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Künstliche Intelligenz und ihre volkswirtschaftlichen Langfristeffekte

Künstliche Intelligenz und ihre volkswirtschaftlichen Langfristeffekte
Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) ist derzeit in aller Munde (insbesondere Agentic Artificial Intelligence). Nachdem OpenAI mit ChatGPT das Feld der KI-Anbieter lange dominiert hat, dreht der Trend aktuell zugunsten von Gemini (Google) und Claude (Anthropic).

20.05.2026 | 09:29 Uhr

Das wohl spannendste Projekt derzeit ist „Claude Mythos“ – eine leistungsfähige Sicherheits-/Cyber-KI, die noch nicht öffentlich freigegeben wurde. Anthropic behauptet, Mythos finde kritische Sicherheitslücken und könne komplexe Cyberangriffe simulieren, was am Browseranbieter „Firefox“ demonstriert wurde. Auf der anderen Seite könnten diese KI-Tools großen Schaden anrichten, wenn sie in die falschen Hände geraten.

Entwicklung der prozentualen KI-Nutzung am gesamten Traffic Share
Entwicklung der prozentualen KI-Nutzung am gesamten Traffic Share


Wir wollen uns in diesem Artikel auf die langfristigen, makroökonomischen Auswirkungen durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz fokussieren und dessen Implikation auf die Portfolios. Aktuell wird massiv in den Ausbau von Rechenzentren investiert. Die jährlichen Investitionsausgaben der Hyperscaler könnten 2027 das Volumen von 1 Billion USD überschreiten und sich gegenüber 2025 mehr als verdoppeln:

Entwicklung der Investitionsausgaben der Hyperscaler
Entwicklung der Investitionsausgaben der Hyperscaler


Diese massiven Investitionen erhöhen nicht nur die Gewinne der Ausrüstungsfirmen, sondern steigern auch den Energieverbrauch von durchschnittlich ca. 25 Gigawatt Dauerleistung im Jahr 2026 auf knapp 50 Gigawatt im Jahr 2030 – einen Wert, der nahezu der durchschnittlichen Dauerleistung Deutschlands entspricht. Dieser Anstieg im Energieverbrauch dürfte inflationäre Effekte haben. 

 Der designierte FED-Chef Kevin Warsh argumentiert hingegen, dass KI die Wettbewerbsfähigkeit steigere und eine "significant disinflationary force" darstelle. Demnach könnte der Einsatz von KI langfristig zu strukturellen Preisrückgängen führen, was Zinssenkungen begünstigen würde. 

 Das Blackrock Investment Institute skizzierte im April 2026 einen möglichen Verlauf der inflationären und disinflationären Effekte des KI-Ausbaus. Demnach sei zunächst mit einem inflationären Impuls zu rechnen, bevor die Produktivitätssteigerungen ab 2035 zu einer reduzierten Inflation führen könnten:

Einfluss von KI-Investments auf die US-Inflation
Einfluss von KI-Investments auf die US-Inflation


Eine große Sorge der Arbeitnehmer ist, dass ihr Job durch den Einsatz von KI rationalisiert und langfristig überflüssig werden könnte. Diese Sorge ist mit Blick auf die aktuellen Daten durchaus berechtigt. In den USA fallen laut der Umfrage von Challenger, Gray & Christmas Inc. derzeit ca. 25% aller Arbeitsplatzverluste auf den Einsatz von KI zurück. Dies markiert einen neuen Höchstwert und zeigt, dass Unternehmen gewillt sind, ihre Produktivität durch den Einsatz von KI zu erhöhen:

Angekündigter Arbeitsplatzabbau von KI
Angekündigter Arbeitsplatzabbau von KI


Wie stark wird der US-Konsum unter der erhöhten Arbeitslosigkeit leiden? Oder könnte KI dazu beitragen, den selbst verursachte Fachkräftemangel zu reduzieren? 

Historisch führten technologische Innovationen zwar häufig zu Arbeitsplatzverlusten in einzelnen Branchen, langfristig entstanden jedoch neue Industrien, Beschäftigungsfelder und damit auch neue Konsumnachfrage. Die Industrialisierung verdrängte handwerkliche Berufe, schuf aber Fabrikarbeit und später eine konsumstarke Mittelschicht. Ähnlich automatisierte die Computerisierung ab den 1980er-Jahren zahlreiche Verwaltungs- und Routinetätigkeiten, gleichzeitig entstanden jedoch Millionen neuer Jobs im IT- und Dienstleistungssektor. 

Bei KI besteht jedoch das Risiko, dass dieser Anpassungsmechanismus schwächer ausfällt. Besonders betroffen sind gut bezahlte „White-Collar“-Berufe wie Analysten, Juristen, Entwickler oder Backoffice-Mitarbeiter. Wenn Produktivitätsgewinne vor allem bei Technologieunternehmen und Kapitalbesitzern anfallen, könnte die Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten unter Druck geraten. Da der Konsum den größten Bestandteil westlicher Volkswirtschaften ausmacht, wäre eine Schwächung der Mittelschicht makroökonomisch problematisch. Dies könnte langfristig zur Entstehung eines sogenannten „Ghost GDP“ führen – einer Situation, in der die Produktivität deutlich steigt, die Endnachfrage jedoch schwach bleibt. 

CitriniResearch hat mit dem Artikel „The Consequences of Abundant Intelligence“ für viel Aufmerksamkeit gesorgt, der einen sehr düsteren Ausblick für das Jahr 2028 zeichnet. Darin wird beschrieben, dass die KI zu deutlichen Produktivitätsgewinnen führt, jedoch mit einer deutlich gestiegenen Arbeitslosenquote einhergeht, wodurch das Wachstum in diesem Szenario nie in der Realwirtschaft ankommt. 

Entscheidend wird daher sein, ob KI neue Einkommensquellen und Beschäftigungsfelder schnell genug schaffen kann, um Konsum und langfristiges Wirtschaftswachstum zu sichern. Dabei wird sicherlich auch die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen wieder aufflammen, um soziale Stabilität zu gewährleisten. Erste Anzeichen hierfür kommen bereits aus Südkorea, wo ein hochrangiger Berater des Präsidenten eine Diskussion um eine „citizens dividend“ bzw. „national dividend” angestoßen hat. Der Vorschlag sieht vor, dass zusätzliche Steuereinnahmen aus dem KI-Boom an die Bevölkerung zurückgegeben werden. Ziel wäre es, der Gesellschaft eine Partizipation an den KI-Erträgen zu ermöglichen, da KI-Innovationen auch durch staatliche Bildung, öffentliche Forschung und Infrastruktur ermöglicht wurden. 

Was ist unsere Erwartung? 

Wir gehen davon aus, dass die hohen Investitionen in Rechenzentren in diversen Bereichen vorerst zu Knappheiten führen werden, weshalb zunächst mit einem gesamtwirtschaftlich zunehmenden Inflationseffekt zu rechnen ist. Disinflationäre Effekte sollten hingegen nachgelagert entstehen, sobald die KI-Anwendungen die Produktivität deutlich steigern und die Lohnstückkosten senken. 

 Zwar gibt es in zahlreichen Ländern einen Fachkräftemangel, welcher durch den strategischen Einsatz von KI abgemildert werden könnte. Dennoch sind bereits heute erste Negativeffekte auf den Arbeitsmarkt sichtbar, was tendenziell zu steigenden Arbeitslosenquoten führen könnte. Höhere Arbeitslosenquoten dürften den Konsum belasten und unseres Erachtens die Schere zwischen arm und reich weiter öffnen (Stichwort: „K-shaped Economy“). Inwieweit sich der schwächelnde Konsum auf den Aktienmarkt auswirkt ist eher unklar, da der S&P 500 die US-Wirtschaft mittlerweile nur noch in Teilen repräsentiert und von Produktivitätssteigerungen profitieren sollte. Die sektorale Ausrichtung wird dabei entscheidend sein, denn aktuell zeigt sich bereits eine große Schere zwischen Konsumaktien sowie Softwareaktien auf der einen Seite und Halbleiteraktien auf der anderen Seite. Während derzeit der Fokus noch auf sogenannten KI-Ausrüstern liegt, dürfte sich dieser im Verlauf auf KI-Anwender verlagern, die von Effizienzgewinnen profitieren können. 

Wir halten daher an unserer strukturellen Untergewichtung nominaler US-Duration und Übergewichtung realer US-Duration (Inflation Linked Bonds) fest. Derzeit sehen wir trotz einer Konsumabschwächung keine negativen Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt. Vielmehr sollte hier der Fokus auf den aktuell beginnenden Monetarisierungstrend der KI-Unternehmen gelegt werden. 


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