Agrarrohstoffe & El Niño: Wo die größten Preisschwankungen drohen

Kerstin Hottner, Head of Commodities bei Vontobel
Rohstoffe

Die Erwartung eines besonders starken El-Niño-Musters sorgt dieses Jahr für größeres Interesse an Agrarrohstoffen. Dabei geht es weniger um die Sorge vor einer generellen Knappheit als vielmehr vor plötzlichen Engpässen in einzelnen Märkten.

07.09.2026 | 10:15 Uhr

Genau dort entstehen die größten Preissprünge, oft verstärkt durch politische Reaktionen wie Exportbeschränkungen, wenn Länder ihre heimische Versorgung absichern wollen.

Am greifbarsten ist das aktuell bei Weizen: Australien steuert auf eine der schwächeren Ernten der letzten Jahre zu, ein trockeneres El-Niño-Muster könnte die Produktion um rund 25% drücken. In den USA bleibt der Winterweizen historisch schwach. Nur 26% der Bestände werden als „gut bis sehr gut“ eingestuft. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit spürbarer Preisbewegungen, sobald neue Wetterdaten oder Ernteberichte überraschen.

Die stärkste El-Niño-Sensitivität sehen wir aber bei den sogenannten Soft Commodities: Zucker wird attraktiver, weil sich ein zuvor komfortabel versorgter Markt Richtung Ausgewogenheit (und potenziell Defizit) bewegt, getrieben durch Brasiliens stärkere Zuckerrohr-Allokation Richtung Ethanol, anhaltende Exportrestriktionen in Indien und Wetterrisiken in Asien.

Kakao bleibt stark angebotsgetrieben: Verschlechterte Aussichten in der Elfenbeinküste treffen auf ein Wetterregime, das Westafrika besonders verwundbar macht. Und bei Kaffee steht die Erwartung einer sehr großen brasilianischen Ernte (rund 75 Millionen Säcke) gegen Erntestörungen, sinkende Bestände und zurückhaltende Verkäufe von Erzeugern. Erfahrungsgemäß begünstigt ein solches Umfeld überdurchschnittliche Volatilität bei den Preisen.

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