In der dreiteiligen Serie beleuchtet Finanz- und Rohstoffexperte Tim Bröning im Auftrag von TiAM FundResearch die Hintergründe und Chancen für Investoren. Teil 3: Welche Chancen Anleger haben
21.08.2026 | 13:30 Uhr von «Tim Bröning»
Die Möglichkeiten reichen vom direkten Investment in den Kupferpreis über einzelne Minenaktien bis hin zu ETFs und aktiv gemanagten Fonds. Schon der erste Unterschied ist grundlegend. Wer auf den Kupferpreis setzt, investiert in das Metall. Wer eine Minenaktie kauft, investiert dagegen in ein Unternehmen – mit Management, Bilanz, Förderkosten, Projektrisiken und einem bestimmten politischen Umfeld.
Physisches Kupfer spielt für Privatanleger kaum eine Rolle. Im Vergleich zu Gold besitzt das Metall eine geringe Wertdichte. Für eine größere Anlagesumme wären schnell viele Tonnen Material nötig, einschließlich Lagerung, Versicherung und Transport. Praktikabler sind börsengehandelte Rohstoffprodukte. Ein Beispiel ist der WisdomTree Copper ETC (ISIN: GB00B15KXQ89). Er bildet Kupfer über Terminkontrakte ab. Genau darin liegt aber auch eine Besonderheit. Futures müssen regelmäßig ersetzt werden. Je nach Struktur der Terminpreiskurve können dadurch Rollgewinne oder Rollverluste entstehen. Ein ETC kann sich deshalb zeitweise anders entwickeln als der kurzfristig beobachtete Kassapreis.
Der scheinbar direkteste Weg ist damit nicht automatisch der
einfachste. Wer möglichst unmittelbar am Metallpreis teilhaben möchte, muss die
Konstruktion des Produkts verstehen. Wer dagegen auf Minenaktien setzt, tauscht
das Strukturproblem des ETC gegen unternehmerische Chancen und Risiken. Dort
beginnt die eigentliche Vielfalt des Kupfermarktes.
Produzent ist nicht gleich Produzent
Der Begriff Kupferaktie suggeriert eine Einheitlichkeit, die es in der
Praxis kaum gibt. Ein breit diversifizierter Rohstoffkonzern reagiert anders
auf den Kupferpreis als ein nahezu reiner Produzent. Und selbst zwei Pure Plays
können sich fundamental stark unterscheiden.
BHP und Rio Tinto stehen für die großen Mischkonzerne. Beide besitzen bedeutende Kupferaktivitäten (BHP ist hier sogar z.B. die Nummer 2 weltweit) und investieren Milliarden in deren Ausbau. Trotzdem stammen erhebliche Teile ihrer Gewinne weiterhin aus Eisenerz und anderen Rohstoffen. Diese Diversifikation reduziert den unmittelbaren Kupferhebel, erhöht aber die Stabilität. Große Cashflows, Investment-Grade-Bilanzen und mehrere Rohstoffsäulen geben beiden Konzernen die Möglichkeit, auch in schwächeren Marktphasen zu investieren, Dividenden zu zahlen oder neue Projekte zu erwerben.
Freeport-McMoRan, Southern Copper und Antofagasta liegen wesentlich näher am eigentlichen Kupferpreis. Freeport liefert nach eigenen Angaben rund sieben Prozent des weltweit geförderten Kupfers und ist damit weltgrößter Kupferpoduzent. Mit Grasberg in Indonesien besitzt der Konzern zugleich eine der bedeutendsten Kupfer- und Goldminen der Welt. Der Goldanteil ist mehr als eine hübsche Zugabe. Erlöse aus Gold senken wirtschaftlich die Nettokosten der Kupferproduktion. Dadurch kann der operative Hebel auf Kupfer besonders hoch ausfallen.
Southern Copper hat ein völlig anderes Profil. Das Unternehmen produzierte 2025 rund 954.000 Tonnen Kupfer und weist nach eigenen Angaben die größten Kupferreserven unter den börsennotierten Gesellschaften aus. Hinzu kommen niedrige Kosten, integrierte Verarbeitungsanlagen und regelmäßige Ausschüttungen. Gleichzeitig konzentrieren sich die wichtigsten Aktivitäten auf Peru und Mexiko. Eine große Reservebasis ist damit nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind Steuerpolitik, Genehmigungen, soziale Konflikte und die Beziehungen zu den jeweiligen Regierungen.
Antofagasta bietet ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie professionelle Anleger ein Kupferunternehmen beurteilen. Der chilenische Produzent förderte 2025 rund 654.000 Tonnen Kupfer. Die Nettokosten lagen bei 1,19 US-Dollar je Pfund, das EBITDA erreichte 5,2 Milliarden US-Dollar und die EBITDA-Marge 60 Prozent. Trotz Investitionen von 3,7 Milliarden US-Dollar blieb die Verschuldung mit einem Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA von 0,53 vergleichsweise niedrig. Zugleich wurde eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent des bereinigten Gewinns vorgeschlagen. Die geplanten Wachstumsprojekte sollen die Kupferproduktion langfristig um etwa 30 Prozent erhöhen.
An diesem Beispiel wird deutlich, welche Fragen über den Kupferpreis hinausgehen. Wie hoch sind die Kosten? Wie stark ist die Bilanz? Wird der freie Cashflow ausgeschüttet oder in Wachstum investiert? Wie lange reichen die Reserven? Und wie hoch ist das Länderrisiko? Ein Dividendenanleger kann dieselben Zahlen anders gewichten als ein Investor, der vor allem Produktionswachstum sucht.
Lundin Mining wiederum steht stärker für Growth. Der Konzern
produzierte 2025 rund 331.000 Tonnen Kupfer zu Cashkosten von 1,87 US-Dollar je
Pfund. Das bestehende Portfolio liefert laufende Cashflows, während der
Vicuña-Distrikt in Argentinien und Chile die langfristige Wachstumsfantasie
prägt. Solche Projekte können ein Unternehmen in eine neue Größenklasse heben,
benötigen aber enorme Investitionen und viele Jahre bis zur Produktion. Ein
höheres Wachstumspotenzial bedeutet deshalb nicht automatisch ein niedrigeres
Risiko.
Das Förderland entscheidet mit
Eine Kupfermine lässt sich nicht wie eine Fabrik an einen anderen Standort
verlagern. Wer eine Minenaktie kauft, investiert deshalb immer auch in das
Förderland. Chile verfügt über lange Bergbautradition und vergleichsweise
stabile Institutionen, steht aber vor Fragen zu Wasser, Genehmigungen und
Abgaben. Peru besitzt große Lagerstätten, erlebt jedoch regelmäßig soziale
Konflikte und politische Spannungen. Indonesien verfolgt eine aktive
Rohstoffpolitik und verlangt zunehmend lokale Verarbeitung. In Sambia oder der
Demokratischen Republik Kongo sind die geologischen Chancen enorm, zugleich
fallen politische und rechtliche Risiken höher aus.
Der Standort wirkt damit direkt auf die Bewertung. Ein
Projekt mit identischen Kupfergehalten kann in Kanada anders bewertet werden
als im Kongo oder in Ecuador. Nicht weil das Metall dort schlechter wäre,
sondern weil Rechtssicherheit, Infrastruktur, Energieversorgung, Steuern und
Finanzierung unterschiedlich sind. Der Kupferpreis ist global. Das Minenrisiko
bleibt lokal.
Developer und Explorer – die Minen von morgen
Besonders spannend wird der Sektor dort, wo noch gar kein Kupfer verkauft
wird. Developer besitzen meist bereits eine definierte Ressource und technische
Studien. Sie müssen Genehmigungen erhalten, Kapital beschaffen und den Bau
einer Mine vorbereiten. Namen wie Marimaca Copper, Aldebaran Resources oder
NGEx Minerals stehen für unterschiedliche Stadien dieses Weges.
Der Wert eines Developers entsteht nicht aus aktuellen Gewinnen, sondern aus der Qualität des Projekts. Kupfergehalt, Größe der Ressource, erwartete Kosten, Infrastruktur, Kapitalbedarf und Minenlaufzeit sind entscheidend. Ebenso wichtig ist die Frage, ob das Projekt überhaupt finanzierbar ist. Eine gute Lagerstätte kann wirtschaftlich unattraktiv bleiben, wenn der Bau fünf oder zehn Milliarden US-Dollar kostet oder Genehmigungen fehlen.
Genau hier entsteht aber auch die Übernahmefantasie. Große Produzenten müssen erschöpfte Reserven ersetzen, finden jedoch immer seltener neue Weltklasse-Lagerstätten. Der Kauf eines fortgeschrittenen Developers kann schneller sein als jahrelange eigene Exploration. Die Übernahme von Filo durch BHP und Lundin Mining war ein prominentes Beispiel dafür, wie strategisch wertvoll große Kupfer-Projekte werden können. Für Aktionäre eines Developers kann eine Transaktion mit einer deutlichen Prämie verbunden sein. Eine Garantie gibt es jedoch nicht. Viele Projekte bleiben jahrelang im Genehmigungs- oder Finanzierungsprozess stecken.
Explorer stehen noch eine Stufe früher. Sie verkaufen kein Kupfer, sondern zunächst eine geologische Idee. Bohrergebnisse, neue Entdeckungen und Ressourcenschätzungen bestimmen den Kurs häufig stärker als der Metallpreis. Ein außergewöhnlicher Fund kann den Unternehmenswert vervielfachen. Enttäuschende Bohrungen oder ein schwieriges Kapitalmarktumfeld können ihn ebenso schnell einbrechen lassen. Kleine Gesellschaften müssen regelmäßig neues Kapital aufnehmen. Verwässerung gehört deshalb zum Geschäftsmodell, solange keine Produktion existiert.
Die Grenzen sind fließend. NGEx Minerals wird häufig als
Explorer bezeichnet, obwohl das Projekt bereits Dimensionen erreicht hat, die
über eine klassische Frühphasenstory hinausgehen. Gerade diese Übergänge machen
es interessant - und komplex.
ETFs – viele Minen in einem Wertpapier
Wer nicht entscheiden möchte, ob Freeport, Southern Copper, Lundin Mining
oder ein Developer die bessere Wahl ist, kann den Sektor über ETFs breiter
abbilden. Dabei unterscheiden sich auch die Indexprodukte deutlich.
Der Global X Copper Miners UCITS ETF (ISIN: IE0003Z9E2Y3) investiert weltweit in Unternehmen aus Exploration, Förderung und Verarbeitung von Kupfer. Er bildet damit ein breites Minenuniversum ab und ist für europäische Anleger als UCITS-Produkt strukturell gut zugänglich.
Der in den USA notierte Sprott Copper Miners ETF COPP (ISIN: US85208P8813 legt den Schwerpunkt stärker auf sogenannte Pure Plays und enthält zusätzlich eine kleine physische Kupferkomponente von ca. fünf Prozent. Der Sprott Junior Copper Miners ETF COPJ (ISIN: US85208P5017) konzentriert sich dagegen auf Mid-, Small- und Micro-Caps aus Explorern und Entwicklern. Mit jedem Schritt in Richtung kleinerer Unternehmen steigt der mögliche Hebel auf Entdeckungen, Projektfortschritte und Übernahmen. Gleichzeitig nehmen Schwankungen, Finanzierungsrisiken und Abhängigkeit von einzelnen Projekten zu.
ETFs lösen damit das Problem der Titelauswahl, nicht aber
das Risiko des Sektors. Ein Junior-ETF kann trotz breiter Streuung deutlich
volatiler sein als ein Korb großer Produzenten. Außerdem unterscheiden sich
Ländergewichtungen, Indexregeln und die Mischung aus Produzenten, Developern
und Explorern. Der Name Kupfer-ETF allein sagt noch wenig über das tatsächliche
Risikoprofil aus.
Aktive Fonds – Auswahl statt Indexregel
Aktiv gemanagte Fonds verfolgen einen anderen Ansatz. Sie müssen nicht
unbedingt an einer festen Indexgewichtung festhalten. Ein Fondsmanager kann
hoch verschuldete Produzenten meiden, Regionen reduzieren, Developer beimischen
oder nach starken Kursanstiegen Gewinne sichern.
Ein Beispiel ist der Bakersteel Electrum Fund. Je nach Anteilklasse unterscheiden sich ISIN und Währung; für die Anteilklasse A EUR lautet die ISIN LU1923361478. Der Fonds investiert nicht ausschließlich in Kupfer, sondern in Unternehmen rund um strategische Metalle und Elektrifizierung. Dadurch kann das Management zwischen Kupfer, Nickel, Zink, Lithium oder anderen Rohstoffthemen wechseln und unterschiedliche Entwicklungsstufen kombinieren.
Diese Flexibilität kann in einem heterogenen Sektor sinnvoll
sein. Ein Index hält ein Unternehmen nach seinen Regeln, auch wenn die Bilanz
schwächer wird oder ein Projekt Probleme bekommt. Ein aktiver Manager kann
reagieren. Dafür entstehen höhere Kosten, und der Erfolg hängt stärker von der
Qualität der Titelauswahl ab. Auch hier gibt es keine pauschal bessere Lösung,
sondern unterschiedliche Wege, dasselbe Thema umzusetzen.

Graphik: onvista, 03.08.2026, 1-y-Performance
Mit dem breiten Global X Coppers Miners (+88%) wäre man deutlich besser gefahren als mit vielen bekannten Einzelaktien aus dem Kupferbereich und hätte auch das Kupfer selber (+42%) deutlich outperformt.
Fazit
Die wichtigste Erkenntnis dieser dritten Folge lautet deshalb nicht, dass eine bestimmte Aktie, ein ETF oder ein Fonds der beste Weg in den Kupfermarkt sei. Entscheidend ist vielmehr, dass hinter dem Begriff Kupferinvestment sehr unterschiedliche Anlagen stehen.
Ein ETC bildet möglichst direkt den Metallpreis ab, bringt aber die Besonderheiten von Terminkontrakten mit sich. Ein Mischkonzern wie BHP oder Rio Tinto verbindet Kupfer mit anderen Rohstoffen und einer stabileren Bilanzstruktur. Pure Plays wie Freeport-McMoRan, Southern Copper oder Antofagasta reagieren direkter auf den Kupferpreis, unterscheiden sich aber bei Kosten, Ausschüttungen, Wachstum und Länderrisiken. Developer und Explorer bieten die Aussicht auf neue Minen und mögliche Übernahmeprämien, tragen dafür das höchste Projekt- und Finanzierungsrisiko. ETFs streuen über viele Unternehmen, aktive Fonds ergänzen die professionelle Auswahl.
Welche Variante sinnvoll erscheint, hängt deshalb von den persönlichen Zielen ab. Wer laufende Ausschüttungen sucht, bewertet Dividenden und Bilanzstärke anders als jemand, der Produktionswachstum oder Übernahmefantasie in den Vordergrund stellt. Wer Risiken einzelner Minen vermeiden möchte, kommt zu einer anderen Lösung als ein Investor, der bewusst eine einzelne Lagerstätte analysiert.
Im ersten Teil der Serie zeigte sich, warum die Welt mehr Kupfer benötigen dürfte. Im zweiten Teil wurde deutlich, warum das Angebot nicht einfach mitwächst. Der dritte Teil ergänzt nun die entscheidende Anlegerperspektive. Kupfer ist nicht nur ein Metall. Es ist ein Anlageuniversum – und je genauer die Unterschiede verstanden werden, desto besser passt am Ende das Investment zu den Zielen des Investors.
Hier geht es zu Teil 1: Investmentchance Kupfer: das Metall für eine goldene Zukunft
Hier geht es zu Teil 2: Warum das Angebot nicht einfach mitwächst
Zum Autor: Tim Bröning ist Diplom-Ökonom und Betriebswirt und bereits seit über 30 Jahren an der Börse und im Finanzmarkt aktiv. Er arbeitete viele Jahre bei der Siemens AG sowohl im Energiebereich als auch für den Zentralvorstand in der Strategie- sowie M&A-Abteilung, wo er sich früh mit Marktanalysen, strategischer Ausrichtung und Unternehmensbewertung beschäftigte. Die letzten 15 Jahre war er ausschließlich in hohen Führungspositionen im Finanzdienstleistermarkt tätig, wo er sich u.a. auf makroökonomische Fragestellungen, die Fondsanalyse und die Fondsauswahl fokussierte. Ein besonderer Fokus gilt seit Jahren dem Rohstoffmarkt. Tim Bröning ist heute selbstständig. Mehr unter www.broening-investment.de.
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