Globaler Kampf um Metalle: Kritische Metalle werden zum Engpassfaktor

Globaler Kampf um Metalle: Kritische Metalle werden zum Engpassfaktor
Rohstoffe

Von wichtigen Industriemetallen bis hin zu Spezialmetallen und Gold – für viele Staaten steht die Versorgungssicherheit mit kritischen Metallen wegen des Booms rund um die KI und erneuerbare Energien ganz oben auf ihrer Prioritätenliste.

10.07.2026 | 12:15 Uhr

Welche Folgen dies für die Bergbaubranche hat und wie Investoren am Aufschwung partizipieren, analysiert die mehrteilige Serie. Teil 2: Das Angebot an kritischen Metallen stößt zunehmend an seine Grenzen.

Andreas Kroll schlägt Alarm: „Die Amerikaner und Japaner kaufen gerade den Markt leer“. Der Handelsunternehmer für Schwer- und Edelmetalle sowie seltene Erden beobachtet einen globalen Kampf um die begehrten Rohstoffe, die für Rechenzentren, Stromnetze, Elektrofahrzeuge, Energiespeicher, erneuerbare Energien aber auch für Rüstungsgüter benötigt werden. Wichtigster Akteur auf der Angebotsseite ist China: „Seit April 2024 verlassen keine schweren seltenen Erden für die Rüstung China, bald womöglich auch die leichter zu gewinnenden leichteren seltenen Erden nicht mehr,“ sagte er dem Handelsblatt.

Kritische Metalle, zu denen auch die Seltenen Erden zählen, haben sich von klassischen Industriestoffen zu strategischen Ressourcen entwickelt. Regierungen und Unternehmen betrachten sie zunehmend als Voraussetzung für technologischen Fortschritt, wirtschaftliches Wachstum und nationale Sicherheit. Entsprechend wächst die Nachfrage nach Rohstoffen.

Und der Bedarf dürfte in den kommenden Jahren weiter deutlich zulegen. Prognosen zufolge steigt die Kupfernachfrage bis 2035 um 29 Prozent, die Aluminiumnachfrage um 23 Prozent, die Urannachfrage um 29 Prozent und die Lithiumnachfrage sogar um 307 Prozent. Damit gehören kritische Metalle zu den wichtigsten Profiteuren des weltweiten Technologie- und Energieumbaus.

Doch genau hier liegt das Problem. Während die Nachfrage kräftig wächst, entwickelt sich das Angebot deutlich langsamer. Der Bericht warnt deshalb vor Versorgungsengpässen bei vielen kritischen Metallen. Starke Nachfragetrends träfen auf zunehmende Angebotsbeschränkungen und könnten in mehreren Rohstoffmärkten künftig zu erheblichen Defiziten führen.

Nachfrage
Nachfrage

Quellen: USGS, IEA, interne Daten von Baker Steel, Internationales Aluminiuminstitut.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Rohstoffprojekte leiden unter geologischen Herausforderungen, langen Genehmigungsverfahren und steigenden Kosten. Hinzu kommen geopolitische Risiken. Der Wettbewerb zwischen den großen Wirtschaftsmächten hat die Kontrolle über Rohstoffe und Lieferketten zu einer zentralen politischen Frage gemacht. Gleichzeitig haben internationale Konflikte wie der Iran-Krieg die Verwundbarkeit globaler Lieferketten offengelegt.

Besonders deutlich zeigt sich die Situation beim Kupfer. Das Metall ist unverzichtbar für die Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig sinken die Erzgehalte vieler Lagerstätten, während neue Minen immer längere Entwicklungszeiten benötigen. Der Kupfersektor werde zunehmend durch Genehmigungsprobleme, höhere Kosten und operative Komplexität eingeschränkt. Dadurch entstehe ein Umfeld, in dem die steigende Nachfrage auf ein begrenztes Angebot trifft.

Auch der Uranmarkt steht vor ähnlichen Herausforderungen. Die wachsende Bedeutung der Kernenergie stärkt die Nachfrage nach Uran, während jahrelange Unterinvestitionen und lange Projektlaufzeiten das Angebot begrenzen. Die steigende Urannachfrage trifft daher ebenfalls auf knappe Kapazitäten.

Vor diesem Hintergrund reagieren viele Staaten mit neuen Rohstoffstrategien, Investitionen und Maßnahmen zur Sicherung kritischer Lieferketten. Die Versorgung mit Metallen wird zunehmend als strategische Aufgabe betrachtet. Rohstoffe sind damit längst nicht mehr nur ein Wirtschaftsthema, sondern Teil der Industrie-, Energie- und Sicherheitspolitik geworden. (Siehe Baker Steel-Artikel 3.7.2026)

Nach Einschätzung der Rohstoffexperten von Baker Steel werden die strukturellen Angebotsengpässe noch immer unterschätzt. Nach Jahren geringer Investitionen zeichnet sich bei zahlreichen Metallen eine Knappheit ab – genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage durch Elektrifizierung, KI-Infrastruktur, den Ausbau der Stromnetze und den geopolitischen Wettbewerb um Ressourcen spürbar anzieht.

Damit dürfte sich der globale Wettlauf um kritische Metalle in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Versorgungssicherheit entwickelt sich dadurch zu einer der entscheidenden Herausforderungen der globalen Wirtschaft. Oder wie Handelsunternehmer Kroll beim Thema Seltener Erden kurz und knapp feststellt: „Das ist ein interessanter Markt mit hoher Nachfrage und geringem Angebot.“

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