TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: der Goldpreis.
06.07.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Gold unter 4.000 US-Dollar: Droht jetzt der Ausverkauf? So oder ähnlich klangen die Schlagzeilen in der vergangenen Woche. Nun ja, das mit dem Ausverkauf ist so eine Sache. Denn was passiert, wenn Sie an die Fensterscheibe eines Geschäfts in großen Lettern AUSVERKAUF pinnen? Richtig, die Schnäppchenjäger rennen Ihnen die Bude ein. So scheint es auf dem Goldmarkt im Moment auch zu sein. Laut dem aktuellen Bericht des World Gold Council passierte dies in der vergangenen Woche in bemerkenswerter Weise in einem sehr auffälligen Rhythmus: Während der Handelszeiten in den USA wurde Gold verkauft. Während der asiatischen Handelszeiten wurde Gold gekauft – und zwar gerne zu einem Preis von etwas über oder unter 4.000 US-Dollar. Käufer waren in großem Stil Notenbanken. Aber nicht nur.
Mit anderen Worten: In den USA, wo Geschäftsleute vor allem darüber nachdenken, wie sie ihre nächsten Quartalszahlen verbessern können, stößt man Gold derzeit ab. Gründe dafür könnte man sicher in ausreichender Zahl nennen: ein Fed-Chef, der über Zinserhöhungen nachdenkt, zum Beispiel. Oder die zuletzt ansteigenden US-Anleiherenditen. Da wäre da noch der zurzeit starke Dollar, ein klassischer Indikator für einen niedrigeren Goldpreis. Ach ja, dann ist da noch die Hoffnung auf eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Wobei diese Sicht der Dinge bei den grundsätzlich himmelhochjauchzend konjunkturoptimistischen US-Amerikanern eigentlich nicht besonders erwähnenswert ist. Also weg mit dem Gold.
In Asien dagegen, wo die Menschen traditionell über längere Zeithorizonte hinweg denken und handeln, sieht man in Gold zum derzeitigen Preis ein gutes Investment für die Zukunft. Auch dafür gibt es gute Gründe. Zum Beispiel die seit Jahren steigenden Produktionskosten. Aktuell liegen diese im Durchschnitt bei etwas unter 2.000 US-Dollar pro Feinunze. Das ist wohlgemerkt der Preis, zu dem Minengesellschaften das Edelmetall aus dem Boden holen. Zu diesem Zeitpunkt ist noch keine Unze über Land transportiert, weiterverkauft und gelagert worden. Wer sehr langfristig denkt, sieht die Entwicklung dieser Produktionskosten und deckt sich rechtzeitig ein. Nur einmal so, um die Dimension der Preissteigerung der Produktionskosten zu verdeutlichen: Vor fünf Jahren mussten die Minengesellschaften im Durchschnitt nur 1.000 US-Dollar für die Förderung einer Feinunze Gold aufwenden. Die weltweit anziehende Inflation hinterlässt also auch beim Goldpreis ihre Spuren und ist einer von mehreren Gründen für die Goldrally des Jahres 2025.
Zwar ist der Preis zuletzt von über 5.000 auf rund 4.000 US-Dollar zurückgekommen, doch das ist in Asien kein Grund, aus Gold zu flüchten. Im Gegenteil: Insbesondere in Indien wird Gold in großem Stil in der Schmuckindustrie verarbeitet. Die Branche musste im vergangenen Jahr erfinderisch werden, um ihre Kundschaft zu bezahlbaren Preisen beliefern zu können. Jetzt wird wieder kräftig eingekauft. Das Preisniveau gilt als gut. Sollte Gold noch deutlicher unter 4.000 US-Dollar sinken, dürfte die Nachfrage nach dem Edelmetall noch einmal deutlich steigen und den Goldpreis damit stützen. Davon geht auch der World Gold Council aus.
Und dann wäre da noch ein Paradoxon zu klären: Gold gilt ja eigentlich als Krisenwährung. Warum, fragt man sich da, ist der Goldpreis ausgerechnet während des Krieges am Golf unter Druck geraten? Dafür könnte es unter anderem zwei Gründe geben: Erstens ist in Krisensituationen oftmals zu beobachten, dass Gold verkauft wird, um Gewinne mitzunehmen und schnell Liquidität im Portfolio zu schaffen. Schließlich haben große Investoren nicht selten offene Positionen am Terminmarkt zu schließen, für die sie plötzlich eine größere Liquidität benötigen. Zweitens kommt in diesem speziellen Fall hinzu, dass der US-Dollar vom höheren Rohölpreis sowie insgesamt von höheren Preisen bei Rohstoffen profitiert hat. An der Terminbörse wird eben mit US-Dollar bezahlt. Werden Rohstoffe teurer, steigt also auch der Bedarf an US-Dollar – und damit dessen Kurs. Und so schließt sich der Kreis der aktuell paradoxen Situation: Eine Beruhigung der Krise am Golf und damit auch eine Normalisierung der Weltwirtschaft und der Rohstoffpreise hätte entgegen der gängigen Theorie, dass Gold vor allem eine Krisenwährung ist, vermutlich einen positiven Effekt auf den Goldpreis. Denn ein Zusammenhang bleibt: Ein schwacher Dollar bedeutet einen steigenden Goldpreis. Schon allein deshalb, weil asiatische Investoren, die sehr große Positionen an US-Staatsanleihen in ihren Depots halten, dann in langfristig sicherere Alternativen flüchten – und damit den Trendwechsel weg vom Dollar hin zum Gold selbst befeuern.
Fazit: In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob der kurzfristige Verkauf oder der langfristig angelegte Kauf von Gold derzeit die bessere Idee ist.
Am Dienstag findet im Gebäude der IG Bau eine Pressekonferenz des Wohnungsbau-Instituts ARGE und des Bauforschungsinstituts IFB statt. Thema: Die Kritik am System der Normen. Hintergrund: Bauforschungsinstitute kritisieren die Normen-Flut. Als Beispiele benennen ARGE und IFB Normen als Kostentreiber im Wohnungsbau und Neubau-Bremsen sowie die DIN-Normen in Deutschland. Das Wohnungsbau-Institut und das Bauforschungsinstitut fordern im Rahmen ihrer 1. Deutschen Baunormen-Konferenz eine „Radikalkur bei Baunormen“.
Am Mittwoch urteilt der Europäische Gerichtshof zur EU-Einstufung von Apple als "Torwächter" bei Plattformdiensten. Hintergrund: Die EU-Kommission hat den App Store, das Betriebssystem iOS und den Browser Safari von Apple als zentrale Plattformdienste eingestuft, die als wichtiges Zugangstor zu Verbraucherinnen und Verbrauchern fungieren. EU-Regeln nach dem Digital Markets Act (DMA) sehen für solche sogenannten Torwächter eine Reihe von Pflichten und Verboten vor. Apples iMessage behandelt die EU-Kommission zudem als sogenannten nummernunabhängigen interpersonellen Kommunikationsdienst. Das bedeutet, dass für den Dienst eine Einstufung als Torwächter droht, sobald bestimmte Schwellenwerte überschritten werden. Apple wehrt sich vor Gericht gegen die Entscheidungen der EU-Kommission.
Am Donnerstag findet im Steigenberger Frankfurter Hof ein Pressegespräch des Bankenverbandes BdB zum Thema Wettbewerbsfähigkeit und Regulatorik statt. Es geht dabei um den Bericht der Europäischen Kommission zur Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors, der Mitte Juli veröffentlicht werden soll. Mit der bevorstehenden Veröffentlichung des Berichts rücke die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Bankensektors erneut in den Fokus. Der Verband gibt eine aktuelle Einschätzung zur Lage der europäischen Banken und Finanzmärkte.
Am Freitag endet die gut fünfmonatige Generalsanierung der Bahnstrecke Köln-Wuppertal-Hagen. Während der Bauarbeiten wurden auf der rund 65 Kilometer langen Strecke über 80 Kilometer Gleise erneuert, Weichen ausgetauscht, Schallschutzwände errichtet und Bahnhöfe barrierefrei modernisiert. Ab dem 11. Juli 2026 sollen Fern- und Regionalzüge wieder planmäßig verkehren. Das Besondere daran: Die Bahn hat es hinbekommen, das Ganze in der geplanten Zeit zu schaffen. Na also. Geht doch.
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