• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Die stille Macht der Sachwerte: Warum Immobilien und reale Vermögenswerte auch 2030 das Fundament des Weltvermögens bleiben

Die stille Macht der Sachwerte: Warum Immobilien und reale Vermögenswerte auch 2030 das Fundament des Weltvermögens bleiben
Sachwerte

Als die Boston Consulting Group (BCG) Ende Mai ihren Global Wealth Report 2026 veröffentlichte, konzentrierte sich ein Großteil der Berichterstattung auf die Rekordstände bei Aktienvermögen, die Zunahme der Superreichen und die Verschiebung globaler Kapitalströme.

24.07.2026 | 13:50 Uhr von «Edmund Pelikan»

Tatsächlich verbirgt sich hinter den Schlagzeilen jedoch eine weit grundlegendere Erkenntnis: Das weltweite Vermögen steht weiterhin auf einem massiven Fundament aus Sachwerten.

Die Zahlen sind beeindruckend. Das globale Nettovermögen stieg 2025 um 9,3 Prozent auf den historischen Höchststand von 550 Billionen US-Dollar. Von diesem Vermögen entfallen 281 Billionen US-Dollar auf Sachwerte – vor allem Immobilien, Edelmetalle und andere physische Vermögensgegenstände. Damit übersteigt das globale Sachwertvermögen selbst heute noch die Wirtschaftsleistung aller Staaten der Welt um ein Mehrfaches. BCG beziffert das Wachstum der Sachwerte im Jahr 2025 auf 7,4 Prozent. Damit entwickelten sie sich zwar schwächer als Finanzvermögen mit plus 10,7 Prozent, legten jedoch absolut betrachtet um fast 20 Billionen US-Dollar zu. Allein dieser Vermögenszuwachs entspricht etwa dem Zehnfachen der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung.

Bemerkenswert ist dabei die Ursache des Wachstums. Anders als in den Jahren vor der Zinswende war 2025 kein klassisches Immobilienboomjahr. BCG verweist ausdrücklich darauf, dass sich die Entwicklung aus stabilisierenden Immobilienmärkten und einer wieder anziehenden Wohnraumnachfrage speiste. Gleichzeitig belasteten hohe Preise und zunehmendes Angebot in vielen entwickelten Märkten die Dynamik. Der Report formuliert nüchtern, die Sachwerte seien durch „high prices and rising supply“ gebremst worden. Gerade deshalb ist das Wachstum von 7,4 Prozent bemerkenswert. Es zeigt, dass reale Vermögenswerte selbst in einem Umfeld hoher Finanzierungskosten ihre Vermögensfunktion behalten haben.

Noch interessanter wird der Blick auf die Prognosen. Bis 2030 erwartet BCG einen Anstieg des weltweiten Sachwertvermögens auf 335,2 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund vier Prozent. Auf den ersten Blick wirkt dies moderat. Tatsächlich bedeutet es jedoch einen zusätzlichen Vermögenszuwachs von mehr als 54 Billionen US-Dollar innerhalb von fünf Jahren. Anders formuliert: Die Welt wird bis zum Ende des Jahrzehnts neue Sachwerte in einer Größenordnung schaffen, die ungefähr dem heutigen Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten und Chinas zusammen entspricht.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Europa. Westeuropa war 2025 die stärkste große Vermögensregion der Welt. Das Nettovermögen stieg um 14 Prozent auf 118,6 Billionen US-Dollar. Die Sachwerte legten sogar von 62,6 auf 70,6 Billionen US-Dollar zu. Das entspricht einem Wachstum von 12,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Während viele Marktteilnehmer noch von einer anhaltenden Immobilienkrise sprachen, weist der BCG-Report somit auf eine deutliche Erholung der realen Vermögenswerte hin. Gleichwohl erwartet die Beratungsgesellschaft bis 2030 nur noch eine durchschnittliche Wachstumsrate von drei Prozent jährlich. Die Phase außergewöhnlicher Aufwertung scheint damit vorerst beendet. Europa tritt in eine Phase der Normalisierung ein.

Deutschland bestätigt dabei einmal mehr seinen Ruf als klassische Sachwertnation. Das deutsche Nettovermögen erhöhte sich 2025 von 20,3 auf 23,3 Billionen US-Dollar. Die Sachwerte erreichten 13,4 Billionen US-Dollar und bilden damit weiterhin den größten Vermögensblock der privaten Haushalte. Mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Vermögens steckt somit nicht in Aktien, Fonds oder Anleihen, sondern in Immobilien und anderen physischen Vermögenswerten. Gleichzeitig weist BCG darauf hin, dass der Vermögensanstieg teilweise durch den stärkeren Euro gegenüber dem US-Dollar beeinflusst wurde. Nicht jeder ausgewiesene Zuwachs entspricht daher einem realen Kaufkraftgewinn.

Genau hier liegt die vielleicht wichtigste Aussage des Reports. Während die öffentliche Debatte häufig die Finanzmärkte in den Mittelpunkt stellt, zeigen die Daten, dass reale Vermögenswerte nach wie vor die eigentliche Vermögensbasis bilden. Aktienmärkte können Vermögen schnell vermehren oder vernichten. Sachwerte dagegen entwickeln sich langsamer, dafür strukturell stabiler. Sie reagieren weniger auf kurzfristige Marktstimmungen und stärker auf langfristige Faktoren wie Demografie, Urbanisierung, Flächenknappheit und reale Nachfrage.

Der Report liefert noch einen zweiten Hinweis, der für Vermögensinhaber von Bedeutung ist. Die Vermögenskonzentration nimmt weltweit weiter zu. Besonders wohlhabende Investoren profitieren überproportional von der sogenannten Finanzialisierung, also der Verlagerung von Vermögen in Aktien, Fonds, Private Equity und andere Kapitalmarktanlagen. Gerade deshalb behalten Sachwerte für breite Anlegergruppen ihre besondere Funktion. Sie sind nicht nur Renditequelle, sondern zugleich Inflationsschutz, Substanzwert und Diversifikationsinstrument.

Für semiprofessionelle Investoren ergibt sich daraus eine klare, ausschließlich aus den BCG-Daten ableitbare Schlussfolgerung: Wer Vermögen langfristig erhalten und entwickeln will, sollte die Entwicklung der Sachwerte nicht als Gegenmodell zum Kapitalmarkt verstehen. Die Daten zeigen vielmehr, dass die größten Vermögen der Welt auf beiden Säulen ruhen. Finanzvermögen wächst künftig zwar schneller, doch Sachwerte bleiben die dominante Vermögensbasis. Das globale Sachwertvermögen wird nach BCG-Prognose bis 2030 um weitere 54 Billionen US-Dollar wachsen. Von einem Bedeutungsverlust realer Vermögenswerte kann daher keine Rede sein. Im Gegenteil: Immobilien und andere Sachwerte bleiben auch im kommenden Jahrzehnt der materielle Anker des weltweiten Vermögensaufbaus.

Wer die Zukunft des Vermögens verstehen will, sollte deshalb neben dem Blick auf die täglichen Börsenkurse auch die langfristige Entwicklung der realen Vermögensbasis im Blick behalten. Der BCG Global Wealth Report 2026 zeigt eindrucksvoll: Die Welt wird nicht nur finanzreicher, sondern vor allem sachwertreicher.

Edmund Pelikan ist Gastautor TiAM mit dem Schwerpunktthema Sachwerte, daneben leitet er die Stiftung Finanzbildung und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Landshut

Zitat aus dem Originalbericht

„Während Aktienvermögen um 13,2 Prozent zulegten, wuchsen Sachwerte um 7,4 Prozent.“

Zitat Michael Kahlich Co-Autor des BCG Global Wealth Report 2026:

„2025 war ein außergewöhnlich starkes Vermögensjahr. Finanzmärkte und Sachwerte haben gleichermaßen deutlich zugelegt – doch davon profitieren nicht alle Regionen und Anlegergruppen.“

Diesen Beitrag teilen: