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„Man muss die Risiken ausblenden“

Michael Reuss ist Vorstand des Vermögensverwalters HRK Lunis
Interview

Michael Reuss ist Vorstand des Vermögensverwalters HRK Lunis. Im Interview spricht er über die beeindruckende Stärke der Börsen und seine aktuellen Aktienfavoriten.

28.08.2026 | 08:40 Uhr von «Tobias Aigner»

TiAM FundResearch: Herr Reuss, der Konflikt zwischen dem Iran und den USA wird zum Dauerbrenner, eine Lösung ist weit und breit nicht in Sicht. Trotzdem eilen die Börsen von Rekord zu Rekord. Was steckt dahinter?

Michael Reuss: Ich sehe in der Börsenstärke eine eindeutige Botschaft. Und die lautet: Man muss in diesen Zeiten einfach immer in Aktien investiert bleiben. Das Risikomanagement in den Portfolios wurde in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr belohnt. Ob Ukraine, Zölle oder Iran: Die Märkte schütteln alle Krisen schnell wieder ab. Dass das Ölangebot sinkt, interessiert keinen. Ein Tweet von Trump genügt – und die Kurse steigen wieder.

Aber Trump steht vor einem Scherbenhaufen. Selbst seine Drohungen verpuffen inzwischen. Die USA scheinen geschwächt – und zunehmend isoliert. Das gilt auch für Trumps Zollpolitik, gegen die Kanada gerade aufbegehrt. Zudem steigen die Zinsen für US-Staatsanleihen – ein Signal, dass es mit dem ewigen Schuldenmachen auch nicht ewig so weitergeht. Kommt da nicht ein dickes Ende auf die Aktienmärkte zu?

Eine Korrektur kann es immer geben. Aber eine echte Baisse sehe ich nicht. Man darf nicht vergessen: Es gibt zwei große Trends, die für Aktien sprechen. Zum einen die Sonderkonjunktur durch KI. Da winken riesige Produktivitäts- und Umsatzsteigerungen. Und zum anderen der Verfall des Geldwertes durch ungezügeltes Schuldenwachstum. Dieser Trend reißt nicht mehr ab. Es wird keine echte Haushaltdisziplin mehr geben. Denn jede Regierung, die Reformen durchsetzt, wird abgewählt. Sachwerte wie Aktien sind in diesem Umfeld einfach ein Must-have. Es klingt vielleicht brutal, aber man muss die Risiken ausblenden und die Schwankungen einfach aushalten.

Die steigenden Zinsen sind aber Gift für die Aktienmärkte…

Am Ende interessiert doch nur die Realverzinsung. Und da sind wir wieder bei der Überschuldung der Industriestaaten. Das Problem kann nur durch eine dauerhaft negative Realverzinsung gelöst werden. Aktuell ist der Realzins noch leicht positiv. Aber wenn die Inflation steigt, womit ich rechne, dann dreht sich das Vorzeichen um. Und es bleibt die Frage wie realistisch die offiziellen Inflationszahlen sind. Ich bin überzeugt, dass wir wieder auf eine Ära negativer Realzinsen zusteuern. Und die ist positiv für Aktien.

Wo finden Sie denn zurzeit besonders attraktive Titel?

Die spannendsten Werte finde ich zurzeit im Value-Bereich. Hier gibt es sehr günstig bewertete Langweiler, im positivsten Sinne – McDonald‘s zum Beispiel. Das könnte ein großer KI-Anwendungsgewinner werden. McDonald‘s hat ein gewaltiges Potenzial, weltweit seine Filialen zu optimieren. Am Ende laufen sie vielleicht sogar komplett ohne Personal. Und die Aktie kriege ich nach einer langen Durststrecke jetzt zu einer sehr attraktiven Bewertung.

Jede Krise hat ihre Gewinner. Gibt es auch Aktien, die von den Krisen und Kriegen in der Welt besonders profitieren?

Ja. Für mich sind Öl-Service-Gesellschaften deshalb ein klarer Kauf. Alle Länder wollen unabhängiger werden, ihre eigenen Öl- und Gasfelder erschließen. Und die Ölanlagen, die in den Emiraten zerbombt wurden, müssen auch wieder saniert werden. Da profitieren Unternehmen wie beispielsweise Schlumberger. 

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