mediolanum International Funds Limited | 12.375.344.319 € | 5,88% | 19 |
| Dimensional Ireland Limited | 10.082.912.098 € | 4,79% | 4 |
| JPMorgan Asset Management (Europe) | 10.072.932.203 € | 4,78% | 7 |
| Mercer Global Investments Management | 9.266.227.520 € | 4,40% | 1 |
| UBS Asset Management (Europe) | 4.952.763.595 € | 2,35% | 17 |
| Union Investment Privatfonds | 4.139.090.697 € | 1,97% | 7 |
| Generali Investments Luxembourg | 4.103.830.295 € | 1,95% | 10 |
| Rest | 91.417.340.008 € | 43,41% | 585 |
| Gesamtvolumen | 210.577.616.069 € | ||
| Quelle: Greiff Research Institut |
Die Studie offenbart aber noch eine zweite große Entwicklung: Dachfonds werden zunehmend hybrider. ETFs spielen eine immer größere Rolle in der Portfoliokonstruktion, ohne dass aktive Zielfonds verschwinden. Viele Manager kombinieren inzwischen passive Bausteine für effiziente Marktsegmente mit spezialisierten aktiven Strategien in weniger effizienten Bereichen. Der klassische Dachfonds entwickelt sich damit schrittweise zum taktischen Multi-Asset-Allocator.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung alternativer Strategien. Zwar ist das Segment „Alternatives Multi Strategien“ mit weniger als zwei Prozent Marktanteil noch vergleichsweise klein. Doch die zunehmende Suche nach unkorrelierten Renditequellen dürfte diesen Bereich weiter stärken. Gerade institutionelle Anleger suchen verstärkt nach Portfolios, die weniger abhängig von klassischen Aktien- und Rentenmärkten sind.
Interessant ist zudem die starke Konzentration auf globale Strategien. Europäische Dachfonds spielen nur noch eine Nebenrolle. Das dürfte auch Ausdruck einer strukturellen Schwäche Europas sein. Während die USA den Technologiesektor dominieren und Asien in zahlreichen Zukunftstechnologien aufholt, fehlt Europa häufig die Wachstumsdynamik. Entsprechend international positionieren sich auch die meisten Dachfondsmanager.
Die Studie macht allerdings auch deutlich, dass Größe nicht automatisch Qualität bedeutet. Deshalb analysiert Greiff nicht nur Volumina, sondern auch Kennzahlen wie Sharpe Ratio, Information Ratio und langfristige Renditen. Gerade in einem Umfeld höherer Volatilität dürfte die risikoadjustierte Performance wichtiger werden als reine Outperformance.
Bemerkenswert ist außerdem die methodische Tiefe der Untersuchung. Das Research basiert auf Daten von bis zu 735 Dachfonds und deren Zielfonds über einen Zeitraum von 25 Jahren. Analysiert werden nicht nur die Fonds selbst, sondern auch deren konkrete Portfoliozusammensetzung, Mittelzuflüsse, ESG-Klassifizierungen, Gebührenstrukturen und Zielfondsallokationen. Damit liefert die Studie einen selten detaillierten Blick hinter die Kulissen eines oft wenig beachteten Marktsegments.
| Kategorie | Aktien | Anleihen | Sonstige | Cash |
|---|---|---|---|---|
| Dachfonds Global flexibel EUR | 63,23% | 18,84% | 9,67% | 8,27% |
| Dachfonds Global ausgewogen EUR | 51,14% | 38,05% | 8,23% | 2,57% |
| Dachfonds Global defensiv EUR | 24,55% | 63,27% | 7,76% | 4,41% |
| Dachfonds Global dynamisch EUR | 74,64% | 14,52% | 6,65% | 4,19% |
| Dachfonds Global aktienorientiert Blend EUR | 90,79% | 0,78% | 4,30% | 4,13% |
| Dachfonds Europa defensiv EUR | 27,31% | 62,02% | 6,66% | 4,02% |
| Dachfonds ausgewogen USD | 48,65% | 36,94% | 4,24% | 10,17% |
| Dachfonds Alternatives Multi Strategien EUR | 20,97% | 17,49% | 42,37% | 19,17% |
| Dachfonds Europa ausgewogen EUR | 52,37% | 39,74% | 4,24% | 3,65% |
| Dachfonds Global aktienorientiert All-Cap EUR | 92,32% | 1,03% | 3,02% | 3,63% |
| Total | 53,15% | 32,78% | 10,24% | 3,82% |
| Quelle: Greiff Research Institut |
Die entscheidende Frage lautet nun: Können Dachfonds ihre Renaissance nachhaltig fortsetzen? Vieles spricht dafür. Gerade in einem zunehmend komplexen Kapitalmarktumfeld wächst der Bedarf nach professioneller Asset-Allokation. Die Zeiten, in denen passive Standardportfolios scheinbar mühelos funktionierten, dürften vorerst vorbei sein. Gleichzeitig müssen Dachfondsmanager beweisen, dass ihre zusätzlichen Kosten durch echte Diversifikation, Risikosteuerung und Mehrwert gerechtfertigt sind.
Die Branche steht damit an einem Wendepunkt. Dachfonds sind heute weit mehr als bloße „Fund of Funds“. Sie entwickeln sich zunehmend zu strategischen Steuerungsinstrumenten für globale Multi-Asset-Portfolios. Ob daraus ein dauerhaftes Comeback entsteht, wird davon abhängen, ob aktive Allokation in den kommenden Jahren tatsächlich wieder wichtiger wird als reine Marktteilnahme. Genau darauf scheint die Branche derzeit zu wetten. (jk)
Diesen Beitrag teilen: