Am 23. Oktober zeichnet das Frauenfinanzmagazin Courage die „Fondsmanagerin des Jahres 2026“ aus. Als eine der acht Nominierten spricht Ortansa Becker (W&W Asset Management) im Interview über den Rentenmarkt, die Interpretation politischer Signale und den Respekt vor den Kunden.
22.10.2026 | 14:30 Uhr von «Courage Redaktion»
Ortansa Becker beschäftigt sich mit Themen, die lange als eher trocken galten – und spätestens seit Inflation, Zinswende und wachsender Staatsverschuldung wieder von großem Interesse sind. Bei der W&W Asset Management ist sie Fondsmanagerin mit Fokus auf Fixed Income, vor allem Staatsanleihen, und berät unter anderem den W&W Euroland-Renditefonds. Ihre Arbeit dreht sich damit um Zinsen, Geldpolitik, Konjunktur und die Frage, wie viel Risiko sich in einem Anleiheportfolio wirklich lohnt. 2025 wurde sie von Citywire zu den fünf besten Fondsmanagerinnen Deutschlands gezählt. Ihr Job zeigt gut, dass Anleihen alles andere als langweilig sind.
Courage: Sie beschäftigen sich mit Staatsanleihen und
Konjunktur. Wann haben Sie zuletzt gedacht: Diesem Staat würde ich mein eigenes
Geld lieber nicht leihen?
Ortansa Becker: Es gibt immer wieder Phasen, in denen Unruhe an den Märkten aufkommt
und ein Land in den Fokus rückt, mal sehr positiv, mal sehr negativ. Nicht
immer bedeutet negativ auch Risiko. Über die Jahre hat sich gezeigt, dass
selten etwas auf Dauer negativ bleibt, auch ein Staat nicht. Deswegen versuche
ich meist, besonnen zu bleiben, gegebenenfalls zurückhaltend, aber gleichzeitig
zuversichtlich, um Chancen nicht zu übersehen. Wenn ich kein Vertrauen habe,
leihe ich dem Staat weder mein eigenes noch das Kundengeld.
Bei Staatsanleihen müssen Sie Konjunktur, Inflation,
Notenbanken und Politik gleichzeitig einschätzen. Welche dieser Größen ist am
schwersten vorherzusagen?
Es handelt sich bei allem um
Prognosen und damit um Unsicherheit. Aber Politik wurde nicht umsonst bereits
in der klassischen Literatur und im Theater als besonders unvorhersehbar
eingeschätzt. Daran hat sich nichts geändert.
Wie viel Zeit verbringen Sie damit, zwischen den
Zeilen von Fed und EZB zu lesen?
Die Zeit ist für mich nicht
bestimmbar. Die Fed und die EZB, seien es die Zinsentscheidungen, aber auch
zwischenzeitliche Pressemitteilungen, sind für mich einfach Teil meines
Arbeitsalltags und Teil der zu verarbeitenden Marktinformationen. Oft reicht zum
Interpretieren auch einfach ein Blick auf die Renditen.
Wie groß darf eine konträre Position werden?
Das kommt auf die Position an. Ich
würde kein deutliches Übergewicht eingehen, aber bei eigener Überzeugung so
viel, dass Nutzen und mögliche Fehleinschätzung sich die Waage halten. Denn es
ist für mich zentral, das Portfolio mit Respekt gegenüber den Kundinnen und
Kunden zu verwalten.
Was tun Sie, wenn der Markt wochenlang behauptet, dass
Sie falsch liegen?
Ich reflektiere dann in der Regel
meinen Argumentationspfad, der zu der Entscheidung geführt hat. Bin ich
weiterhin überzeugt, halte ich an meiner Position fest.
Gerade im Anleihe- und Kapitalmarktgeschäft sitzen in
vielen Runden noch immer überwiegend Männer. Nehmen Sie das heute noch wahr –
oder hat sich die Branche stärker verändert, als man von außen denkt?
Ich habe das nie so wahrgenommen,
für mich sind es einfach nur unterschiedliche Menschen und Charaktere, mit
denen ich in den vielen Runden sitze. Und ich hatte das Glück, meist einen
guten Austausch und gegenseitigen Respekt zu erfahren.
Frauen wird beim Investieren häufig mehr Vorsicht und
Risikobewusstsein zugeschrieben. Stimmt das tendenziell – oder halten Sie
solche Zuschreibungen für überholt?
Ich weiß nicht, ob das generell
überhaupt so gilt. Ich denke, es gibt auch bei uns Frauen beide Anlagetypen.
Ich schätze mich aber als risikobewusst und gleichzeitig mutig ein.
Ortensa Becker ist eine von acht Nominierten für die Goldmarie 2026 in der Kategorie „Fondsmanagerin des Jahres“. Die Gewinnerin wird am 23. Oktober 2026 bei der ersten Night of Finance in München von unserem Schwestermagazin Courage ausgezeichnet.
Bisher erschienen sind Interviews mit folgenden Nominierten :
Jennifer Nerlich von Allianz Global Investors „KI ist für uns eher die nächste Evolutionsstufe als eine Revolution“
Verena Diehl von Union Investment: „Richtig gute Firmen sind für gute und schlechte Zeiten gewappnet“
Rosanna Burcheri von Fidelity International: „Disziplin ist entscheidend, weil sie dafürsorgt, dass man ehrlich zu sich selbst bleibt“
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