Wie die auf Nachhaltigkeit spezialisierte Investmentboutique Effectual Externalitäten quantifiziert und systematisch in Investmententscheidungen integriert, erklärt Dr. Andreas Gintschel, Geschäftsführer von Effectual, im Gespräch mit TiAM
02.07.2026 | 16:00 Uhr von «Nico Hoffmann»
Viele wirtschaftliche Aktivitäten verursachen Kosten, die in klassischen Unternehmenskenn zahlen nicht auftauchen. Schadstoffemissionen oder Verschwendung von Ressourcen können jedoch langfristig erhebliche ökonomische Folgen haben.
Effectual quantifiziert solche Externalitäten systematisch und integriert sie in Investmententscheidungen. Wie dieser Ansatz funktioniert, wie er im Fonds umgesetzt wird und welche Rolle der gemein sam mit Bloomberg entwickelte Index als Benchmark für einen neuen europäischen Aktienfonds spielt, erläutert Dr. Andreas Gintschel, Geschäftsführer von Effectual, im Gespräch.
TiAM: Herr Dr. Gintschel, Ihr Investmentansatz basiert auf der ökonomischen Bewertung von Externalitäten. Was bedeutet das konkret für die Analyse von Unternehmen?
Dr. Andreas Gintschel: Viele wirtschaftliche Aktivitäten verursachen Kosten, die nicht auf. Genau dort setzt unser Ansatz an. Wir quantifizieren diese Effekte und integrieren sie systematisch in die Investmentanalyse.
TiAM: Was verstehen Sie konkret unter Externalitäten?
Gintschel: Externalitäten sind Kosten oder Nutzen wirtschaftlicher Aktivitäten, die nicht direkt beim Verursacher anfallen. Ein klassisches Beispiel sind Schadstoffemissionen. Unternehmen profitieren wirtschaftlich von ihrer Produktion, während ein Teil der Kosten von der Gesellschaft getragen wird. Für Investoren ist das relevant, weil solche Kosten langfristig zunehmend internalisiert werden und sich dadurch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen verändern.
TiAM: Wie messen Sie diese Effekte?
Gintschel: Grundlage ist unsere globale Externalitäten-Datenbank mit Daten zu über 15 000 Unternehmen weltweit. Wir kombinieren physische Aktivitätsdaten – etwa zu Schadstoffemissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch oder Müllproduktion – mit ökonomischen Bewertungsfaktoren aus wissenschaftlicher Forschung. Auf dieser Basis lassen sich die gesellschaftlichen Kosten dieser Aktivitäten monetär quantifizieren. Dadurch entsteht eine Kennzahl, die sich direkt in die Investmentanalyse integrieren und mit klassischen Finanzkennzahlen vergleichen lässt.

TiAM: Wie fließen diese Informationen konkret in die Portfoliokonstruktion ein?
Gintschel: Wir nutzen Externalitäten als einen wesentlichen Faktor, neben rein finanziellen Faktoren, in der Portfolioallokation. Unternehmen mit hohen Externalitäten stellen langfristig ein höheres Risiko dar und werden im Portfolio entsprechend geringer gewichtet. Unternehmen mit niedrigeren Externalitäten erhalten dagegen ein höheres Gewicht. Gleichzeitig bleibt das Portfolio strukturell eng an der Benchmark orientiert. Unser Ziel ist keine starke Abweichung vom Markt, sondern eine effizientere Risikostruktur innerhalb der Benchmark.
TiAM: Ihr erster Fonds, der Effectual Capital Fund SICAV – Global Sustainable Equities, wird Ende Mai drei Jahre alt. Wie fällt die bisherige Bilanz aus?
Gintschel: Wir sind mit der bisherigen Entwicklung des Fonds sehr zufrieden. In den fast drei Jahren seit Auflage konnte er eine kumulierte Outperformance von plus 2,5 Prozent nach Kosten gegenüber der Benchmark erzielen (Stand: 31.03.2026). Für uns bestätigt das die Grundidee des Ansatzes. Externalitäten können sich langfristig auch finanziell auswirken. Entsprechend sinnvoll ist es, diese Faktoren bereits heute in der Investmentanalyse zu berücksichtigen.
TiAM: Ende Februar haben Sie gemeinsam mit Bloomberg einen eigenen Index anciert. Warum haben Sie diesen Schritt gewählt?
Gintschel: Ja, das ist richtig. Wir haben zusammen mit Bloomberg den Index Bloomberg European Equities Externality Efficient X Net Return aufgelegt, um unsere Methodik auch in einer Indexstruktur abzubilden. Gleichzeitig dient er künftig als Benchmark für unseren neuen Fonds mit europäischen Aktien.
TiAM: Welche Rolle spielt dieser Index für die Umsetzung der Strategie in Fonds?
Gintschel: Der Index bildet den Referenzrahmen für den neuen europäischen Aktienfonds. Er zeigt, wie sich der Externalitätenansatz benchmarknah als Replikationsansatz umsetzen lässt.
TiAM: Wie entwickelt sich Effectual aktuell weiter?
Gintschel: Neben dem bestehenden globalen Fonds bauen wir unsere Produktpalette weiter aus. In Kürze werden wir zwei weitere Strategien auflegen. Dazu gehört ein europäischer Aktienfonds, dessen Benchmark der gemeinsam mit Bloomberg entwickelte Externality-Efficient-Index bildet. Darüber hinaus planen wir einen globalen Corporate-Bond-Fonds, der unseren Ansatz erstmals auf Unternehmensanleihen überträgt. Damit erweitern wir den Externalitätenansatz auf weitere Anlageklassen und schaffen zusätzliche Möglichkeiten für Investoren, ihn in ihren Portfolios einzusetzen.
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