• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Schweizer Unternehmen setzen auf KI

Künstliche Intelligenz zieht bei Schweizer Firmen ein
Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist in der Schweizer Wirtschaft angekommen. Von einer flächendeckenden Transformation kann jedoch noch keine Rede sein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Unternehmensbefragung von UBS und dem Marktforschungsinstitut Intervista. Demnach nutzen bereits sechs von zehn Schweizer Unternehmen KI, meist allerdings nur in einzelnen Anwendungsbereichen.

05.06.2026 | 11:00 Uhr

Für die Studie wurden rund 2.500 Unternehmen aller Größenklassen, Branchen und Regionen befragt. Das Ergebnis zeichnet das Bild einer schrittweisen Entwicklung. „Viele Firmen nutzen KI, wenige systematisch“, sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen setze die Technologie entlang sämtlicher Geschäftsprozesse ein – von der Entscheidungsfindung über die Produktentwicklung bis hin zur Kundenbetreuung.

Während kleinere Unternehmen KI vor allem für Analysen einsetzen, nutzen größere Firmen die Technologie verstärkt zur Automatisierung von Geschäftsprozessen. Besonders verbreitet ist der Einsatz in digitalisierten Branchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie oder im Finanzsektor.

Unternehmen sehen mehr Chancen als Risiken

Die Mehrheit der Unternehmen bewertet künstliche Intelligenz positiv. Vor allem Produktivitätssteigerungen, effizientere Prozesse und bessere Entscheidungsgrundlagen gelten als zentrale Vorteile.

Gleichzeitig erkennen viele Firmen die Gefahr, im Wettbewerb zurückzufallen, wenn sie den technologischen Wandel verpassen. Dennoch überwiegen insbesondere in stark digitalisierten Branchen die Chancen gegenüber den Risiken.

Zu den größten Herausforderungen zählen laut Umfrage Datenschutz- und Sicherheitsfragen sowie die Sorge vor Fehlentscheidungen aufgrund fehlerhafter Daten oder Algorithmen.

Jedes dritte Unternehmen verzichtet auf KI

Trotz der zunehmenden Verbreitung bleibt die Zurückhaltung vieler Unternehmen groß. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten plant, den Einsatz von KI in den kommenden fünf Jahren auszubauen oder erstmals einzuführen. Gleichzeitig nutzt knapp ein Drittel der Unternehmen weder heute KI noch plant dies künftig.

UBS-Ökonom Pascal Zumbühl warnt davor, diese Entwicklung zu unterschätzen. Unternehmen aus weniger digitalisierten Branchen könnten Wettbewerbsnachteile erleiden, falls sich künstliche Intelligenz langfristig zu einer Basistechnologie entwickle – ähnlich wie einst der Personal Computer.

Als Gründe für die Zurückhaltung nennen die Unternehmen vor allem Zweifel am konkreten Nutzen sowie die Einschätzung, dass sich ihre Geschäftsmodelle nur begrenzt für den Einsatz von KI eignen.

Arbeitsplätze bleiben überwiegend erhalten

Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung der Unternehmen zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse fallen deutlich weniger dramatisch aus als viele öffentliche Debatten vermuten lassen.

Zwar erwarten rund 30 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen einen Rückgang der Beschäftigung. Gleichzeitig rechnen jedoch nur etwa zehn Prozent mit einem Beschäftigungsaufbau, während die Mehrheit von stabilen Mitarbeiterzahlen ausgeht.

Zwei Drittel der Unternehmen sehen KI vor allem als Unterstützung für ihre Beschäftigten. Lediglich rund zehn Prozent betrachten die Technologie primär als Ersatz für Arbeitskräfte.

Allerdings dürfte sich das Anforderungsprofil verändern. Gefragt seien künftig stärker IT-Kenntnisse, analytische Fähigkeiten, Kreativität, soziale Kompetenzen und Führungserfahrung. Dagegen rechnen die Unternehmen mit einem geringeren Bedarf an klassischen Sprach- und Kommunikationskompetenzen.

Konjunktur wichtiger als KI

Für die kurzfristige Entwicklung der Schweizer Wirtschaft misst UBS geopolitischen Faktoren derzeit deutlich größere Bedeutung bei als künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt steht die Lage rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt.

Sollte sich die Situation entspannen und die Ölversorgung normalisieren, erwartet UBS für die Schweizer Wirtschaft ein Wachstum von 0,7 Prozent im laufenden Jahr und 1,4 Prozent im Jahr 2027. Die Arbeitslosenquote dürfte in beiden Jahren bei rund 3,1 Prozent liegen.

Eine längere Blockade der Meerenge könnte hingegen sowohl die Weltwirtschaft als auch die Schweizer Konjunktur deutlich stärker belasten und im Extremfall eine Rezession auslösen.

SNB dürfte vorerst stillhalten

Vor diesem Hintergrund rechnen die UBS-Ökonomen kurzfristig nicht mit steigenden Zinsen der Schweizerischen Nationalbank. Die Inflation dürfte trotz höherer Energiepreise mit rund 0,6 Prozent niedrig bleiben.

Eine Normalisierung der Geldpolitik sei frühestens ab Mitte 2027 denkbar. Sollte sich die geopolitische Lage verschärfen und die Wirtschaft stärker belasten, könnte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen sogar steigen.

Franken könnte Aufwertungspause einlegen

Auch beim Schweizer Franken erwartet UBS vorerst keine weitere deutliche Aufwertung. Gegenüber dem US-Dollar dürften die vergleichsweise hohen US-Zinsen stabilisierend wirken. Zum Euro rechnen die Volkswirte sogar mit einer leichten Abschwächung des Frankens, sofern sich die Konjunktur in der Eurozone verbessert und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung zurückkehrt. (jk)

Diesen Beitrag teilen: