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Aktien, Immobilien, Gold - das sind die Favoriten 2022 der Experten - Teil 2 Aktienmärkte

Würgen Inflation und steigende Zinsen die Börse ab? Oder ist noch Luft nach oben? Gottfried Heller, Robert Halver und Marcus Poppe beantworten Fragen zu Aktien, ETFs, Gold, Kryptos - und nennen die Favoriten 2022.

13.01.2022 | 12:15 Uhr von «S. Bauer, W. Ehrensberger, J. Groß, S. Rullkötter»

Hier geht es zu Teil 1

Aktienmärkte

Der DAX ist 2021 sehr gut gelaufen. Wie hoch ist das Risiko von Rückschlägen?

Halver: Grundsätzlich gibt es ein Rückschlagspotenzial. Wir haben Corona in allen Varianten mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Logistikketten. Es gibt die Angst vor der Zinswende, die ich aber nicht als große Gefahr für die Märkte sehe, da die Geldpolitik wegen der hohen Verschuldung vieler Staaten keine großen Handlungsoptionen hat. Und wir haben geostrategische Probleme etwa zwischen den USA und China. Korrekturen am Aktienmarkt von zehn Prozent sind da immer drin. Ich gehe aber nach wie vor davon aus, dass durch die Niedrigzinsen der Anlagenotstand der Investoren weiterbesteht und sich die Konjunktur wieder festigt.

Wo sehen Sie den DAX am Jahresende 2022?

Halver: Ich sehe ihn oberhalb von 17.000 Punkten.

Heller: Er wird höher liegen als zurzeit, aber der Zuwachs dürfte geringer ausfallen als 2021. Angesichts der Vielzahl an Unwägbarkeiten, die uns 2022 erwarten, insbesondere die Wende in der Geldpolitik, halte ich es für unseriös, eine Punktprognose zu machen.

Wo sehen Sie Einstiegschancen bei Aktien, welche deutschen Werte soll ich Ihrer Meinung nach kaufen?

Halver: Klimaschutzwerte, ausgewählte Hightechwerte, aber auch zyklische Titel aus der Industrie. Im nächsten Jahr sollte die Konjunktur wieder Teile dessen gutmachen, was in diesem Jahr nicht abgearbeitet werden konnte. 2022 dürfte ein Börsenjahr werden, das Zykliker etwa aus Maschinen- oder Automobilbau stützt. Auch die Banken könnten profitieren, weil die Konjunktur etwas besser läuft und es weniger Kreditrückstellungen gibt, auch die Zinsmarge könnte etwas steigen. Und: Wenn wir Corona im Griff haben, dann heißt es mit aller Kraft auf Reiseaktien, Fluggesellschaften und -betreiber zugehen.

Der DAX wurde von 30 auf 40 Werte zulasten des MDAX aufgestockt. Wie sehen Sie diese Neuerungen?

Heller: Dem DAX hat es sich sicher gutgetan. Die Streuung ist breiter geworden, was ja auch für ETFs wichtig ist, und die Struktur hat sich mit der Aufnahme von mehr Unternehmen aus den sogenannten Zukunftsbranchen verbessert. Dadurch gewinnt der DAX auch international wieder etwas mehr an Gewicht. Beim MDAX sieht es da natürlich schlechter aus. Er hat einige reizvolle Aktien verloren, entsprechend hat er sich seit der Indexumstellung etwas schwächer als der DAX entwickelt. Das ist ungewöhnlich, in der Vergangenheit hatte er ja deutlich besser abgeschnitten als der DAX. Beim SDAX sieht es ähnlich aus wie beim MDAX. Diese beiden Nebenwerteindizes haben aber wieder bessere Chancen als der DAX, sobald die deutsche Wirtschaft wieder eine schnellere Gangart einschlägt. Denn MDAX und SDAX sind recht konjunkturabhängig.

Die Börsenkurse steigen schon lange, in den USA gibt es bald Zinserhöhungen. Sollte man jetzt noch Aktien kaufen?

Halver: Ja, aber spezielle. Wir haben keine große Zinswende, sondern maximal ein kleines Zinswendchen vor uns. Besser als den breiten Markt finde ich einzelne Branchen. Der Klimaschutzbereich, der politisch unterstützt wird, aber auch Hightechwerte, nicht nur Stay-at-Home-Aktien, sind interessant, etwa Cloud-Computing oder Robotics. Da gibt es sehr viele langfristig valide Geschäftsmodelle.

Viele habe gutes Geld mit US-Techs verdient, etwa mit Apple und Amazon. Soll man Gewinne mitnehmen oder die Positionen stehen lassen?

Halver: Teilgewinne mitnehmen und Unternehmen aus der zweiten Techreihe kaufen. Da wäre etwa ein ETF eine Möglichkeit. Die großen Techs haben aber sehr nachhaltige Geschäftsmodelle, abschreiben sollte man sie trotz der hohen Kursgewinne nicht.
Heller: Im Zuge der Konjunkturbelebung nach Corona haben Notenbanken und Regierungen immense Geldsummen wie nie zuvor in die Wirtschaft gepumpt, und die Aktienmärkte konnten eigentlich nur nach oben gehen. Die Achillesferse ist, dass es zum Teil zu maßlosen Kursübertreibungen gekommen ist, insbesondere bei den großen US-Technologiekonzernen und bei Pharmawerten. Das Gleiche gilt für viele Neuemissionen und natürlich für die Bitcoin-Hysterie.

Tesla ist sehr gut gelaufen, die Aktien deutscher Autobauer sind viel günstiger. Sind das Ihrer Meinung nach Einstiegskurse?

Halver: Längerfristig ja, wenn die Logistikprobleme allmählich aufhören und sich die Konflikte mit China nicht verschärfen. Ich würde deutsche Autobauer durchaus als attraktiv ansehen. Vielleicht kommt es zum Börsengang von Porsche, das würde enorme Werte freisetzen. Im kommenden Jahr wird der Teilemangel allmählich enden, und die Auslieferungen werden steigen.

Welche Branchen favorisieren Sie unter Bewertungsgesichtspunkten?

Halver: Anleihen sind extrem teuer, Aktien im Vergleich günstiger. Aber under value, unter Wert, ist heute nichts mehr in der Aktienwelt. Wonach muss man schauen? Nach den langfristigen Trends: Hightech, Klimaschutz, Industrie, gefallene Corona-Aktien.

Poppe: Auch wenn das auf den ersten Blick überraschend klingen mag, den Sektor Öl. Momentan ist da auf Anlegerseite viel Skepsis da angesichts des wichtigen und unumkehrbaren Wegs hin zu erneuerbaren Energien. Die Frage ist: Wie lange braucht man Öl noch? Die Fundamentaldaten sehen sehr robust aus: Seit dem Tiefpunkt der Corona-Krise ist die Nachfrage wieder gut zurückgekommen, was jetzt noch fehlt, ist der Flugverkehr. In der Summe wächst die Ölnachfrage. Gleichzeitig haben die Ölkonzerne ihre Investitionen in den vergangenen fünf bis sieben Jahren zurückgefahren, weil Öl endlich ist und das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spielt. Deshalb bekamen die Konzerne von ihren Anlegern gesagt, investiert nicht in neue Produktionsstandorte, schüttet das Geld lieber aus oder investiert in erneuerbare Energien. Das heißt: In diesem Zeitraum, wo man Öl noch braucht, kann der Ölpreis durchaus steigen und können die Ölunternehmen sehr viel verdienen. Damit ist der Sektor zwar umstritten, aber aus rein fundamentaler Sicht sehr attraktiv. Wobei man die alten Bewertungen wahrscheinlich nicht wieder sehen wird.

Wie sehen Sie es, dass einige Ölkonzerne stark in erneuerbare Energien investieren?

Poppe: Als Bürger finde ich es geschickt, dass die Politik diesen Umstieg fördert. Als Anleger sehe ich aber, dass hier Geld, das im Kerngeschäft mit einer deutlich zweistelligen Rendite auf das eingesetzte Kapital verdient wurde, in einen Bereich investiert wird, wo die Rendite mittelfristig deutlich niedriger ist. Das gefällt eigentlich keinem Investor und erklärt auch den Bewertungsunterschied zwischen europäischen und amerikanischen Energietiteln, die nicht so stark auf Grün setzen.

Was ist mit Unternehmen, die von der Energiewende profitieren?

Poppe: Dekarbonisierung wird in den nächsten Jahren ein großer Trend sein, der insbesondere dem Industriesektor helfen wird, weil es da viele Profiteure gibt. Bei diesen großen Programmen dauert es aber immer relativ lang, bis das Geld dann bei den Firmen ankommt. Aber wenn die Summen, beispielsweise bei dem Build-Back-Better-Programm der USA, wirklich so kommen, dann kann das in manchen Bereichen für sehr gutes Wachstum sorgen, und das auch für mehrere Jahre. Infrastruktur wird in den nächsten Jahren Rückenwind haben, deshalb: dabeibleiben.

Bei Ökoaktien gab es einen Hype, viele sind inzwischen wieder günstiger geworden, etwa Nordex oder Encavis. Soll ich hier jetzt einsteigen?

Halver: Es würde mich nicht irritieren, wenn es hier einmal runtergeht. Das sind längerfristige Anlagen, gerade auch weil der politische Druck beim grünen Umbau der Wirtschaft immer stärker wird. Wasserstoffaktien bleiben auch ein Thema.

Die Energiewende verursacht einen enormen Rohstoffbedarf. Soll man da lieber auf die großen Player auf Unternehmensseite setzen oder auf kleine Spezialisten?

Poppe: In kleineren Nischen wie zum Beispiel Wasserstoff gibt es einzelne Firmen, die sehr schwankungsanfällig sind, mit denen man aber auch schon viel Geld verdienen konnte. Ich wäre da immer sehr vorsichtig, auf solche Hypes zu setzen. Da muss man gute Nerven haben. Da kann es Verdoppler und Verdreifacher geben, aber die Kurse werden sehr schwankungsanfällig sein. Als etwas vorsichtigerer Anleger würde ich da schon auf die etwas größeren Namen gehen. Außerdem zeigt beispielsweise die Situation der Windturbinenhersteller im letzten Jahr: Auch in einem strukturellen Boommarkt kann es fundamentale Rückschläge geben. Das sollte man nur machen, wenn man viele Schwankungen ertragen kann.

Welche Branchen sind überhaupt noch attraktiv?

Poppe: Fundamental sehr gut sieht der Pharmasektor aus. Er weist sehr hohe Qualitätscharakteristika auf und punktet auch bei Nachhaltigkeitsaspekten. Hier gab es in den letzten Monaten die Befürchtung, dass die Regulierung zunimmt, besonders in den USA, wo das Thema Medikamentenpreise in Wellen immer wieder auf die Tagesordnung kommt. Diese strengere Regulierung ist aber bis jetzt nicht eingetreten, und aktuell sieht es auch nicht danach aus. Gemessen an seinem Wachstum ist dieser Sektor darum auch attraktiv.

Welche Anlagechancen ergeben sich durch das über 550 Milliarden Dollar schwere Infrastrukturpaket von US-Präsident Biden?

Heller: Sobald es richtig anläuft, wird das der Konjunktur der USA und abgeschwächt auch seiner Handelspartner einen kleinen Schub verleihen. Die geplanten Maßnahmen wie die Modernisierung von Straßen, Brücken und Häfen sowie die Verbesserung des Klimaschutzes sind recht arbeitsintensiv. Das dürfte zuerst dem amerikanischen Arbeitsmarkt zugutekommen und damit längerfristig den US-Konsum stützen, von dem auch viele europäische Firmen profitieren. An der Wall Street werden die typischen Infrastrukturanbieter, insbesondere Bauunternehmen und ihre Zulieferer, in den Fokus der Anleger geraten, so wie das in den letzten Wochen schon ansatzweise geschehen ist. Aber auch ausländische Unternehmen haben hier durchaus Chancen. Mit ETFs auf Infrastrukturanbieter, von denen fast ein Dutzend an deutschen Börsen gehandelt wird, lässt sich der gesamte Sektor bequem und breit gestreut abdecken.

Weltweit sollen viele Milliarden in Infrastruktur investiert werden. Sind die Aktien schon zu gut gelaufen oder kann man noch einsteigen?

Poppe: Das muss man etwas differenzieren. Bei klassischen Infrastrukturwerten wie Mautstraßen, Flughäfen, Pipelines oder Stromnetzen gab es sehr unterschiedliche Entwicklungen. Flughäfen und Mautstraßen sind Corona-bedingt nicht so gut gelaufen. Wenn wir die Pandemie irgendwann wirklich hinter uns lassen, sehe ich keinen Grund, warum die Mobilität nicht wieder zunehmen sollte. Da braucht man ein bisschen Geduld, aber mittelfristig halte ich solche Anbieter für attraktiv.

Wie sieht es bei Biotechaktien aus?

Halver: Wir haben es bei Biontech gesehen: Die Geschäfte laufen gerade super, die verkaufen momentan auch für die Booster-Impfung massiv. Aber bei Biotech zählt die zukünftige Pharmapipeline. Sobald sich auf Basis der mRNA-Technologie Behandlungen gegen Krebs und andere Krankheiten abzeichnen, setzt die Hausse wieder ein. Und die Konkurrenz ist groß: Nachrichten über Medikamente gegen Covid setzen die Impfkonzerne unter Druck. Im Bereich der Biotechnologie kann man wegen der hohen Volatilitäten auch zwischenzeitlich enttäuscht werden.

Teil 3 Gold/Rohstoffe erscheint am 14.01.2022

Dieser Artikel erschien zuerst am 09.01.2022 auf boerse-online.de

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