Traditionell veröffentlicht das Anleiheteam von M&G seine berühmten Scary Charts, sechs gruselige Charts, die beunruhigende Trends an den globalen Märkten aufzeigen.
30.10.2026 | 14:15 Uhr
Als ob es derzeit nicht schon genug beängstigende Dinge auf der Welt gäbe, präsentiert dasM&G-Anleiheteam Ihnen auch in diesem Jahr wieder unsere Auswahl an schaurigen Charts. Von Konsum und Dieselpreisen über den Immobilienmarkt und Credit Spreads bis hin zum Capex-Boom und der jüngsten Neubewertung Frankreichs: Wir hoffen, Sie stimmen uns zu, dass es sich lohnt, einige dieser Entwicklungen genau im Auge zu behalten. Anschauen auf eigene Gefahr.

Zwischen Einkommen und Ausgaben hat sich eine Lücke aufgetan: Der Konsum wird inzwischen zunehmend durch Ersparnisse statt durch Einkommenswachstum gestützt. Zuletzt stiegen die realen Ausgaben im Jahresvergleich um 2,6 %, während das real verfügbare Einkommen ohne Transferleistungen lediglich um 0,8 % zulegte. Seit Mitte 2024 sind die Ausgaben in jedem Monat stärker gewachsen als die Einkommen. Und diese Lücke muss irgendwie finanziert werden … durch Ersparnisse. Doch die sind endlich. Je länger das Einkommenswachstum hinter dem Ausgabenwachstum zurückbleibt, desto kleiner wird der Puffer, wenn die Leichen im Keller zum Vorschein kommen. In der Vergangenheit fiel ein negatives Einkommenswachstum ohne Transferleistungen häufig mit einer Rezession zusammen oder trat in deren Umfeld auf. Das ist für sich genommen noch kein Beweis für einen entsprechenden Zusammenhang, beruhigend ist es allerdings auch nicht.

Der US-Wohnimmobilienmarkt ist mittlerweile fast zu einer Geisterstadt geworden. Die Verkäufe bestehender Wohnimmobilien entsprechen derzeit 4,75 % der selbst genutzten Eigenheime. Damit liegt die Quote unter dem Tiefstand nach der Finanzkrise von 5,1 % im Jahr 2010 und bei etwa der Hälfte der 9,6 %, die 2005 erreicht wurden. Dahinter steht vor allem die geringe Bereitschaft zum Umzug: Die meisten Eigenheimbesitzer haben sich während der Corona-Pandemie langfristige Hypotheken zu den damals extrem niedrigen Zinsen gesichert. Ein Umzug würde bedeuten, eine neue Hypothek zu einem deutlich höheren Zinssatz aufnehmen zu müssen, was die Transaktionsaktivität am gesamten Markt bremst. Der Wohnimmobilienmarkt scheint damit in einer regelrechten Sackgasse zu stecken. Das hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche, denn mit jedem ausbleibenden Umzug werden weniger Dollar für alles Mögliche ausgegeben, vom Anwalt bis zum Sofa. Gruselige Aussichten für alle, die mit dem Sektor verbunden sind oder auf ein breit abgestütztes Wirtschaftswachstum hoffen.

Der US-Wohnimmobilienmarkt ist mittlerweile fast zu einer Geisterstadt geworden. Die Verkäufe bestehender Wohnimmobilien entsprechen derzeit 4,75 % der selbst genutzten Eigenheime. Damit liegt die Quote unter dem Tiefstand nach der Finanzkrise von 5,1 % im Jahr 2010 und bei etwa der Hälfte der 9,6 %, die 2005 erreicht wurden. Dahinter steht vor allem die geringe Bereitschaft zum Umzug: Die meisten Eigenheimbesitzer haben sich während der Corona-Pandemie langfristige Hypotheken zu den damals extrem niedrigen Zinsen gesichert. Ein Umzug würde bedeuten, eine neue Hypothek zu einem deutlich höheren Zinssatz aufnehmen zu müssen, was die Transaktionsaktivität am gesamten Markt bremst. Der Wohnimmobilienmarkt scheint damit in einer regelrechten Sackgasse zu stecken. Das hat auch Auswirkungen auf andere Bereiche, denn mit jedem ausbleibenden Umzug werden weniger Dollar für alles Mögliche ausgegeben, vom Anwalt bis zum Sofa. Gruselige Aussichten für alle, die mit dem Sektor verbunden sind oder auf ein breit abgestütztes Wirtschaftswachstum hoffen.

Der folgende Satz ist sicherlich keine bahnbrechende Erkenntnis: Die Credit Spreads sind ziemlich eng. Über die Gründe dafür wurde bereits viel diskutiert. Interessant ist jedoch ein Blick auf die in der Vergangenheit erzielten Überschussrenditen von Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen in vergleichbaren Phasen, in denen der Credit Spread einen ähnlich geringen Anteil an der Gesamtrendite von Unternehmensanleihen ausmachte. Beim US-Investment-Grade-Index trägt der Credit Spread inzwischen nur noch rund 14 % zur Rendite bei, der niedrigste Anteil seit 1998. Historisch betrachtet folgten auf solche Ausgangsniveaus häufig schwache oder negative Überschussrenditen. Diesmal muss es nicht zwangsläufig genauso kommen, aber viel Kürbisgewürz lässt sich von oben nicht mehr abkratzen bzw. das zusätzliche Renditepotenzial erscheint begrenzt.

Die Hyperscaler, womit hier die Unternehmen gemeint sind, die Rechenzentren tatsächlich bauen und betreiben (Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle), wenden auf Basis der Zahlen zum Ende des zweiten Quartals inzwischen 82 % ihres operativen Cashflows für Investitionsausgaben (Capex) auf. Vor zehn Jahren waren es noch 27 % und selbst Anfang 2024 „nur“ 40 %. Da der Investitionsboom anhält, dürften diese Ausgaben bis ins kommende Jahr weiter steigen. Diese Unternehmen verfügen über einige der stärksten Bilanzen weltweit. Da die Investitionsausgaben inzwischen jedoch einen so großen Teil des Cashflows beanspruchen, dürfte ein zunehmender Anteil über den Anleihemarkt finanziert werden. Bereits in diesem Jahr gab es einige sehr großvolumige Emissionen. Der Hexenkessel heizt sich weiter auf, und der Anleihemarkt dürfte künftig eine noch größere Rolle dabei spielen, ihn am Brodeln zu halten …

Über weite Strecken der vergangenen 25 Jahre zählte Frankreich zum Kern der Eurozone und wurde renditeseitig irgendwo zwischen Deutschland und der Peripherie eingeordnet. Nach den jüngsten politischen Entwicklungen und angesichts wachsender Sorgen über die Staatsverschuldung liegt die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen inzwischen 24 Basispunkte über der italienischer und 72 Basispunkte über der spanischer Staatsanleihen. Vor drei Jahren rentierten italienische Staatsanleihen noch 138 Basispunkte höher als französische, und auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise lag die Rendite spanischer Staatsanleihen sogar fast 470 Basispunkte über der französischer Papiere. Zum Teil ist diese Entwicklung darauf zurückzuführen, dass Italien und Spanien ihre Staatsfinanzen konsolidiert haben, während sich die französische Politik damit deutlich schwerer tut. Noch im März lag die Rendite Italiens wieder über der Frankreichs, die Verschiebung verlief also keineswegs nur in eine Richtung. Besonders deutlich fiel jedoch die Bewegung im September aus.
Damit ergibt sich folgendes Bild: ein Konsum, der zunehmend von Ersparnissen gestützt wird, eine Inflation, deren Preisdruck eher von den Raffinerien als von den Ölquellen ausgeht, ein festgefahrener Immobilienmarkt, Credit Spreads mit kaum noch zusätzlichem Renditepotenzial, ein Capex-Boom, der sich zunehmend auf den Anleihemarkt stützen dürfte, und ein Kern der Eurozone, der von Monat zu Monat weniger nach Kern aussieht.
Happy Halloween!
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