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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

Warum sich IPOs für Privatanleger selten lohnen

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: SpaceX-Aktionäre und andere Nervenpatienten.

20.07.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die zurückliegende Woche

Wer Mitte Juni beim größten Börsengang der Geschichte dabei sein wollte, musste sich nicht einmal besonders anstrengen. SpaceX kam am 12. Juni zum Ausgabepreis von 135 Dollar an die Nasdaq, eröffnete bei 150 Dollar und kletterte binnen weniger Handelstage bis auf ein Allzeithoch von 225,64 Dollar. Wer zum Ausgabepreis zum Zug kam, saß binnen kürzester Zeit auf einem Buchgewinn von deutlich über 60 Prozent. Die Party dauerte einige Tage an. Aber es war eben nur eine Party. Danach folgte der Kater. Bereits sechs Tage nach dem Hoch notierte SpaceX nur noch bei 154,60 US-Dollar. Am vergangenen Freitag, dem 16. Juli, schloss die Aktie unter 126 US-Dollar – also deutlich unter ihrem Ausgabepreis. Wer die Aktie gezeichnet hat und nicht rechtzeitig ausgestiegen ist, schaut inzwischen Verlusten hinterher. Von denjenigen, die kurz nach dem Börsengang zum Höchstpreis gekauft haben, wollen wir gar nicht erst reden. Dass am Freitag eine SpaceX-Rakete abgestürzt ist, hat dem Börsenkurs natürlich nicht geholfen. Aber es ist nicht die Rakete, die den Aktienkurs in die Tiefe gerissen hat. Die Enttäuschung vieler Anleger nach einer kurzzeitigen IPO-Euphorie ist seit einigen Jahren schon keine Überraschung mehr. Natürlich könnte man argumentieren, SpaceX sei ein Sonderfall, weil ohnehin die Fantasie mehr als die Bilanz wiegt. Ein Unternehmen, das für das erste Quartal 2026 einen Nettoverlust von 4,3 Milliarden Dollar ausweist und zum knapp Hundertfachen seines Jahresumsatzes bewertet wird, kann eigentlich nur enttäuschen, sobald der erste Analyst nachrechnet.

Doch wer glaubt, SpaceX sei die ganz große Ausnahme, hat die Börsenhistorie der vergangenen Jahre nicht verfolgt. IPO-Rohrkrepierer findet man allerorten. Klarna zum Beispiel. Der schwedische Zahlungsdienstleister ist im September 2025 zu einem Kurs von 40 Dollar an die Börse gegangen und wird inzwischen mit rund 18 Dollar gehandelt – ein Kursverlust von deutlich über 50 Prozent. Oder Figma: Im Juli 2025 bei 33 Dollar gestartet, kurzzeitig auf 115 Dollar gestiegen, notiert die Design-Plattform inzwischen nur noch bei etwas über 23 Dollar. Noch schmerzhafter hat es Anleger getroffen, die Aktien des Kryptodienstleisters BitGo gezeichnet haben und dessen Papiere immer noch halten. Ein Absturz von 18 auf unter 5 Dollar bedeutet einen Verlust von fast Dreiviertel des Zeichnungskurses. Und wer sich an den europäischen Kapitalmarkt erinnert: Die Parfümeriekette Douglas ist nach ihrem Börsengang 2024 sofort unter Druck geraten. Der Zeichnungs- und Ausgabepreis der Aktie lag bei 26 Euro. Heute ist ein Anteilsschein für etwas mehr als 8 Euro zu haben.

Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Dass es sich dabei nicht um Ausreißer handelt, belegen wissenschaftliche Langfristauswertungen von Jay Ritter. Der Forscher von der University of Florida hat rund 9.181 US-IPOs zwischen 1980 und 2023 untersucht und dabei herausgefunden, dass die durchschnittliche marktbereinigte Rendite auf Sicht von drei Jahren bei minus 20,2 Prozent liegt. Bereinigt um den Vergleich zu ähnlich bewerteten, ähnlich großen Unternehmen, die bereits am Aktienmarkt sind, liegt die Rendite immer noch bei minus 8,8 Prozent. Für den Zeitraum 2011 bis 2023 fiel die marktbereinigte Drei-Jahres-Rendite mit minus 23,2 Prozent sogar noch schlechter aus. Der Treppenwitz an der Sache: Der viel zitierte Kurssprung am ersten Handelstag, im Schnitt rund 19 Prozent seit 1980, ist historisch gut zwar belegt. Er nützt aber vor allem denjenigen, die bereits vor der Notiz Anteile zugeteilt bekommen haben. Genau diese Zuteilung bleibt institutionellen Investoren und gut vernetzten Großanlegern vorbehalten. Privatanleger, die erst am Sekundärmarkt zugreifen können, kaufen in aller Regel dort ein, wo die Euphorie bereits einen ordentlichen Aufschlag eingepreist hat – und tragen anschließend das Risiko der Ernüchterung fast allein.

Es ist geradezu bizarr, zu beobachten, wie sich dasselbe Muster fast immer wiederholt – und trotzdem immer wieder Tausende von Anlegern in dieselbe Falle tappen: Ein knapper Streubesitz zum Start, die Angst, etwas zu verpassen, dazu der Zwang passiver Fonds, eine frisch in den Index aufgenommene Aktie automatisch zuzukaufen – all das treibt den Kurs zunächst nach oben, ganz unabhängig davon, ob das Geschäftsmodell trägt. Spätestens, wenn die Sperrfristen für Alteigentümer nach einigen Monaten auslaufen und die ersten Quartalszahlen zeigen, was das Unternehmen tatsächlich verdient, kippt die Stimmung. Bei SpaceX hat dieser Mechanismus noch nicht einmal zwei Monate gebraucht. Wer also demnächst wieder liest, ein Börsengang sei "mehrfach überzeichnet" und die Nachfrage übersteige das Angebot um ein Vielfaches, darf sich gerne freuen – für die Emittenten und ihre Banken. Für die eigene Rendite lohnt sich vor allem eines: abzuwarten, bis der erste Hype verflogen ist. Und dann noch einmal ganz nüchtern auf die Zahlen zu schauen und mit den Bilanzen von bereits lange an der Börse notierten Unternehmen aus demselben Segment zu vergleichen.

Fazit: Manchmal ist es auch eine Option, einfach mal gar nichts zu machen.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag findet in Paris die Hauptversammlung von Rémy Cointreau statt. Aktionäre, die zum Höchstwert von 212 Euro Aktien des Unternehmens gekauft haben, können sich dann mit einem Extraschlückchen auf der HV trösten. Aktueller Kurs: 46 Euro. Sein „All-Time-High“ feierte das Unternehmen übrigens während der Corona-Pandemie. Vermutlich ist das kein Zufall.

Am Mittwoch will die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Elektrifizierung und Vorschläge für Netzkosten vorlegen. Das wird spannend. Hier gibt es sehr viele Player mit sehr unterschiedlichen Interessen.

Am Donnerstag stellen die Fachagentur Wind und Solar, der Bundesverband WindEnergie sowie VDMA Power Systems die Zubau- und Genehmigungszahlen für das erste Halbjahr 2026 vor. Es soll aufgezeigt werden, wie sich der Ausbau der Windenergie entwickelt hat, welche Trends die aktuellen Genehmigungs- und Ausschreibungszahlen zeigen und welche Weichen die Bundesregierung jetzt stellen muss, damit der Ausbaukurs erfolgreich fortgesetzt werden kann. Auch der Aktionsplan der EU-Kommission könnte ein Thema sein.

Am Freitag veröffentlicht die Volkswagen Gruppe ihre Zahlen für das zweite Quartal. Es sind eigentlich nur positive Überraschungen möglich. Alles Schlechte ist bereits gesagt.

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