Olly Hughes, Managing Director Forestry bei Gresham House, erklärt, warum Waldinvestments Portfolios diversifizieren können und wo zusätzliche Renditequellen entstehen und weshalb Klimawandel und schwache Holzpreise professionelles Management wichtiger machen.
08.10.2026 | 12:30 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Herr Hughes, warum sollten sich institutionelle Investoren gerade jetzt mit Naturkapital und insbesondere Waldinvestments beschäftigen?
Olly Hughes: Das Entscheidende ist, dass Wald mehr bietet als nur eine Basisrendite. Wir sehen langfristig eine sehr robuste fundamentale Entwicklung. Nach unseren Prognosen wird die globale Holznachfrage in den kommenden 20 bis 30 Jahren um rund 80 Prozent steigen, während das nachhaltige Angebot weitgehend konstant bleibt. Gleichzeitig weisen Waldinvestments eine sehr niedrige Korrelation zum allgemeinen Wirtschaftszyklus auf. Hinzu kommen zusätzliche Werttreiber wie die Ergänzung von Waldflächen mit erneuerbaren Energien sowie durch Aufforstung erwirtschaftete CO₂-Zertifikate. Damit entsteht eine Diversität von Renditequellen, die sich in klassischen Anlageklassen nur schwer finden lässt.
Welche Renditen können Anleger derzeit erwarten?
Für ein klassisches europäisches Waldinvestment halten wir eine nominale Nettorendite von ungefähr acht Prozent für realistisch. Darüber hinaus gibt es zusätzliche Ertragspotenziale. Wir bezeichnen das als „Higher Business Use“. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung geeigneter Waldflächen für erneuerbare Energien. Moderne Windturbinen sind inzwischen so groß, dass sich Waldwirtschaft und Windenergie auf derselben Fläche kombinieren lassen. Ein weiterer Bereich ist die Aufforstung. Dort erhalten Investoren nicht nur den Wertzuwachs des Waldes und später die Holzerträge, sondern können zusätzlich vom Markt für CO₂-Zertifikate profitieren.
Acht Prozent wirken attraktiv. Aber Staatsanleihen bieten wieder deutlich höhere Renditen als vor einigen Jahren. Verliert Wald damit seinen Vorteil?
Genau deshalb reicht es nicht mehr aus, ausschließlich die absolute Rendite zu betrachten. Als die Zinsen bei null lagen, war eine Waldrendite von acht Prozent offensichtlich attraktiv. Bei Staatsanleiherenditen von fünf Prozent oder mehr sieht die Rechnung zunächst anders aus. Entscheidend ist aber, was Naturkapital mit dem gesamten Portfolio macht. Unsere Analysen zeigen, dass bereits eine Beimischung von zehn Prozent Naturkapital die risikoadjustierten Eigenschaften eines klassischen europäischen Portfolios verbessern kann. Sharpe Ratio und Sortino Ratio steigen, während bestimmte Risikofaktoren sinken. Wald bringt also weit mehr ins Portfolio als nur seine Basisrendite.
Woher kommt diese geringe Abhängigkeit vom Wirtschaftszyklus?
Ein Baum hat einen besonderen Vorteil: Man muss ihn nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ernten. Bei vielen Agrarprodukten müssen Sie die Ernte einbringen und anschließend verkaufen oder lagern. Sind dagegen die Holzpreise niedrig, können wir den Baum einfach weiter wachsen lassen und die Ernte verschieben. Im folgenden Jahr verfügen wir dann sogar über mehr Holz. Das funktioniert natürlich nicht unbegrenzt, gibt dem Manager aber erhebliche Flexibilität. Gleichzeitig steckt Holzfaser in sehr vielen Produkten. Dadurch besitzt die Anlageklasse auch eine Verbindung zur Inflation.
Momentan sind die Holzpreise allerdings eher schwach. Beunruhigt Sie das?
Die Preise sind derzeit tatsächlich nicht besonders gut. Ein wichtiger Faktor ist die schwache Bautätigkeit. Aber genau hier zeigt sich die Bedeutung des Anlagehorizonts. Bei Waldinvestments geht es weniger darum, ob die Preise heute oder morgen besonders hoch sind. Entscheidend ist die langfristige Entwicklung und die Fähigkeit, den Verkaufszeitpunkt zu steuern. Es kann durchaus Phasen relativ niedriger Ausschüttungen geben, aber der physische Vermögenswert wächst weiter, weil die Bäume weiter wachsen.
Was sind neben den Holzpreisen die größten Risiken?
Natürlich gibt es physische Risiken wie Feuer, Sturm sowie Schädlinge und Krankheiten. Deutschland hat beispielsweise erhebliche Erfahrungen mit Käferschäden gemacht. Der beste Schutz besteht unserer Ansicht nach in Diversifikation. Wir diversifizieren geografisch, über unterschiedliche Baumarten und vor allem über verschiedene Altersklassen. Das Alter der Bäume spielt eine wichtige Rolle: Junge und ältere Bestände reagieren unterschiedlich auf Sturm- und Feuerrisiken. Entscheidend ist deshalb ein aktiv gemanagtes Portfolio und nicht einfach nur der Besitz eines Waldes.
Der Klimawandel dürfte diese Risiken weiter erhöhen. Wie berücksichtigen Sie ihn bei neuen Investments?
Bevor wir investieren, führen wir eine Klimabewertung durch und analysieren, wo Bäume langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit gut wachsen können. Deshalb konzentrieren wir uns besonders auf Regionen in höheren nördlichen und südlichen Breitengraden, darunter das Vereinigte Königreich, Irland und das nördliche Kontinentaleuropa sowie Nordamerika, Australien und Neuseeland. In Teilen Großbritanniens beobachten wir aufgrund wärmerer Winter, feuchter Sommer und längerer Vegetationsperioden bereits stärkeres Wachstum. Gleichzeitig wäre es naiv, die Risiken längerer Trockenperioden, von Feuer oder Stürmen zu ignorieren. Das macht aktives Management umso wichtiger.
Welche Baumarten sind aus Investorensicht derzeit besonders interessant?
Wir konzentrieren uns vor allem auf Nadelhölzer, also beispielsweise Fichten, Tannen und Kiefern. Sie wachsen vergleichsweise schnell und die holzverarbeitende Industrie ist auf diese Arten ausgerichtet. Bei schnell wachsenden Laubhölzern wie Eukalyptus sind wir dagegen zurückhaltender. Diese gehen stärker in Zellstoff- und Holzhackschnitzelmärkte, die derzeit schwieriger sind. Gleichzeitig entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten für Holzfasern. Dazu könnten künftig beispielsweise nachhaltige Flugkraftstoffe gehören.
Wie ist die geografische Aufteilung der Forst-Investitionen von Gresham House?
Europa macht aktuell 52, Nordamerika 38 und Australien mit Asien zehn Prozent aus.
Wie finden Sie überhaupt ausreichend große Waldflächen für institutionelle Portfolios?
Gerade in Europa ist der Markt stark fragmentiert. Viele Flächen befinden sich seit Generationen in Familienbesitz. Wenn diese verkauft werden, kaufen wir teilweise relativ kleine Grundstücke und führen sie zu größeren Portfolios zusammen. In Irland können das beispielsweise zunächst Flächen von zehn oder 15 Hektar sein, aus denen im Laufe der Zeit ein Portfolio von 5.000 oder 6.000 Hektar entsteht. Durch diese Aggregation lässt sich zusätzlicher Wert schaffen. Daneben gibt es gelegentlich große Transaktionen von Familien, Unternehmen oder Fonds.
Ist größer dabei automatisch besser?
Nein. Eine gewisse Größe ist sinnvoll, schon um Maschinen wirtschaftlich einsetzen zu können. Aber andere Faktoren sind mindestens genauso wichtig. Entscheidend ist beispielsweise die Entfernung zum nächsten Verarbeiter. Holz über große Distanzen zu transportieren ist teuer. Auch die Erreichbarkeit eines Waldes spielt eine enorme Rolle. Manchmal kann man zusätzlichen Wert schaffen, indem man benachbarte Flächen kauft und dadurch überhaupt erst eine gute Zufahrt ermöglicht. Und schließlich geht es darum, das Holz zum richtigen Zeitpunkt, an den richtigen Käufer und in der richtigen Sortierung zu verkaufen.
Sie sprechen viel über aktives Management. Reicht es also nicht, einfach einen Wald zu kaufen und Jahrzehnte zu warten?
Nein, dieses passive Modell funktioniert aus meiner Sicht heute nicht mehr. Investoren sollten ihren Wald aktiv bewirtschaften und verschiedene Werttreiber nutzen. Das ist gerade für Family Offices interessant. Wir sehen dort steigendes Interesse, zum einen wegen der Nachhaltigkeit, zum anderen aufgrund der zusätzlichen Renditechancen. Neben dem klassischen Holzertrag können wie erwähnt erneuerbare Energien oder CO₂-Zertifikate eine Rolle spielen. Dazu kommen werden in Zukunft vermehrt Vergütungen für die Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität. Allerdings muss man klar sagen: Einige dieser zusätzlichen Ertragsquellen befinden sich noch in einem frühen Stadium und besitzen entsprechend einen spekulativeren Charakter.
Wie können institutionelle Anleger oder Family Offices konkret investieren?
Unser bevorzugtes Modell sind langfristige geschlossene Fonds, in denen Investoren von Diversifikation und Skaleneffekten profitieren. Daneben bieten wir individuelle Mandate an, über die Investoren eigene Waldportfolios aufbauen können, sowie Co-Investments an der Seite unserer Fonds. Bei einem individuellen Mandat würde ich allerdings unter etwa 50 Millionen Euro nicht anfangen. Darunter ist es schwierig, genügend Diversifikation und Skaleneffekte zu erreichen. Für bestimmte Fonds liegt der Mindestanlagebetrag dagegen bei 100.000 Euro.
Welche Rolle wird Naturkapital Ihrer Ansicht nach künftig in institutionellen Portfolios spielen?
Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren ganz selbstverständlich über Aktien, Anleihen, Private Equity, Infrastruktur und Naturkapital sprechen werden. Die Anlageklasse verbindet reale Vermögenswerte mit biologischem Wachstum und einer relativ geringen Abhängigkeit vom Konjunkturzyklus. Gleichzeitig bietet sie einen gewissen Inflationsbezug und zusätzliche Werttreiber. Deshalb glaube ich nicht, dass Naturkapital nur ein Nachhaltigkeitsthema ist. Es kann vielmehr einen eigenständigen Beitrag zur Struktur und zur Diversifikation eines langfristigen Portfolios leisten.
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