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Kupfer – das unentbehrliche Metall für eine goldene Zukunft

Kupferdraht
Rohstoffe

In der dreiteiligen Serie beleuchtet Finanz- und Rohstoffexperte Tim Bröning im Auftrag von TiAM FundResearch die Hintergründe und Chancen für Investoren. Teil 1: Warum Kupfer für die Elektrifizierung der Welt so dringend benötigt wird

07.08.2026 | 14:30 Uhr von «Tim Bröning»

2022 formulierte der kanadische Bergbauunternehmer Robert Friedland auf einem Fachkongress in Südafrika eine Prognose zum Kupferbedarf. Diese klang zunächst wie eine jener typischen Übertreibungen, für die Rohstoffkonferenzen gelegentlich bekannt sind.

Nach seiner Einschätzung müsste die Welt in den kommenden zwei Jahrzehnten ungefähr so viel Kupfer fördern, wie die Menschheit bislang insgesamt gewonnen hat. Je länger man sich mit den großen Trends unserer Zeit beschäftigt, desto weniger gewagt erscheint diese Aussage.

Wer heute über die Zukunft spricht, spricht über künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität, erneuerbare Energien, Robotik und Digitalisierung. Auf den ersten Blick haben diese Entwicklungen wenig miteinander zu tun. Tatsächlich verbindet sie jedoch eine gemeinsame Eigenschaft. Sie alle benötigen große Mengen elektrischer Energie. Und diese Energie muss erzeugt UND transportiert werden. Genau an dieser Stelle kommt Kupfer ins Spiel.

Während Gold seit Jahrtausenden die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht und Öl wie im derzeitigen Iran-Konflikt regelmäßig die Schlagzeilen beherrscht, ist Kupfer meist unbemerkt im Hintergrund. Das rötliche Metall steckt in Stromleitungen, Transformatoren, Generatoren, Elektromotoren, Rechenzentren und unzähligen industriellen Anwendungen. Es ist selten Gegenstand großer Diskussionen und doch aus dem modernen Leben kaum wegzudenken.

Man könnte sogar sagen, dass Kupfer heute das Nervensystem der Weltwirtschaft bildet.

Die Welt baut ein neues Energiesystem

Der globale Kupferverbrauch wächst seit Jahrzehnten. Anfang der 90er Jahre lag die weltweite Nachfrage noch bei ca. zehn Millionen Tonnen jährlich. Heute werden mehr als 25 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr verbraucht. S&P Global erwartet für 2040 sogar eine Kupfernachfrage von etwa 42 Millionen Tonnen pro Jahr.

Lange Zeit wurde diese Entwicklung vor allem durch Industrialisierung, Urbanisierung und den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas getragen. Kupfer galt als klassisches Konjunkturmetall. Wer wissen wollte, wie es um die Weltwirtschaft bestellt war, schaute auf den Kupferpreis. Doch diese Sichtweise greift inzwischen zu kurz. Die Welt baut heute nicht mehr nur Straßen, Brücken, Fabriken und Wohnhäuser. Sie baut gleichzeitig ein neues Energie- und Infrastruktursystem auf.

Die Internationale Energieagentur sieht vor allem Stromnetze, Energiespeicher, erneuerbare Energien und Elektromobilität als wichtige Treiber des künftigen Kupferverbrauchs. Hinzu kommt der rasante Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur. Auch die Fondsgesellschaft Baker Steel kommt zu dem Ergebnis, dass Elektrifizierung, Dateninfrastruktur und saubere Energietechnologien einen immer größeren Anteil der Kupfernachfrage ausmachen werden.

Für Anleger ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Denn damit wird Kupfer zunehmend von langfristigen Investitionszyklen getragen und weniger ausschließlich von den üblichen Schwankungen der Industriekonjunktur.

Grafik: Globale Kupfernachfrage

Kupfer 1
Kupfer 1

Quelle: Statista

Die Energiewende besteht vor allem aus Kabeln

Wenn über die Energiewende diskutiert wird, denken die meisten Menschen zunächst an Windräder oder Solaranlagen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch an anderer Stelle. Strom muss nicht nur erzeugt werden. Er muss auch zum Verbraucher gelangen.

Bei Onshore-Windrädern werden einschließlich Generator, Transformatoren, interner Verkabelung sowie der Anbindung an das Stromnetz typischerweise rund 3,5 Tonnen Kupfer pro installiertem Megawatt Leistung benötigt. Bei einer modernen 5-MW-Anlage entspricht dies etwa 17 bis 18 Tonnen Kupfer. Noch deutlich höher ist der Bedarf bei Offshore-Windparks, da hier zusätzlich umfangreiche Unterwasser- und Exportkabel erforderlich sind.

Noch größer wird die Dimension beim Stromnetz selbst. Millionen Kilometer zusätzlicher Leitungen müssen in den kommenden Jahrzehnten gebaut oder modernisiert werden, damit die zunehmende Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen überhaupt genutzt werden kann. Umspannwerke, Transformatoren und Verteilnetze bilden das Rückgrat dieser Entwicklung.

Die Energiewende ist deshalb weniger eine Geschichte über Windräder als eine Geschichte über Kabel. Windparks lassen sich fotografieren, genauso wie Solaranlagen. Stromnetze dagegen verlaufen meist unsichtbar im Hintergrund. Genau deshalb wird ihre Bedeutung oft übersehen.

Dabei entscheidet letztlich nicht die Stromerzeugung allein über den Erfolg der Energiewende, sondern die Fähigkeit, diesen Strom zuverlässig zu transportieren.

Warum Elektroautos den Kupferbedarf verändern

Besonders anschaulich wird der zukünftig größere Bedarf an Kupfer auch im Verkehrssektor. Ein klassischer Verbrenner enthält je nach Fahrzeugtyp etwa 20 bis 25 Kilogramm Kupfer. Bei einem modernen Elektrofahrzeug steigt dieser Wert auf 70 bis 90 Kilogramm. Elektrobusse enthalten teilweise sogar mehrere Hundert Kilogramm des Metalls.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Elektromotoren, Batterieverbindungen, Leistungselektronik, Hochvoltkabel und Ladeinfrastruktur benötigen deutlich größere Mengen leitfähiger Materialien als herkömmliche Antriebssysteme.

Betrachtet man diese Zahlen isoliert, erscheint die zusätzliche Kupfermenge überschaubar. Betrachtet man jedoch die politischen Ziele vieler Staaten und die geplante Elektrifizierung von Millionen Fahrzeugen weltweit, entsteht ein zusätzlicher Bedarf, der selbst für einen Markt von der Größe des Kupfermarktes erhebliche Auswirkungen haben kann.

Aus Sicht eines Rohstoffanlegers wird damit deutlich, dass die Zukunft der Automobilindustrie nicht nur eine Geschichte der Batterien ist. Sie ist ebenso eine Geschichte des Kupfers.

Die digitale Revolution wird überraschend materiell

Noch interessanter ist die Verbindung zwischen Kupfer und künstlicher Intelligenz. Wer an KI denkt, denkt an Algorithmen, Software und Daten. Wer an Cloud Computing denkt, denkt an digitale Dienstleistungen. Die Realität sieht jedoch deutlich physischer aus.

Jede Anfrage an ein Sprachmodell, jede Suchanfrage und jede KI-Anwendung muss in einem Rechenzentrum verarbeitet werden. Diese Rechenzentren benötigen enorme Mengen elektrischer Energie. Sie müssen mit Strom versorgt, gekühlt und mit leistungsfähigen Netzen verbunden werden.

Experten weisen darauf hin, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren in den kommenden Jahren erheblich steigen dürfte und ein großer Teil dieses zusätzlichen Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll. Daraus entsteht eine direkte Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz, Stromnetzen und Industriemetallen.

Die eigentliche Ironie unserer Zeit besteht darin, dass die digitale Revolution eine Renaissance der physischen Welt auslöst. Je mehr Daten verarbeitet werden, desto mehr Strom wird benötigt. Je mehr Strom benötigt wird, desto mehr Infrastruktur muss gebaut werden. Und je mehr Infrastruktur gebaut wird, desto größer wird der Bedarf an Kupfer.

Grafik: Kupferpreis in US-Dollar je Tonne (Lbs)

Kupferoreis
Kupferoreis

Quelle: finanzen.net, 21.07.2026

Die Nachfrage kommt von allen Seiten

Besonders bemerkenswert ist dabei die Breite der Nachfrage. Frühere Rohstoffzyklen wurden häufig von einzelnen Industrien getragen. Heute speist sich die Nachfrage nach Kupfer gleichzeitig aus Stromnetzen, Elektromobilität, Rechenzentren, Energiespeichern, industrieller Elektrifizierung und dem Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Bergbaukonzern BHP erwartet, dass die Welt bis zum Jahr 2035 jährlich rund eine Million Tonnen zusätzliche Kupfernachfrage erzeugen wird. Das entspricht etwa der doppelten Wachstumsrate der vergangenen anderthalb Jahrzehnte.

Genau deshalb erscheint die Eingangs zitierte Aussage von Robert Friedland heute deutlich plausibler als noch vor wenigen Jahren. Vielleicht wird die Welt tatsächlich eine Menge Kupfer benötigen, die noch vor kurzer Zeit unvorstellbar erschien.

Vom Industriemetall zum strategischen Rohstoff

Parallel zu dieser Entwicklung verändert sich die politische Wahrnehmung von Rohstoffen. Pandemie, Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und die zunehmende Konkurrenz zwischen den großen Wirtschaftsräumen haben das Thema Versorgungssicherheit wieder in den Mittelpunkt gerückt.

Die Vereinigten Staaten, Europa, Japan und zahlreiche weitere Staaten investieren inzwischen Milliardenbeträge in die Sicherung kritischer Rohstoffketten. Auch die auf Rohstoffe spezialisierte Fondsgesellschaft Baker Steel beschreibt diesen Wandel treffend: Metalle werden zunehmend nicht mehr nur als Produktionsfaktoren betrachtet, sondern als strategische Güter.

Kupfer nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Es ist weder spektakulär noch selten. Gerade deshalb wird seine Bedeutung häufig unterschätzt. Ohne Kupfer gibt es keine Stromnetze, ohne Stromnetze keine Elektrifizierung, ohne Elektrifizierung keine Energiewende und ohne Energiewende bleiben viele politische und wirtschaftliche Ziele unerreichbar.

Die eigentliche Frage

Die Nachfragegeschichte erscheint inzwischen vergleichsweise klar. Elektrifizierung, Energiewende, Rechenzentren, künstliche Intelligenz und Elektromobilität weisen alle in dieselbe Richtung.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob die Welt künftig mehr Kupfer benötigen wird. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob das Angebot Schritt halten kann. Und genau dort beginnt die eigentliche Herausforderung.

Denn neue Kupferminen entstehen nicht über Nacht. Zwischen der Entdeckung einer Lagerstätte und dem Beginn der Produktion vergehen häufig anderthalb Jahrzehnte oder mehr. Gleichzeitig sinken in vielen bestehenden Minen die Erzgehalte, während Genehmigungen, Finanzierung und Projektentwicklung immer komplexer werden.

Die eigentliche Geschichte des Kupfermarktes handelt deshalb nicht nur von steigender Nachfrage. Sie handelt von der Frage, woher das zusätzliche Kupfer überhaupt kommen soll.

Genau damit beschäftigt sich der zweite Teil dieser Serie, den Sie in einer Woche an gleicher Stelle hier lesen können.



Zum Autor: Tim Bröning ist Diplom-Ökonom und Betriebswirt und bereits seit über 30 Jahren an der Börse und im Finanzmarkt aktiv. Er arbeitete viele Jahre bei der Siemens AG sowohl im Energiebereich als auch für den Zentralvorstand in der Strategie- sowie M&A-Abteilung, wo er sich früh mit Marktanalysen, strategischer Ausrichtung und Unternehmensbewertung beschäftigte. Die letzten 15 Jahre war er ausschließlich in hohen Führungspositionen im Finanzdienstleistermarkt tätig, wo er sich u.a. auf makroökonomische Fragestellungen, die Fondsanalyse und die Fondsauswahl fokussierte. Ein besonderer Fokus gilt seit Jahren dem Rohstoffmarkt. Tim Bröning ist heute selbstständig. Mehr unter www.broening-investment.de

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