
Angesichts der Widerstände aus der lokalen Bevölkerung setzen Entwickler von Rechenzentren verstärkt auf effizientere Konzepte und Technologien. So wollen sie die physische Infrastruktur für KI ausbauen, ohne die umliegenden Gemeinden zu sehr zu belasten.
17.09.2026 | 07:20 Uhr
Der Ausbau der KI-Infrastruktur verspricht zahlreiche wirtschaftliche Vorteile, nicht zuletzt eine höhere Produktivität. Doch diese langfristigen Chancen werden zunehmend von den kurzfristigen Kosten des Ausbaus überlagert.
Rechenzentren sind das physische Fundament der KI und benötigen enorme Mengen an Wasser, Strom und Fläche. Ihr Bau stösst daher auf heftigen Widerstand in den Gemeinden, die befürchten, für die damit verbundenen Kosten aufkommen zu müssen.
In den USA, auf die gemessen an der Kapazität drei Viertel der weltweit im Bau befindlichen Rechenzentren entfallen, haben sich vereinzelte lokale Proteste inzwischen zu einer landesweiten Gegenbewegung entwickelt, die über politische Lager hinweg reicht. Von den weltweit im Bau befindlichen Kapazitäten (23,1 GW) entfallen 17 GW auf die USA.
m ersten Quartal 2026 wurden mehr als 20 Rechenzentrumsprojekte gestrichen – so viele wie noch nie innerhalb eines Quartals. Im gesamten Vorjahr sind 20 Projekte weggefallen, darunter die Anlage von Microsoft im US-Bundesstaat Wisconsin im Volumen von 3,3 Mrd. USD sowie das 30 Mrd. USD schwere Projekt von QTS in Indiana.
Parallel dazu haben zwölf Bundesstaaten Beschränkungen für neue Anlagen eingeführt. Andere erwägen gesetzliche Massnahmen, um die „Invasion“ durch Rechenzentren ganz zu stoppen.
Infolgedessen dürfte nur etwa die Hälfte der für die kommenden zwei Jahre geplanten Kapazitäten tatsächlich ans Netz gehen.
Dieser rasche Stimmungsumschwung in der Bevölkerung zwingt Entwickler und Betreiber dazu, ihre Anlagen neu zu konzipieren und Technologien einzusetzen, die die Belastung lokaler Ressourcen verringern
Dazu gehören Mikrogrids, die die lokalen Versorgungsnetze entlasten, die Kombination erneuerbarer Energien mit Batteriespeichern zur Glättung von Lastspitzen sowie Wasserrecyclingsysteme, die die Konkurrenz um Wasser mit privaten Haushalten und der Landwirtschaft reduzieren.
Für Investoren eröffnet der Widerstand auch Chancen ausserhalb des Technologiesektors. Denn die Nachfrage nach Unternehmen, deren Lösungen Betreibern von Rechenzentren helfen, ihren ökologischen Fussabdruck zu verkleinern, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu fördern und notwendige Genehmigungen zu erhalten, wächst.
Der Widerstand der Bevölkerung gegen Industrieprojekte ist kein neues Phänomen. Viele dürften sich an Erin Brockovich erinnern, die Umweltaktivistin, die im gleichnamigen Film aus dem Jahr 2000 von Julia Roberts dargestellt wurde. Brockovich führte einen Rechtsstreit wegen der Verunreinigung des Wassers in Hinkley im US-Bundesstaat Kalifornien und erwirkte gegen einen grossen Energieversorger einen Vergleich über 333 Mio. USD – damals die höchste Vergleichszahlung dieser Art.
Drei Jahrzehnte später ist Brockovich wieder aktiv. Diesmal nimmt sie KI-Rechenzentren ins Visier.
Sie hat eine auf Beiträgen aus der Bevölkerung basierende Karte erstellt, mit der Gemeinden die schnelle und ressourcenintensive Ausbreitung von Rechenzentren in Echtzeit verfolgen können. Brockovich lehnt Rechenzentren nicht grundsätzlich ab. Ihre Bedenken gelten vielmehr der mangelnden Transparenz und den Umweltbelastungen im Zusammenhang mit der Genehmigung und dem Bau solcher Anlagen.
Branchenexperten zufolge ist der öffentliche Widerstand gegen den wachsenden Ressourcenverbrauch von Rechenzentren inzwischen das grösste Einzelrisiko für entsprechende Projekte in den USA. Für die Betreiber wird es damit zu einer wirtschaftlichen Priorität, einen Teil der 3,3 Bio. USD, die sie bis 2029 für KI-Investitionsprojekte vorgesehen haben, in intelligentere Konzepte und Technologien zu investieren, um die Umweltbelastung zu verringern und die Effizienz zu steigern.

Besonders wichtig ist die Senkung des Wasserverbrauchs. Ein typisches Rechenzentrum benötigt täglich über 1.000 Kubikmeter Wasser zur Kühlung von Servern und anderen Geräten. Das entspricht ungefähr dem Verbrauch von 1.000 Haushalten. Bei grossen Anlagen kann der tägliche Wasserverbrauch auf knapp 20.000 Kubikmeter Wasser steigen – genug, um eine Stadt mit bis zu 50.000 Einwohnern zu versorgen.
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