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Union Investment: „Für Gold sehen wir wenig Aufwärtspotenzial“

Thomas Benedix
Rohstoffe

Die Rohstoffmärkte haben im ersten Halbjahr 2026 eine außergewöhnlich volatile Phase erlebt. Geopolitische Spannungen, insbesondere der Iran-Krieg, sorgten für starke Preisschwankungen bei Öl, Gold und Flüssigerdgas (LNG). Mit Blick auf die kommenden Monate könnte sich das Bild jedoch deutlich verändern.

19.06.2026 | 11:45 Uhr

Nach Einschätzung von Thomas Benedix, Senior Portfoliomanager Rohstoffe bei Union Investment, steht vor allem der Ölmarkt vor einer Phase der Normalisierung. Während Gold weiterhin unter schwierigen fundamentalen Rahmenbedingungen leidet, könnten Industriemetalle wie Kupfer von strukturellen Nachfrageimpulsen profitieren.

Iran-Konflikt sorgte für extreme Ausschläge an den Rohstoffmärkten

Die geopolitischen Risiken haben die Preisentwicklung vieler Rohstoffe im ersten Halbjahr maßgeblich bestimmt. Zeitweise verdoppelte sich der Preis für ein Barrel Brent-Öl nahezu, nachdem der Konflikt zwischen Iran und den USA die Sorge vor erheblichen Lieferausfällen ausgelöst hatte.

Auch Silber und LNG verzeichneten starke Schwankungen. Gold erreichte im Januar zwar kurzzeitig ein Rekordhoch, fiel anschließend jedoch wieder unter das Vorjahresniveau zurück. Kupfer zeigte sich vergleichsweise robust und erreichte neue Höchststände.

Nach Einschätzung von Benedix deutet inzwischen vieles auf eine Entspannung hin. Auslöser ist insbesondere die Vereinbarung zwischen den USA und Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Handelsrouten für Öl- und Gastransporte weltweit.

Ölpreis-Prognose 2026: Hat der Markt die Risiken bereits ausgeblendet?

Der Ölmarkt stand während des Iran-Konflikts im Zentrum der Kapitalmärkte. Mit steigenden Ölpreisen erhöhten sich zugleich Inflationserwartungen und Anleiherenditen.

Nach Beginn der Kampfhandlungen Ende Februar sprang der Brent-Preis von rund 78 auf zeitweise 118 US-Dollar je Barrel. Mittlerweile liegt der Preis wieder deutlich niedriger.

Aus Sicht von Union Investment hat der Markt die Wiederöffnung der Straße von Hormus bereits weitgehend eingepreist. Die Erfahrung zeige, dass Angebotsschocks häufig schneller überwunden werden als Nachfrageschocks.

Fehlende Ölexporte wurden weitgehend kompensiert

Während des Konflikts fielen laut Benedix zeitweise rund 15 Millionen Barrel täglicher Förderkapazität aus. Dennoch gelang es dem Markt, den Großteil der Ausfälle auszugleichen.

Dafür sorgten unter anderem:

  • zusätzliche Lieferungen anderer Produzenten
  • die Freigabe strategischer Ölreserven in den USA
  • niedrigere Ölimporte Chinas
  • sowie reduzierte Raffinerieaktivitäten in Asien

Viele dieser Maßnahmen seien jedoch nur vorübergehender Natur. Gleichzeitig hätten US-Produzenten trotz höherer Preise bislang keine deutliche Ausweitung ihrer Förderkapazitäten vorgenommen.

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Warum die Ölnachfrage jetzt entscheidend wird

Für die weitere Preisentwicklung seien laut Benedix zwei Faktoren maßgeblich: die Rückkehr der Förderkapazitäten im Nahen Osten und die globale Konjunkturentwicklung.

Sollte die Produktion bis Jahresende wieder das Vorkriegsniveau erreichen, könnte sich die Angebotslage entspannen. Gleichzeitig erwarten die Ökonomen von Union Investment eine Belebung des Wirtschaftswachstums, wenn die Energiepreise sinken.

Das könnte allerdings zu einem neuen Problem führen: einer steigenden Ölnachfrage.

„Der Markt ist beim Ölpreis aktuell zu sorglos, sollte die Nachfrage wieder anspringen“, sagt Benedix.

Sollte die globale Nachfrage schneller wachsen als das Angebot, könnte erneut Aufwärtsdruck auf die Ölpreise entstehen. Ein erneuter Preisschock gilt derzeit jedoch nicht als Basisszenario.

Gold-Prognose: Warum der sichere Hafen derzeit nicht glänzt

Deutlich skeptischer fällt die Einschätzung für Gold aus. Anders als in früheren geopolitischen Krisen profitierte das Edelmetall während des Iran-Konflikts nur begrenzt von seiner Rolle als sicherer Hafen. Hintergrund waren vor allem steigende Kapitalmarktzinsen, die Gold als zinslosen Vermögenswert unattraktiver machen.

Hinzu kamen weitere Belastungsfaktoren:

  • rückläufige Goldkäufe der Zentralbanken
  • sinkende Bestände in Ländern wie Russland und der Türkei
  • sowie eine schwächere physische Nachfrage aufgrund höherer Importzölle in Indien

„Kurzfristig spricht aus fundamentaler Sicht wenig für Gold“, lautet die Einschätzung von Benedix.

Auch die Entwicklung der Geldmenge und die vergleichsweise niedrigen Förderkosten sprächen derzeit nicht für deutlich höhere Preise.

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Zinssenkungen könnten Gold stützen

Dennoch gibt es Faktoren, die den Goldpreis künftig stabilisieren könnten. Dazu zählt insbesondere die Geldpolitik der US-Notenbank.

Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh gilt als Befürworter niedrigerer Zinsen. Sollte die US-Notenbank ihren Lockerungskurs verstärken, könnte dies die Nachfrage nach Gold wieder beleben.

Langfristig bleibt Gold nach Ansicht vieler Vermögensverwalter ein wichtiger Diversifikationsbaustein in Multi-Asset-Portfolios.

Kupfer vor Angebotsdefizit: Industriemetalle mit besseren Aussichten

Deutlich attraktiver erscheinen derzeit klassische Industriemetalle. Besonders Kupfer könnte von einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage profitieren. Selbst bei einer schnellen Normalisierung im Nahen Osten bleiben wichtige Vorprodukte wie Schwefelsäure knapp und teuer.

Etwa die Hälfte des weltweiten Schwefelangebots stammt aus der Golfregion. Höhere Kosten belasten die Produktion von Kupfer und Nickel zusätzlich. Gleichzeitig sorgen Naturkatastrophen und langfristige Produktionsausfälle in Förderregionen für weitere Angebotsengpässe.

Union Investment erwartet deshalb ein spürbares Angebotsdefizit am Kupfermarkt.

Elektromobilität und Energiewende treiben die Kupfernachfrage

Auf der Nachfrageseite sprechen mehrere langfristige Trends für steigenden Bedarf.

Der Ölpreisschock beschleunigt weltweit Investitionen in Elektromobilität, Stromnetze und Infrastruktur. Viele Staaten versuchen zudem, ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren.

Vor allem China investiert weiterhin massiv in Infrastruktur und Elektromobilität. Das Ladevolumen von Elektrofahrzeugen lag zuletzt deutlich über dem Vorjahresniveau. Von diesen Entwicklungen profitieren insbesondere Kupfer, Nickel und weitere Industriemetalle.

Fazit: Kupfer bleibt der Favorit unter den Rohstoffen

Während sich der Ölmarkt nach den Verwerfungen des Iran-Konflikts zunehmend stabilisiert und Gold unter dem Zinsumfeld leidet, bieten Industriemetalle aktuell die interessantesten Perspektiven.

Vor allem Kupfer könnte von einem strukturellen Angebotsdefizit und langfristigen Trends wie Elektrifizierung, Energiewende und Infrastrukturinvestitionen profitieren. Für Anleger, die auf Rohstoffe setzen wollen, dürften daher weniger Edelmetalle als vielmehr Industriemetalle im Fokus stehen. (jk)

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