Scalable Capital öffnet seine Investmentplattform für KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude. Mit „Agentic Investing“ können Anleger künftig per natürlicher Sprache Marktdaten analysieren, Sparpläne vorbereiten, Watchlists verwalten und Wertpapiertransaktionen steuern – bei weiterhin vorgesehenen Sicherheits- und Freigabemechanismen.
25.08.2026 | 07:47 Uhr
Scalable Capital will die Nutzung von Künstlicher Intelligenz bei der Geldanlage auf eine neue Stufe heben. Der Neobroker und Vermögensverwalter führt mit Agentic Investing eine technische Schnittstelle ein, über die Kunden externe KI-Assistenten mit ihrem Scalable-Konto verbinden können. Nach Angaben des Unternehmens ist Scalable Capital die erste Bank in Europa, die ihre Plattform für gängige KI-Assistenten wie ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und Grok öffnet. Kunden können Agentic Investing im Kundenbereich aktivieren und anschließend ihren bevorzugten KI-Assistenten mit dem Depot verknüpfen. Die Idee dahinter: Statt sich durch Menüs zu klicken, sollen Anleger viele Funktionen künftig über Anweisungen in natürlicher Sprache nutzen können – vom Abruf von Marktdaten über die Analyse des eigenen Depots bis zur Vorbereitung von Sparplänen und Wertpapierorders.
Unter Agentic Investing versteht Scalable Capital die Verbindung eines KI-Assistenten mit Funktionen der Investmentplattform. Über einen Prompt können Kunden den KI-Assistenten beispielsweise anweisen, Aktien, ETFs oder Derivate zu suchen, Watchlists zu verwalten oder Preisalarme einzurichten. Auch News, Echtzeitkurse und historische Kursdaten sollen über die Schnittstelle verfügbar sein. Darüber hinaus können Anleger und die von ihnen genutzten KI-Assistenten auf Analysefunktionen aus Scalable Insights zugreifen. Dazu gehören unter anderem Diversifikations-Checks, Szenario-Analysen, Auswertungen nach Branchen und Regionen sowie Risikoanalysen. „Agentic Investing ist der größte technologische Sprung in der Finanztechnologie seit dem Internet-Banking. Mit der Öffnung unserer Plattform setzen wir den Standard für die Interaktion zwischen Mensch, KI und Kapitalmarkt“, sagt Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO von Scalable Capital.
Die neue Funktion soll zahlreiche bisher manuell ausgeführte Aufgaben vereinfachen. Ein Anleger könnte beispielsweise einen KI-Assistenten auffordern, einen personalisierten Newsletter zu den Wertpapieren im eigenen Depot und auf der Watchlist zu erstellen. Auch komplexere Aufgaben sollen möglich sein. So können Nutzer ihr Depot mit einem Musterportfolio vergleichen, bestimmte Transaktionen für eigene Auswertungen oder steuerliche Zwecke exportieren oder eine passende monatliche Sparrate berechnen lassen.
Ein weiteres Beispiel: Ein Kunde möchte in zehn Jahren bei einer angenommenen Rendite von sieben Prozent pro Jahr ein Vermögen von 25.000 Euro aufbauen. Der KI-Assistent kann auf Basis dieser Vorgabe die notwendige monatliche Sparrate berechnen und einen entsprechenden Sparplan zur weiteren Freigabe vorbereiten. Auch bestehende Orders lassen sich nach den Angaben des Unternehmens über natürliche Sprache verwalten. Nutzer könnten beispielsweise das Limit einer Kauforder in Abhängigkeit vom aktuellen Briefkurs anpassen lassen.
Ein zentraler Punkt beim Einsatz von KI im Wertpapiergeschäft ist die Frage der Sicherheit. Scalable betont deshalb, dass Kunden den Zugriff jederzeit verwalten oder vollständig deaktivieren können. Alle bestehenden Konto- und Rollenberechtigungen sollen weiterhin gelten. Für die Nutzung ist eine Anmeldung über den Scalable-Login erforderlich, ergänzt durch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, die vorab und in regelmäßigen Abständen erneut bestätigt werden muss. Wertpapiertransaktionen sollen zudem nicht ohne die vorgesehenen regulatorischen Prozesse ausgeführt werden. Vor einer Transaktion erhalten Kunden weiterhin die erforderlichen Informationen, etwa zu Kosten oder Basisinformationsblättern. Diese Informationen werden individuell referenziert und müssen entsprechend rückbestätigt werden. Auch Push-Benachrichtigungen, Wertpapierabrechnungen und Mitteilungen im Kundenpostfach bleiben erhalten. Sämtliche Aktivitäten können nach Angaben von Scalable in Echtzeit im Kundenbereich kontrolliert werden. Zahlungen sind weiterhin ausschließlich über die App oder die Webplattform möglich.
Technisch stellt Scalable Capital für Agentic Investing zwei Zugangswege bereit: eine CLI-Anwendung und einen MCP-Server. Die Command Line Interface (CLI) kann auf dem eigenen Gerät installiert werden und richtet sich insbesondere an Nutzer, die lokale KI-Modelle oder KI-Assistenten einsetzen möchten. Daneben bietet Scalable einen Zugang über das Model Context Protocol (MCP). Der ursprünglich von Anthropic entwickelte Standard ermöglicht KI-Assistenten die Verbindung mit externen Anwendungen und Datenquellen. Über diese Schnittstelle können Kunden ihren bevorzugten KI-Assistenten mit den Funktionen von Scalable Capital verbinden. Die Einrichtung erfolgt im Web-Kundenbereich über Profil > Sicherheit.
Scalable weist ausdrücklich darauf hin, dass externe KI-Anwendungen unabhängig vom Unternehmen arbeiten und außerhalb der Kontrolle des Finanzdienstleisters liegen. Antworten, Analysen, Empfehlungen oder Transaktionen, die durch einen KI-Assistenten erzeugt werden, stammen demnach nicht von Scalable Capital und stellen keine Anlageberatung dar. Das ist insbesondere für Anleger relevant, die KI-Assistenten künftig für Investmententscheidungen einsetzen möchten. Eine KI kann Daten analysieren, Berechnungen durchführen und Prozesse automatisieren. Die Verantwortung für die letztendliche Anlageentscheidung bleibt jedoch beim Kunden.
Mit Agentic Investing setzt Scalable Capital seinen Ausbau von KI-Funktionen fort. Bereits seit August 2025 bietet das Unternehmen mit „Insights“ einen KI-gestützten Chatbot innerhalb der eigenen Plattform an. Dieser soll Finanzfragen beantworten und Echtzeit-Analysen bereitstellen. Mit der neuen Schnittstelle geht Scalable nun einen Schritt weiter: Die KI bleibt nicht mehr ausschließlich innerhalb der eigenen App. Stattdessen können Kunden künftig selbst entscheiden, welchen KI-Assistenten sie für den Zugriff auf Daten und Funktionen ihrer Investmentplattform verwenden möchten.
Für die Branche könnte dieser Ansatz richtungsweisend sein. Während KI bislang vor allem als Analyse- oder Serviceinstrument in Banking-Apps eingesetzt wird, verbindet Agentic Investing externe KI-Assistenten direkt mit konkreten Funktionen rund um Depot, Wertpapiere und Sparpläne. (jk)
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