1,4 Billionen US-Dollar zahlt der US-Staat mittlerweile jährlich an Zinsen für seine Schulden, mehr als für den gesamten US-Verteidigungsetat (1,15 Billionen USD).
02.09.2026 | 06:30 Uhr
Bleibt das Zinsniveau stabil, steigt dieser Betrag bis 2028 auf 1,7 Billionen USD. Um die Zinslast konstant zu halten, müssten die 5-jährigen US-Zinsen von aktuell 4,4% auf 3,25% fallen. Genau hier setzt das US-Finanzministerium mit einem cleveren Schachzug an.
In unserem Artikel „Big and Beautiful or Liz Truss Moment?“ vom 03.06.2025 haben wir bereits auf die Schuldenproblematik der USA hingewiesen. Moody’s entzog am 16.05.2025 als letzte große Ratingagentur der USA das AAA. Nach dem Bekanntwerden, dass die US-Staatsverschuldung die 40 Billionen USD-Marke überschritten hat, markierten 30-jährige US-Treasuries am 17. August 2026 mit 5,31% ihren bisherigen Hochpunkt und lösten damit ein Eingreifen des Finanzministeriums aus.
Der Trick: Rückkauf gegen T-Bills
Finanzminister Scott Bessent will ab dem 09. September dieses Jahres den Rückkauf langlaufender US-Staatsanleihen von bislang 2 Mrd. USD auf mind. 4 Mrd. USD erhöhen. Begründet wurde dieser Schritt mit einer Verbesserung der Liquidität sog. „off-the-run“ Staatsanleihen (weniger gehandelte bzw. illiquideren Anleihen). Finanziert werden soll dies mit der Ausgabe neuer T-Bills (Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zu einem Jahr). Durch diesen „Treasury Twist“ wird sich der T-Bill Anteil an den ausstehenden Staatsanleihen von derzeit 25% auf ca. 35% bis 2030 erhöhen. Bereits 2011 hatte die FED die „Operation Twist“ ins Leben gerufen, als sie längerfristige Anleihen gegen kurzfristige getauscht hat. Dies sorgt künftig für einen erheblichen Druck auf Notenbankpräsident Kevin Warsh, welcher derzeit in Jackson Hole seine künftige Notenbankpolitik vorstellen wird. Sollte der Inflationsdruck weiter zunehmen, müssten Kevin Warsh den Leitzins bzw. die kurzfristigen US-Zinsen weiter anheben und somit die Zinslast weiter vergrößern.

Quelle: BofA Global Investment Strategy
Insgesamt beträgt die US-Zinslast schon 4% der US-Wirtschaftsleistung und wird voraussichtlich in den kommenden Jahren auf 6% ansteigen. Das dies nicht nachhaltig ist, sehen auch viele Investoren, die entweder für lange US-Staatsanleihen eine höhere Risikoprämie (Term Premium) einfordern oder den US-Staatsanleihemarkt gänzlich meiden.

Quelle: IMF Public Finances in Modern History Database, Datastream, Goldman Sachs Global Investment Research
Welche Auswirkung wird dies auf die Fiskalpolitik der USA haben?
Die US-Regierung muss glaubwürdige Sparmaßnahmen vorlegen, um die Schuldentragfähigkeit zu gewährleisten. Die aktuelle US-Neuverschuldung liegt bei über 6% des BIP und das, obwohl am Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und das US-Wachstum deutlich positiv ist. Mit dem Auslaufen des sog. „One Big Beautiful Bills“ wird einer der größten fiskalpolitischen Impulse wegfallen. Gleichzeitig scheint es unrealistisch, dass die Republikaner beide Häuser (Senat und Repräsentantenhaus) nach den Midterm Elections behalten werden. Daher dürfte der Druck seitens der Kapitalmärkte mit Blick auf 2027 weiter zunehmen. Ebenso dürfte die Debatte um den „Dollar Debasement Trade“ anhalten, welcher derzeit von China angeführt wird. Dabei ist davon auszugehen, dass einer der größten Staatsanleihen-Gläubiger der USA seinen Bestand sukzessive zurückfahren wird.
Wie positionieren wir uns?
Strukturell halten wir an unserer kürzeren US-Duration fest. Allerdings gehen wir davon aus, dass das Finanzministerium bestrebt sein wird den Zinssatz für 10-jährige US-Staatsanleihen unter 5% zu halten. Daher können wir uns taktisch vorstellen, die US-Duration im Portfolio bei zehnjährigen US-Renditen in Richtung 5% p.a. zu erhöhen. Dennoch präferieren wir weiterhin US-Inflationsanleihen (TIPS) und Unternehmensanleihen. Inwiefern die massiven Investitionsausgaben der Hyperscaler Einfluss auf das Anleiheangebot haben, erfahren Sie in einem der nächsten Beiträge.
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