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Schwellenländer-Fonds bieten derzeit besondere Chancen. (AI-Grafik © 2026 by MvA)
Emerging Markets

Emerging Markets: Chancen nutzen mit diesen Top-Aktienfonds

Schwellenländer-Investments galten in Kundenportfolios in den vergangenen Jahrzehnten oft als Sorgenkind. Als exotische Beimischung für einen Adrenalinkick zwischendurch. Dieses Bild ändert sich gerade grundlegend.

04.08.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Schwache Währungen, hohe Volatilität und ein großer Einfluss der Rohstoffpreise auf die Volkswirtschaften vieler Schwellenländer haben in der Vergangenheit immer wieder für Nervosität bei Investoren gesorgt. Doch das Bild wandelt sich grundlegend. Die Makroökonomie der Aufstiegsregionen hat sich verändert, einstige reine Rohstofflieferanten haben aufgerüstet und exportieren nun auch hochwertige Waren, globale Lieferketten wurden neu verschaltet, und der weltweite Durst nach Technologie hat Teilen dieser Märkte historischen Rückenwind beschert. Für Vermögensverwalter und Anlageberater stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob Schwellenländer ins Depot ihrer Kunden gehören, sondern wie Aktien aus dieser Region nun am besten in die Portfolios eingebettet werden können.

Chip-Entkopplung und Siegeszug ohne China

Ein wesentlicher Motor der positiven Entwicklung, insbesondere in den vergangenen drei Jahren, ist die Halbleiterindustrie. Schwergewichte aus Taiwan und Südkorea bilden das Rückgrat der globalen KI-Revolution und digitalen Infrastruktur. Wer Halbleiter kauft, kommt an den Schwellenländern nicht mehr vorbei. Diese technologische Stärke hat in den vergangenen drei Jahren und insbesondere in den zurückliegenden zwölf Monaten zu einem bemerkenswerten Phänomen geführt: Fonds, die China konsequent ausklammerten, liefen dem breiten Markt meilenweit davon. Während die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt unter Immobilienkrise, regulatorischen Eingriffen und schwachem Konsum litt, profitierten Märkte wie Taiwan, Südkorea und Indien vom Tech-Boom und stetigem Zufluss ausländischen Kapitals. Jüngere Spezialfonds wie der Fidelity Funds - Emerging Markets Ex China Fund (ISIN: LU2577110138 in Euro beziehungsweise ISIN: LU2546391173 in USD) haben genau diesen Nerv getroffen. Durch das gezielte Kappen des China-Ballasts konnten Anleger ungefiltert an den Wachstumsdynamiken der übrigen Schwellenländer partizipieren, ohne von Pekings makroökonomischem Bremsklotz mit heruntergezogen zu werden.

Zwar kam es zuletzt zu teils spürbaren Kurseinbrüchen bei den Chipherstellern. Das war zu erwarten, sagt Robert Almeida, Portfoliomanager und Global Investment Strategist bei MFS Investment Management. „Der Markt stellt die aktuelle Speicherknappheit nicht in Frage. Er beginnt vielmehr, die künftige Entwicklung einzupreisen, nämlich ein Überangebot an Chips", so Almeida. Für Anleger, die jetzt ihr EM-Portfolio gestalten, ist der jüngste Ausverkauf im Chipsegment jedoch kein Nachteil. Im Gegenteil. Die heftigsten Korrekturen sollten nun bereits stattgefunden haben. Kursschwankungen bieten zudem eher strategische Nachkaufchancen für defensiver bewertete Qualitätsaktien der Branche.

Aktiv gemanagte Fonds, die China ausgeklammert und damit in den vergangenen zwölf Monaten hohe Wertzuwächse erzielt haben

ISIN Name Auflegung Volumen in Mio. Euro Perf. 1 Jahr Perf. 3 Jahre p.a. Lfd. Kosten
LU2577110138 FF Emerging Markets Ex China Y 01.02.23 3,41 88,61% 32,88% 1,10%
LU2546391173 Fidelity Sust EM ex China A 01.02.23 11,46 86,61% 31,48% 1,94%
LU2438695442 GS EM Ex-China Eq Pf Base 10.05.22 9,87 78,26% 25,65% 2,25%
LU2528868008 Nordea-1 Em xChina Sust Stars Eq BP 27.09.22 333,02 74,70% 27,63% 1,83%
LU1581387781 aS I Em Markets Ex China Equity A Acc $ 30.06.17 92,31 65,36% 23,02% 1,73%

Die richtige Portion China

China ist ein Thema für sich. Das Stimmungstief hat den Aktienmarkt ab dem Jahr 2020 zwischenzeitlich auf Tiefststände getrieben. Im Dezember 2023 notierte der FTSE China A50 Index nur noch halb so hoch wie drei Jahre zuvor. Seitdem hat sich das Bild jedoch spürbar aufgehellt: Ein umfassendes Konjunkturpaket hat die heimischen Börsen gestützt. 2025 folgte eine breite Kurserholung mit zweistelligen Zuwächsen bei Onshore- wie Offshore-Titeln. Anfang 2026 belasteten dann Verkäufe staatlicher chinesischer Fonds zeitweise die Kurse, während sich das fundamentale Bild – steigendes Bewertungsniveau bei chinesischen Technologiewerten – weiter verbessert hat. Die Kurse vieler chinesischer Tech- und Konsumgiganten sind immer noch so niedrig, dass sie Value-Investoren ein weites Feld an Chancen bieten. Die Bewertungskennzahlen sprechen für sich: Sowohl der FTSE China A50 Index als auch der breite chinesische Leitindex CSI 300 notieren trotz der Kurserholung noch deutlich unter den Bewertungsniveaus westlicher Standardindizes.

Für viele institutionelle Beobachter ist es deshalb keine Frage mehr, ob China überhaupt investierbar ist, sondern wie hoch die richtige Gewichtung im Portfolio sein sollte. In vielen klassischen Mischportfolios aus Industrie- und Schwellenländer-ETFs liegt der tatsächliche China-Anteil heute oft nur bei einstelligen Prozentwerten – deutlich unter dem, was die wirtschaftliche Bedeutung des Landes nahelegen würde.

Das heißt jedoch nicht, dass eine pauschale Aufstockung der China-Position für jeden Anlegertyp sinnvoll ist. Die Risiken bleiben real: staatlicher Einfluss auf die Wirtschaft, unklare Regulierung einzelner Branchen, geopolitische Spannungen rund um Taiwan und Handelskonflikte mit den USA. Wer China stärker gewichten möchte, sollte dies eher selektiv als über einen pauschalen Länder-ETF tun – also über aktiv gemanagte Fonds, die gezielt in Sektoren mit struktureller Wachstumsstory investieren, anstatt die gesamte Bandbreite von Immobilienkonzernen bis Staatsbanken sowie deren Risiken passiv mitzunehmen.

Rohstoff-Chancen in Lateinamerika

Gleichzeitig lohnt der Blick nach Lateinamerika. Regionen wie Brasilien oder Mexiko bieten ein ganz eigenes Chancenspektrum. Mexiko profitiert massiv vom Trend zum Nearshoring, da westliche Konzerne ihre Produktion näher an die USA verlagern. Brasilien wiederum punktet als Rohstoffsupermacht bei Agrargütern und den für die Energiewende unverzichtbaren Metallen wie Kupfer und Lithium. Chile wiederum gibt sich nicht damit zufrieden, zweitgrößter Lithium-Produzent weltweit zu sein. Unternehmen investieren kräftig in die Weiterverarbeitung, zum Beispiel in die Batterieproduktion – und erwirtschaften damit deutlich höhere Gewinne als mit der reinen Förderung des Rohstoffs. Vielen lateinamerikanischen Ländern kommt zudem zugute, dass ihre Zentralbanken die Inflation früher als die westlichen Notenbanken bekämpft haben. Sie stecken bereits mitten in Zinssenkungszyklen, was den heimischen Aktienmärkten Auftrieb gibt.

So groß die Chancen auch sind – im Kundengespräch sollten Anlageberater nicht versäumen, auf die typischen Risiken von Investitionen in Lateinamerika aufmerksam zu machen: politische Volatilität, Währungsschwankungen und die Abhängigkeit von globalen Rohstoffpreiszyklen.

Die Vorteile aktiven Managements in den Emerging Markets

Nicht zuletzt aufgrund der angesprochenen Risiken und der teilweise sehr unterschiedlichen Märkte erfordern Investitionen in Unternehmen aus den Schwellenländern besonderes Fingerspitzengefühl. Wer diesen Sektor über unflexible Index-ETFs abbildet, läuft Gefahr, erhebliche Klumpenrisiken und veraltete Branchengewichtungen einzukaufen. Denn passive Index-ETFs sind oft extrem kopflastig und gewichten staatsnahe Betriebe hoch, die selten im Sinne der Aktionäre geführt werden. Hier schlägt die Stunde des aktiven Managements. Erfahrene Fondsmanager können schwache Unternehmen meiden, Währungsrisiken flexibel steuern und Ineffizienzen in den lokalen Märkten ausnutzen.

Aktiv gemanagte Emerging Markets Fonds, die in den vergangenen zwölf Monaten hohe Wertzuwächse erzielt haben

ISIN Kurzname Auflegung Volumen in Mio. Euro Perf. 1 Jahr Perf. 3 Jahre p.a. Perf. 5 Jahre p.a. Lfd. Kosten
LU0102238812 NEF Emerging Market Equity R 11.10.99 344,41 84,66% 22,81% 6,59% 1,20%
LU0650957938 FAST Emerging Markets A 31.10.11 604,67 81,45% 35,04% 12,53% 1,95%
LU0336083810 Carmignac Pf-Emerging Discovery A 14.12.07 210,04 75,84% 30,56% 14,16% 2,33%
LU0261950470 Fidelity Emerging Markets A 25.09.06 276,67 67,54% 23,11% 5,89% 1,92%
LU0222530932 WB Emerging Markets Growth I 10.03.05 121,44 66,94% 24,19% 6,44% 1,80%
LU0212839673 East Cap (L) Global Em Markets Sust A 09.05.05 524,15 66,56% 25,53% 10,92% 2,23%

Ein Beispiel für einen aktiven Fonds, der schon länger am Markt ist und insbesondere in den vergangenen fünf Jahren herausragende Ergebnisse geliefert hat, ist der FAST - Emerging Markets Fund von Fidelity (ISIN: LU0650957938), der eine hochflexible Long-Short-Strategie nutzt. Das Management kann dadurch nicht nur auf die besten Wachstumswerte der Schwellenländer setzen, sondern schwache oder strukturell bedrohte Unternehmen auch gezielt absichern oder von deren Verfall profitieren.

Performancestark präsentierte sich in den vergangenen Jahren auch der Carmignac Portfolio Asia Discovery (ISIN: LU0336083810). Der Fonds setzt auf Nischen und unentdeckte Perlen und konzentriert sich dabei auf dynamische Asian-Small- und Mid-Caps. Weil diese Unternehmen von großen Analysehäusern kaum abgedeckt werden, entstehen Bewertungsabschläge, die das Fondsmanagement mit seinem aktiven Research hervorragend ausnutzen kann.

Für Finanzintermediäre lautet das Fazit: Die Emerging Markets sind nur ein Überbegriff, aber kein homogener Block. Wer seinen Kunden einen Mehrwert bieten möchte, zerlegt das Thema in seine Bausteine. Mit aktiven Strategien, einem klaren Bewusstsein für Technologietreiber und einer gezielten Steuerung des China-Exposures lassen sich in den Schwellenländern derzeit Ertragspotenziale heben, die in den gesättigten Märkten des Westens aktuell kaum noch zu finden sind.

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