Am 23. Oktober zeichnet das Frauenfinanzmagazin Courage bei der Night of Finance die „Fondsmanagerin des Jahres 2026“ aus. Als eine der acht Nominierten spricht Helen Windischbauer (Amundi Deutschland) im Interview über ihre Karriere, nützliche Kursturbulenzen und gute Kaufgelegenheiten.
21.10.2026 | 16:00 Uhr von «Courage Redaktion»
Helen Windischbauer ist Head of Multi Asset Solutions bei Amundi Deutschland und denkt Anlageentscheidungen nicht in einzelnen Aktien oder Anleihen, sondern im großen Zusammenhang. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie verschiedene Anlageklassen zusammenspielen und wie Portfolios durch unterschiedliche Marktphasen gesteuert werden können. Als Führungskraft ist sie sich dabei sehr bewusst, dass Multi Asset immer auch eine Teamaufgabe ist.
Wichtige gesellschaftliche Themen wie Altersvorsorge und langfristiger Vermögensaufbau sind ihr ein großes Anliegen. Dabei ist ihr bewusst, dass noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist, vor allem für die Zielgruppe der Frauen. Sie engagiert sich bei verschiedenen Frauennetzwerken.
Einen Satz ihrer Mutter hat sie bis heute im Kopf: „Der wichtigste Schritt im Leben ist der Wechselschritt.“ Gemeint ist: Manchmal muss man vorangehen, manchmal zurücktreten, manchmal die Richtung ändern. Für eine Multi-Asset-Managerin eigentlich ein ziemlich passendes Lebensmotto.
Ihre Mutter hat Ihnen den Satz mitgegeben:
„Der wichtigste Schritt im Leben ist der Wechselschritt.“ Welcher
Wechselschritt war in Ihrer Karriere der wichtigste?
Helen Windischbauer: Es war nicht nur ein einziger entscheidender Schritt, sondern mehrere
Schritte, die bis heute für mich das Fundament meiner täglichen Arbeit bilden.
Die wichtigsten Schritte waren dabei die Wechsel in andere Bereiche des
Portfoliomanagements. So entwickelte ich mich als Volkswirtin im Bereich Fixed
Income zur Strategin im Multi Asset, weiter als Aktienfondsmanagerin im Bereich
Equities und dann als Head of Multi Asset Solutions bei Amundi Deutschland.
Gab es auch einmal einen Schritt zurück, der sich
später als Schritt nach vorne herausgestellt hat?
Wirklich herausfordernd war der
Schritt von einem großen Asset Manager zu einem kleinen Vermögensverwalter.
Dort realisierte ich, dass institutionalisierte Strukturen und Abläufe mehr
Effizienz bieten. Diese Erkenntnis führte dazu, wieder in ein größeres
internationales Haus zu wechseln. Bei Amundi schätze ich besonders, dass ich
als Teil des deutschen Investmentteams mit den Kolleginnen und Kollegen in mehr
als 35 Ländern zusammenarbeite – was auch täglich meinen Horizont erweitert.
Wie erkennt man, ob Kursturbulenzen eine Gefahr sind –
oder gerade eine Kaufgelegenheit?
Grundsätzlich treffe ich meine
Entscheidungen auf Basis einer fundierten Analyse. Habe ich eine Entscheidung
getroffen, stehe ich dazu und vertrete sie weiter mit Augenmaß. Kursrückgänge
nutze ich dann ggf. zur Aufstockung. Allerdings können bestimmte Ereignisse
auch eine veränderte Sichtweise und ein anderes Analyseergebnis bedeuten. Hier
gilt es, wachsam und flexibel zu bleiben und nicht auf seiner Position zu
verharren.
Anleger suchen gern nach dem perfekten
Einstiegszeitpunkt. Was sagen Sie jemandem, der seit Jahren auf bessere Kurse
wartet?
en perfekten Einstiegszeitpunkt
gibt es leider nicht. Wer zögert, tut sich meist keinen Gefallen. Veränderte
Rahmenbedingungen, andere Kurslevels, Bewertungen etc. müssen wieder überdacht
werden. Lieber die eigenen Rahmenbedingungen festlegen, wie Anlagedauer, Risiko
oder Performanceerwartungen, dann die Anlageklassen bzw. die Allokation
festlegen und investieren.
Sie setzen selbst bei Ihrer Altersvorsorge auf Aktien.
Warum tun sich die Deutschen noch so schwer damit?
Wir Deutschen sind uns
grundsätzlich der Risiken bewusst und messen diesen einen hohen Stellenwert
bei. In Kombination mit einer in der Schule leider untergeordneten
Finanzausbildung führt das nicht zu Handlungen, sondern oft zum Phlegmatismus.
Aber es bewegt sich viel. Besonders die jüngere Generation macht einfach und
legt Geld verstärkt über Sparpläne, vor allem in ETFs, an.
Wie sieht Ihr persönlicher Umgang mit Risiko aus?
Im professionellen Alltag ist das
Risiko ein ständiger Begleiter. Bei meinen eigenen Anlagen geht es mehr um die
sinnvolle Struktur, den roten Faden und die Allokation. Dabei ist Risiko ein
Thema, aber kein ständiger Begleiter.
Was war Ihre erste eigene Aktie?
Die der Bayerischen Vereinsbank.
Helen Windischbauer ist eine von acht Nominierten für die Goldmarie 2026 in der Kategorie „Fondsmanagerin des Jahres“. Die Gewinnerin wird am 23. Oktober 2026 bei der ersten Night of Finance in München von unserem Schwestermagazin Courage ausgezeichnet.
Bisher erschienen sind Interviews mit folgenden Nominierten:
Jennifer Nerlich von Allianz Global Investors „KI ist für uns eher die nächste Evolutionsstufe als eine Revolution“
Verena Diehl von Union Investment: „Richtig gute Firmen sind für gute und schlechte Zeiten gewappnet“
Rosanna Burcheri von Fidelity International: „Disziplin ist entscheidend, weil sie dafürsorgt, dass man ehrlich zu sich selbst bleibt“
Madeleine Ronner von der DWS: „Dividenden kommen nie aus der Mode“
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Caroline Reyl von Pictet AM: „Luxusmarken müssen ihre Exklusivität bewahren und gleichzeitig neue Kunden gewinnen“
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