Der Goldpreis ist in den vergangenen Handelstagen deutlich gefallen. Höhere Energiepreise, steigende Inflationserwartungen und eine straffere Geldpolitik setzen das Edelmetall unter Druck. Gleichzeitig zwingt die angespannte Marktsituation viele Investoren, Gold als kurzfristige Liquiditätsquelle zu nutzen.
23.03.2026 | 14:30 Uhr von «Peter Gewalt»
Der Goldmarkt erlebt derzeit eine außergewöhnlich starke Korrektur. In wenigen Handelstagen verlor das Edelmetall knapp 1000 US-Dollar oder zehn Prozent seines Wertes – ein Einbruch, wie er seit Jahrzehnten kaum zu beobachten war. Anders als in vielen früheren Krisen verschiebt sich die Marktlogik: Gold wird aktuell weniger als sicherer Hafen wahrgenommen, sondern stärker über Inflation, Zinsen und Liquidität gesteuert.
Der Auslöser liegt vor allem im sprunghaften Anstieg der Energiepreise. Die Verwerfungen im Nahen Osten haben Öl verteuert und damit die Inflationserwartungen verstärkt. Dies zwingt die Märkte, mit einem härteren geldpolitischen Kurs zu rechnen. Zinssenkungen sind vom Tisch, mehrere Zentralbanken signalisieren sogar mögliche Erhöhungen. Das belastet Gold als unverzinsliches Asset erheblich. „Steigende Energiepreise haben die Inflationserwartungen nach oben getrieben und die Märkte veranlasst, einen deutlich restriktiveren Zinspfad einzupreisen,“ meint Dilin Wu, Research Strategist bei Pepperstone.
Die Nervosität an den Finanzmärkten führt zudem zu einem höheren Liquiditätsbedarf. Wenn Aktien, Anleihen und Kreditmärkte gleichzeitig unter Druck stehen, werden liquide Positionen zuerst verkauft – und Gold gehört zu den am leichtesten realisierbaren Wertanlagen. Zusätzlich wurden durch den Bruch wichtiger technischer Unterstützungen zahlreiche Stop‑Loss‑Orders ausgelöst, was die Abwärtsbewegung beschleunigte. Der Bericht bringt es klar auf den Punkt: „Derzeit verhält sich Gold eher wie eine ‚Liquiditätsquelle‘ und nicht wie ein traditioneller sicherer Hafen“, so Wu.
Steigende reale US‑Renditen und ein stärkerer Dollar verstärken den Druck weiter. Für internationale Käufer wird Gold dadurch teurer, während alternative Anlagen attraktiver werden. Trotz der kurzfristigen Schwäche bleiben langfristige strukturelle Faktoren wie geopolitische Unsicherheit und anhaltende Zentralbankkäufe bestehen. Kurzfristig dürfte das Edelmetall jedoch anfällig bleiben, solange Energiepreise und Zinserwartungen hoch bleiben.
Goldpreis in US-Dollar je Unze:

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