Nick Payne, Manager des Comgest Magellan, erläutert im Interview den Investmentansatz des Fonds, die wichtigsten Lehren aus der schwachen Performance-Phase und wie das Portfolio heute aufgestellt ist.
17.06.2026 | 14:30 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM
FundResearch: Herr Payne, was bedeutet „Quality Growth“ im Kontext von
Schwellenländern beim Comgest Magellan konkret?
Nick Payne: Im Kern ist unser Ansatz überall gleich: Wir suchen
Unternehmen mit hoher Kapitalrendite, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und
strukturellem Wachstum. In den Schwellenländern kommt hinzu, dass viele Märkte
noch nicht vollständig erschlossen sind. Das heißt: Gute Unternehmen können
dort über lange Zeiträume hinweg organisch wachsen, weil die Nachfrage
strukturell zunimmt.
Warum reicht starkes Wachstum allein nicht aus, um gute
Investments zu identifizieren?
Weil Wachstum nicht automatisch Mehrwert für Aktionäre schafft.
Entscheidend ist, ob Unternehmen dieses Wachstum in steigende Gewinne pro Aktie
übersetzen können. In Emerging Markets sehen wir häufig Fälle, in denen Umsätze
steigen, aber Kapital ineffizient eingesetzt wird oder Aktionäre durch
Kapitalmaßnahmen verwässert werden. Wachstum ohne Kapitaldisziplin ist für uns
daher kein Qualitätsmerkmal.
Wie stellen Sie sicher, dass ein Unternehmen nachhaltig
profitabel bleibt?
Payne: Der Schlüssel
liegt in den Wettbewerbsvorteilen – dem „Moat“. Wenn ein Unternehmen keine
Eintrittsbarrieren hat, werden hohe Margen schnell von der Konkurrenz
angegriffen. Deshalb analysieren wir sehr genau, wodurch sich ein Unternehmen
differenziert: etwa durch starke Marken, technologische Führerschaft oder
Netzwerkeffekte. [
Welche Rolle spielt das Management in diesem Prozess?
Eine sehr große. Wir investieren mit einem Zeithorizont von fünf
Jahren und länger, oft sogar deutlich darüber hinaus. Daher müssen wir
verstehen, wie das Management denkt, welche Anreize es hat und wie es Kapital
allokiert. Gute Governance und eine Aktionärsorientierung sind entscheidend für
den langfristigen Erfolg.
Sie haben Anfang 2025 in einer besonderen Lage die Verantwortung übernommen. Was war Ihr
Ausgangspunkt?
Die Ausgangslage war klar: Die Performance des Fonds war nicht
zufriedenstellend. Unser Ziel war es, ehrlich zu analysieren, warum das so war,
und die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, ohne die Grundphilosophie infrage zu
stellen.
Was waren die wichtigsten Ursachen für die schwächere
Entwicklung?
Wir hatten uns teilweise von unserer ursprünglichen Philosophie
entfernt. Es wurden häufiger Unternehmen gekauft, die zwar günstig erschienen,
aber nicht die höchste Qualität hatten. Die Bewertung spielte eine zu große
Rolle – und Qualität sowie Wachstum rückten etwas in den Hintergrund.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Der wichtigste Schritt war die Rückkehr zur klaren Priorisierung
von Qualität und Wachstum. Bewertung ist wichtig, aber sie kommt erst danach.
Außerdem haben wir das Team verkleinert, um Entscheidungsprozesse zu
beschleunigen, und den Portfolio-Umschlag reduziert. Unser Ziel ist es, weniger
zu handeln und stärker in langfristige Gewinner zu investieren.
Warum war die Teamstruktur ein Hebel für Verbesserungen?
Größere Teams wirken oft stabil, können aber Entscheidungsfindung
verlangsamen. Wenn zu viele Meinungen gleichzeitig berücksichtigt werden,
besteht die Gefahr, dass man zu Kompromissen neigt oder Entscheidungen vertagt.
Ein fokussierteres Team ermöglicht klarere Verantwortlichkeiten und mehr
Agilität – das ist im aktiven Management entscheidend
Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Lehre aus der schwachen
Phase?
Disziplin ist entscheidend. Sobald man beginnt, Kompromisse bei
der Qualität einzugehen oder sich zu stark von Bewertungen leiten lässt,
entfernt man sich vom Kern der Strategie. Genau das wollten wir korrigieren –
und konsequent zu unserem Ansatz zurückkehren.
Wie hat sich das Portfolio konkret verändert?
Wir haben jede einzelne Position kritisch hinterfragt und neu
bewertet. Dabei wurden mehrere Titel verkauft, die unseren Anforderungen an
Qualität und Wachstum nicht mehr entsprachen. Gleichzeitig haben wir gezielt in
Unternehmen investiert, die höhere Kapitalrenditen und bessere
Wachstumsperspektiven bieten. Das Ziel war eine qualitative Aufwertung des
gesamten Portfolios
Gab es auch Verschiebungen auf Sektorebene?
Payne: Ja, insbesondere Technologie hat an Gewicht gewonnen. Das ist zum
einen auf neue Investments zurückzuführen, zum anderen auf starke
Kursentwicklungen. Zudem haben wir Finanzwerte stärker gewichtet, da diese in
Emerging Markets häufig strukturelle Wachstumschancen bieten – etwa durch
steigende finanzielle Inklusion.
Welche langfristigen Trends treiben Ihre
Investmententscheidungen?
Wir orientieren uns stark an strukturellen Entwicklungen wie
Digitalisierung, wachsender Mittelschicht, steigenden Gesundheitsausgaben oder
finanzieller Inklusion. Diese Trends bieten planbares Wachstum über viele Jahre
hinweg und sind daher ideal für unseren langfristigen Ansatz.
Wie bewerten Sie die bisherigen Ergebnisse der Anpassungen?
Es gibt erste positive Signale, aber wir denken in längeren
Zyklen. Unser Analysehorizont liegt typischerweise bei fünf Jahren.
Kurzfristige Performance kann Hinweise geben, ist aber nicht ausschlaggebend.
Wichtiger ist, dass das Portfolio heute wieder unseren Qualitätsanspruch
erfüllt.
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